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Fackeln in den Straßen

Heuchelheim | Die Nacht vom 9. auf den 10. November. Man geht auf die Straße. Menschen versammeln sich mit Fackeln in der Hand. Sie ziehen durch die Straßen. In allen Städten in Deutschland geschieht das Gleiche. Sie suchen jüdische Einrichtungen auf. Sie rufen die Namen, zünden Feuer. Die Nacht vom 9. auf den 10. November wird als Kristallnacht in die Deutsche Geschichte eingehen. Ein Datum das man nicht vergessen darf. In dieser Nacht starben ca. 400 jüdische Mitbürger, wurden unzählige verletzt und gedemütigt. In dieser Nacht brannten Synagogen, Geschäfte und Wohnungen. In dieser Nacht zeigte der Nationalsozialismus sein echtes Gesicht. Nach dieser Nacht war man geschockt. Keiner hat da mitgemacht und doch waren da Bürger auf der Straße. Lehrer, Maurer, Jugendliche und Nachbarn verbrannten die Kultur ihrer Mitbürger, töteten und plünderten. Wir haben das nicht gesehen. Diese Aussage hat man nach dem Krieg zu oft gehört. Die Nacht vom 09. zum 10. November 1938 war der Beginn einer mörderischen Zeit. Einer Zeit, in der Eltern vor der Aussage ihrer Kinder Angst haben mussten. Eine Zeit, in der der liebe Nachbar der
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größte Feind sein konnte. Eine Zeit, in der Behinderte, Kranke, Juden, Sinti und Roma, anders denkende Freigeister plötzlich aus den Straßen verschwanden. Niemand fragte nach. Kaum einer hatte den Mut zu helfen. Heute gehen die Menschen auf die Straße. Sie ziehen mit Fackeln an die Orte, an denen die Opfer lebten und arbeiteten. Man ruft ihre Namen, man erzählt ihre Geschichte. Wir dürfen dies niemals vergessen! Was damals war, kann wieder geschehen. Heute ist es okay in der Kneipe Menschen verachtende Parolen zu schwingen. Kaum einer geht zur Wahl. Genau so hat es damals auch angefangen. Wehrt den Anfängen. Das geht am besten durch Gedenken, Erinnern, die Geschichte lebendig halten.
Im Gedenken an die Opfer, die in der Psychiatrie gequält wurden, die zwangssterilisiert wurden, die zu Versuchszwecke missbraucht wurden. Im Gedenken an die Opfer, die wegen ihres Glaubens sterben mussten, die wegen ihrer Herkunft sterben mussten.
Lasst die Fackeln brennen, damit wir nicht vergessen!

Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 09.11.2019 um 17:03 Uhr
Es ist etwas was ins immer begleiten. IMMER !
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 09.11.2019 um 21:15 Uhr
Luthers große Geburtstagssause
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.11.2019 um 14:28 Uhr
Was hat die Reichsoprognomnacht mit Luther zu tun?
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 10.11.2019 um 14:40 Uhr
Eine ganze Menge. Hitler hat Luther bewundert, sah in ihm einen Vordenker. Er bezeichnete ihn als Riesen. Luther hatte diverse forderungen wie man mit den Juden umzuigehen habe.
1.Verbrennen ihrer Synagogen
2. Zerstörung ihrer Häuser
3. Wegnahme ihrer religiösen Bücher
4. Lehrverbot für Rabbiner
5. Aufhebung der Wegefreiheit
6. Zwangsenteignung
7. Zwangsarbeit
Und genau das hat Hitler gemacht, umgesetzt was Luther forderte. Das Datum der Reichsprogrmnacht dürfte nicht zufällig gewählt sein, fällt sie doch in die Nacht vor Luthers Geburtstag. Diese Verbindung wurde bereits 1938 vom Thüringischen Landesbischof Martin Sasse gezogen, der schrieb:
„Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird […] die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiet im neuen Deutschland endgültig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des Führers zu völligen Befreiung unseres Volkes gekrönt. In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes gehört werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der größte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden"
Die Reichsprogromnacht und generell Hitlers Umgang mit den Juden hat einen großen Bezug zu Martin Luther. Fairerweise muss man aber auch sagen das man Luther ja nicht auf seinen Antisemitismus beschränken darf. Er war ja auch ein Frauenfeind, Gegner der Bauern und er hasste mit Leidenschaft Menschen mit Behinderung. Heute wäre die Bezeichnung Hassprediger für Luther mehr als zutreffend.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 10.11.2019 um 17:34 Uhr
Die Flasche in Ihrer Hand trägt nicht dazu bei Sie wirklich ernst zu nehmen
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 10.11.2019 um 17:49 Uhr
Sie sind so vorhersehbar in ihrer ignoranten Dummheit. Wenn man ihnen Fakten präsentiert die ihr Synapsenknoten nicht umsetzen oder akzeptieren kann lenken sie mit irgendeinem Mist ab. Ihr Vormund muss an Ihnen die helle Freude haben.
Dagmar Simons
144
Dagmar Simons aus Gießen schrieb am 11.11.2019 um 10:55 Uhr
Danke, Herr Schmidt, für diese ausführliche und fundierte Information. Ich hab mit Kirche und Glauben nichts am Hut und hab mich daher mit Luther auch nicht besonders beschäftigt, außer dem, was man halt so weiß. Oder dachte zu wissen. Das sind wirkliche neue und interessante Erkenntnisse.
Christoph Schäfer
746
Christoph Schäfer aus Gießen schrieb am 11.11.2019 um 11:03 Uhr
Wie wahr, wie wahr Herr Schmidt. Man denke dabei z. B. an Luthers Pamphlet "wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern."
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 11.11.2019 um 12:17 Uhr
Der Herr Schmidt mehr als vorhersehbar. Wie ein Hund dem man einen Knochen hinwirft. Luther oder Glauben :-) Er schnappt zu.
Dagmar Simons
144
Dagmar Simons aus Gießen schrieb am 11.11.2019 um 17:57 Uhr
Auch wenn das jetzt nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat - Herr Herold, ich verstehe Ihren Eintrag nicht. Sie haben Herrn Schmidt eine Frage gestellt, die er sehr ausführlich beantwortet hat. Was bitte ist daran auszusetzen? Warum soll man ihn, nach Ihrer ersten Bemerkung dazu, nicht ernst nehmen? Das wüsste ich wirklich gerne.
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 11.11.2019 um 18:22 Uhr
Frau Simons, der Herr Herold trollt halt gerne. Antworten die ihm nicht passen werden ignoriert oder das Thema gewechselt. Ich bemühe mich ja ihn geschichtlich zu bilden und auch im Hinblick auf das was er meint zu glauben, aber das perlt immer ab.
Nicole Freeman
10.321
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 11.11.2019 um 19:27 Uhr
die info, das es luthers geburtstag ist war mir nicht bekannt. das luther nicht gerade zimperlich war, wenn es um seine meinung ging war mir bekannt. frauen hatten in dieser zeit sowieso nix zu melden. zwangsverheiratung war normal. da wurde geschaut was die braut mit brachte, ob die äcker nebeneinander lagen. was die brautleute dachten spielt keine rolle. liebe kann man lernen. zum glück sind die zeiten heute in deutschland fast vorbei. aber eben nur fast. wie viele frauen in der psychatrie gelandet sind weil sie nicht standesgemäß heiraten wollten? Einige Fälle sind bekannt.
Die ausstellung in der Vitos Klinik zu diesem Thema sollte man sich ansehen.
Michael Beltz
7.585
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 17:32 Uhr
Luthers Äußerung, die Florian Schmidt genannt hat,waren nun einmal so, auch wenn es Peter Herold nicht gefällt. Nachsehen kann man z.B. in Erfurt im Johann Sebastian Bach Museum. Ein Trost bleibt Peter Herold: es gab noch mehr Antisemiten und Frauenhasser.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 18:28 Uhr
Ich habe nicht gesagt, dass mir was an Luther nicht gefällt. Es war für mich nur die Frage ob Luther im Zusammenhang mit den Fackeln genannt werden musste. Ich hatte keine Ahnung, dass da Luther seinen Geburtstag haben soll. Mit Luther hab ich nur im Zusammenhang mit dem Lied "Ein feste Burg..." was zu tun. Für mich ein gutes Lied. Wird dem Zeitgeist entsprechend leider zuwenig in der Kirche gesungen.
Eine Anmerkung. Warum hat Herr Schmidt nicht einen eigenständigen Beitrag geschrieben? Den hätte ich sicher nicht kommentiert. Ich kenn ja seine Vorlieben für bestimmte Themen.
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 18:31 Uhr
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 18:49 Uhr
Jetzt wieder Herr Schmidt!
Das war 2017. Das wäre aber kein Grund gewesen einen neuen Beitrag zu schreiben:-(
Die quasi Notwendigkeit leite ich vom oben stehenden Kommentar von Frau Simons ab.
Michael Beltz
7.585
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 19:18 Uhr
"....ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen...." womit man kann die Juden treffen.
Ich gehe jedes Jahr am 9. November zur Kundgebung und Mahngang.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 19:30 Uhr
Es kann uns alle treffen, ohne Ausnahme.
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 19:32 Uhr
Mit Gottes Seegen, irgendeiner dieser Biester wird schon kein Problem damit haben wenn eine Gruppe Menschen sinnlos ausgerottet wird.
Kurt Wirth
2.409
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 21:44 Uhr
In der Tat konnten die Faschisten in der Reichspogromnacht auf eine lange Tradition des Antisemitismus aufbauen. Dieses Jahr gab es ja auch den Gerichtsprozeß um die Wittenberger "Judensau": eine Steinplastik an der Wittenberger Stadtkirche (an der ja Luther seine Thesen angenagelt haben soll), an der ein Angehöriger jüdischer Religion aus Berlin Anstoß nahm und die Sache gegflls. bis zum Europäischen Gerichtshof durchfechten will. Die evangelische Kirchengemeinde wollte diese Plastik nicht abnehmen, da sie diese auch nicht angebracht habe.

