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Die Kelten - 3. Krieger, Kopfjäger, Kaufleute

Glasperlenfragment vom Dünsberg
Glasperlenfragment vom Dünsberg
Reiskirchen | Ihre Kultur eroberte Mitteleuropa vom Atlantik bis zum Schwarzen Meer, von den Südhängen der Alpen bis zu den Nordhängen der Mittelgebirge. Ihre Krieger waren geachtet und gefürchtet und sie waren Kopfjäger.

Kriegskunst
Die Kelten waren kriegerische Stämme wie uns zahllose griechische und römische Militärberichte überliefern. In frühen Zeiten kämpften sie oft nackt oder nur mit Körperbemalungen. Typisch für die Bewaffnung reicher keltischer Krieger waren das Kurzschwert, ein langer ovaler Schild, mitunter auch ein Helm aus Eisen, Bronze oder Leder und auch Speere mit bronzener oder eiserner breiter Spitze

Der arme keltische Krieger kämpfte oft nur mit hölzernen Speeren und Keulen.

Später kamen in der keltischen Rüsttechnik noch das Kettenhemd und der Schuppenpanzer hinzu. Die Römer schreiben den Kelten die Erfindung des Kettenhemdes zu.

Bei den Grabungen am Dünsberg kamen eiserne Kettenhemdfragmente zum Vorschein, deren Ringe einen Drahtdurchmesser von 1-1,5mm hatten und einen Außendurchmesser von 4-5mm. Um alleine ein Hemd damit herzustellen braucht man etwa 300 000 bis 500
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Schwert (9)Kelten (30)Gruben (2)
000 Ringe, davon die Hälfte geschlitzt und anschließend vernietet. Alleine die Arbeit die in einem solchen Kettenhemd steckt dürfte auch damals ein kleines Vermögen wert gewesen sein und solch ein Rüstungsstück war wohl nur Kriegern höheren Standes vorbehalten. Zum Vergleich: mittelalterliche Kettenhemden hatten meist einen Ringdurchmesser von 10mm und brauchten damit nur 1/4 der Menge an Ringen und natürlich auch an Arbeitszeit.

Metallbearbeitung
Die Metallurgie der Kelten war hoch entwickelt und sie beherrschten schon das Legieren von Stahl ebenso die Mehrlagentechnik in der Art der Damaszener. Dabei wurden unterschiedlich legierte Stahlsorten miteinander feuerverschweißt und wieder und wieder gefaltet bis ein sehr harter aber auch zäher Stahl entstand. Ein maßgebliches Legierungselement war Phosphor, das durch das gemeinsame Erschmelzen aus Erz und Tierknochenmehl in die Schmelze kam.

Im Lahn-Dill-Gebiet wurden aus den Erzgruben stark Manganhaltige Erze gewonnen, was zu verbesserter Schweiß- und Schmiedbarkeit und hoher Verschleißfestigkeit führte. Manganhaltige Stähle werden unter Schlagbelastung immer härter und zäher.

Man kann getrost davon ausgehen, dass die Stahlprodukte der Kelten aus dem Lahn-Dill-Gebiet alleine schon aufgrund der Rohstoffe eine hohe Qualität aufgewiesen haben müssten.

Kopfjäger
Oder: "Zuhause ist, wo die Schädel meiner Feinde über der Tür hängen!"

Bei Schilderungen von Kämpfen mit Kelten taucht immer wieder auf, dass die Kelten Kopfjäger waren. Sie schnitten ihren Feinden den Kopf ab und dekorierten damit ihre Wagen, ihre Pferde und die Eingänge zu ihren Festungen.

Diodor, ein Griechischer Geschichtsschreiber vermerkt:
"Den gefallenen Feinden schlagen sie die Köpfe ab und hängen sie am Hals ihrer Pferde auf; die blutigen Waffen aber geben sie ihren Dienern und lassen sie als Beute unter Kriegsgeschrei und Triumphgesängen einhertragen."
und
"Die Köpfe ihrer vornehmsten Feinde balsamieren sie ein und verwahren sie sorgfältig in einer Kiste, und wenn sie diese dann den Fremden zeigen, so rühmen sie sich, wie einer ihrer Vorfahren oder ihr Vater oder auch sie selbst diesen Kopf um vieles Geld nicht hergegeben hätten."