Die Plastik wurde dort bereits um 1300 angebracht, womit die Katholiken dem Reformator in nichts nachstanden oder anders herum, er in dieser Angelegenheit nichts reformierte. Das Motiv soll auch landauf, landab an Kirchen weit verbreitet gewesen sein. Nach letztem Stand gibt es wohl den Vorschlag, die Schmähplastik um eine Erläuterungstafel zu ergänzen, die im Boden eingelassen wird.

Die Plastik zeigt eine Muttersau, an deren Zitzen jüdische Menschen zutzeln. Ein Rabbi hebt den Schwanz der Sau und sieht ihr in den After.

Siehe hierzu Googleergebnisse en masse.

Also in dieser Sache, Peter, kann ich Dir auch nur empfehlen, im Kämmerchen ein gebet der Reue zu sprechen :-)
Florian Schmidt
4.774
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 12.11.2019 um 21:46 Uhr
Ja, die Judensau. Sinnbild dafür dass es KEINEN, ich betone KEINEN Antisemitismus in der evangelischen Kirche gab, gibt oder geben wird.
Stefan Walther
4.559
Stefan Walther aus Linden schrieb am 12.11.2019 um 22:31 Uhr
Wenn ich mir den Beitrag durchlese und dann die Kommentare dazu - geht es nur mir so oder wundern sich auch Andere?
Der Hinweis von Herrn Schmidt mag seine Berechtigung haben - kein Widerspruch - aber warum geht von den Kommentatoren niemand auf den Inhalt des Beitrags ein?

Warum stellt niemand u.a. diese Fragen?
- wieso konnten die Faschisten ( nicht "Nationalsozialisten", diesen irreführenden Begriff haben sich die Faschisten selbst gegeben ) überhaupt an die Macht kommen?
- haben die Faschisten tatsächlich erst in der Reichspogromnacht ( nicht "Reichskristallnacht", auch das ist ein faschistischer Begriff ) ihr wahres Gesicht gezeigt?
- waren das alles irre, fehlgeleitete Sadisten und Rassisten usw. oder steckte nicht doch etwas anderes, steckten nicht doch knall harte Interessen, Auftraggeber, Hintermänner... hinter den Faschisten?
Kurt Wirth
2.409
Kurt Wirth aus Gießen schrieb am 13.11.2019 um 08:11 Uhr
Für meine Person war mir klar, was Frau Freeman in ihrem Beitrag gemeint hat. Hatte da kein Kommunikationsproblem.
H. Peter Herold
28.306
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 13.11.2019 um 09:15 Uhr
Ich auch nicht. Siehe meinen ersten Kommentar.
Michael Beltz
7.585
Michael Beltz aus Gießen schrieb am 13.11.2019 um 11:11 Uhr
Mir geht es wie Kurt.
2.458
Gertraud Barthel aus Gießen schrieb am 13.11.2019 um 11:18 Uhr
Die sogenannte Reichspogromnacht war nicht der erste gewalttätige Ausbruch von Judenhass im christlichen Abendland.
Vergessen wir nicht, dass Judenhass, basierend auf der Behauptung,
die Juden hätten Jesus ermordet, ein wesentlicher Bestandteil der
christlichen Lehre war.
In dieser Beziehung hat Luther einfach die Positionen der katholischen
Kirche übernommen, ebenso wie in Bezug auf die Rechte von Frauen oder
der unterdrückten Bauern.
Luther war Theologe und wollte nichts weiter als in bestimmten Aspekten die Kirche reformieren.
Ihm soziale Interessen nachzusagen, ist ein Missverständnis, und auch mit Politik kann man ihn nur in Zusammenhang bringen, weil er von politisch Mächtigen für ihre Zwecke benutzt wurde.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Nicole Freeman

von:  Nicole Freeman

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