Eindrucksvoll wurde dies erst kürzlich bewiesen, als in Koblenz eine keltische Kopftrophäe in den archäologischen Überresten eines Gehöfts gefunden wurde, in der noch der Nagel zur Befestigung steckte.

Mannbarkeitsriten
In der Literatur wird sehr häufig davon berichtet, dass junge Krieger ihren Mut und ihre Tatkraft beweisen mussten, indem sie Vieh und Frauen der benachbarten Stämme stahlen. Dies führte meist zu langwierigen Fehden und Blutrache und da außer in spätkeltischer Zeit das Römische Reich kein großer äußerer Feind vorhanden war, erschöpften sich die lokalen Stammesfürsten und Kleinkönige gerne in Konflikten mit ihren Nachbarn.

Wie schwierig die Einigung keltischer Stämme war, zeigt die große Anstrengung, die Vercingetorix aufwenden musste, um eine nennenswerte Anzahl von Stämmen gegen die Römer zu mobilisieren.

Händler
Trotz des kriegerischen Miteinanders trieben die Kelten Handel und Kulturaustausch quer durch ganz Europa. Dies trug letztendlich zur Schaffung eines zusammengehörigen Kulturraumes bei, zur Verbreitung von Waren, Informationen, Sprache, Handwerk und Technik.

In Gundestrup in Dänemark findet sich ein prachtvoller Kessel mit keltischen Mythologiedarstellungen, und auch am eher unbedeutenden Dünsberg finden sich in keltischen Fundhorizonten Handelswaren aus Italien wie z.B. ein Pfannenfuß.

Keltische Handwerker waren auch bei den Römern sehr beliebt - Keltische Glashandwerker z.B. wegen der Kunst, nahtlose Glasarmreifen herstellen zu können und natürlich keltische Schmiede wegen ihren ausgezeichneten metallurgischen Kenntnissen.

Das keltische Kurzschwert und auch der keltische Wangenklappenhelm fanden Eingang in die Bewaffnung der Römischen Armee, die häufig für gut befundene Erfindungen der von ihnen eroberten Völker für ihr eigenes Heer übernahmen.

Die Handelsstraßen durch ganz Europa bestanden zu keltischer Zeit schon einige Jahrtausende und so wurde auch ohne Internet und ohne Post die Kommunikation aufrecht erhalten. Informationen die heute in Millisekunden um den Erdball rasen, brauchten damals Wochen bis Jahre um in andere Teile der Erde zu gelangen - aber die Verbindungen waren vorhanden.

Und im nächsten Teil werden wir etwas über die keltischen Familien, die Sozialstrukturen und das Zusammenleben im Dorf oder in der Stadt lesen.

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Kommentare zum Beitrag

Hugo Gerhardt
6.681
Hugo Gerhardt aus Gießen schrieb am 27.01.2011 um 15:12 Uhr
Von diesen Kriegern reden wir noch heute wenn wir von Barbaren sprechen.
Ulrike J. Schepp
1.180
Ulrike J. Schepp aus Reiskirchen schrieb am 27.01.2011 um 15:37 Uhr
Die Griechen -selbst gerne glatt rasiert- bezeichneten alle barttragenden Völker als Barbaren. Ob sie damit nur die Kelten gemeint haben wage ich zu bezweifeln.

Jedenfalls war eine der Lieblingsbeschäftigungen der Kelten, dem Nachbarstamm eins auf die Ömme zu hauen und ihnen das Vieh und die Mädels zu stehlen ;-D
...barbarisch...
Nicole Freeman
7.209
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 31.01.2011 um 07:49 Uhr
haben das nicht auch die wikinger im hohen norden so gehandhabt ? Skoll auf unser wohl . Schaedelsammeln sollte bei den Wikingern abschrecken und Feinde abwehren. Frauen als Diebesgut gab es glaube ich in fast allen kulturen.
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