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Stuttgart - 21 ist nicht stressfest „Bahn rechnet im Stresstest mit menschenleeren Zügen“

Gießen | „Tunnelaufträge dürfen nicht vergeben werden“
Aktive von ROBIN WOOD kommentieren heute demonstrativ zusammen mit tausenden Stuttgartern beim Public Viewing auf dem Rathausplatz den heute der Öffentlichkeit präsentierten Stresstest für das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21: „Wo bleibt der Stress im Stresstest?“ steht auf dem Transparent, das die Aktiven mit sich führen. Sie kritisieren, dass sich die Fahrplan-Simulation isoliert nach der Gleisauslastung richtet, statt von den Menschen auszugehen, die die Züge benutzen. Sie fordern, der von der DB AG angekündigten sofortigen Vergabe von Tunnelbauaufträgen für bis zu 750 Millionen Euro einen Riegel vorzuschieben.

Die DB AG versucht mit dem als Ergebnis der Faktenschlichtung im letzten Herbst vereinbarten Stresstest nachzuweisen, dass die Investition von mehr als vier Milliarden Euro in die Tieferlegung des Stuttgarter Bahnhofs eine Leistungssteigerung bei guter Betriebsqualität bringen wird. Das Projekt wird nach DB-Angaben viermal soviel kosten wie der Neubau des vor fünf Jahren eröffneten Berliner Hauptbahnhofs. Trotzdem gelingt nach Ansicht von ROBIN WOOD der rechnerische Nachweis eines Nutzens für den Bahnverkehr nicht.

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Zentrales Ergebnis des Stresstestes ist, dass es möglich sei, 49 Züge innerhalb einer Stunde durch den geplanten Tunnelbahnhof zu schleusen. Dies erfolgt rechnerisch mit Haltezeiten von teilweise weniger als zwei Minuten, einer Doppelbelegung der Gleise bei der Hälfte der Züge und unter Annahme eines gänzlich störungsfreien Bahnbetriebes. „Die Bahn kalkuliert mit menschenleeren Zügen“, sagt Kei Andrews, aktiv bei ROBIN WOOD Stuttgart. „Für die Fahrgäste ist auf den engen Bahnsteigen des unterirdischen Bahnhofs Chaos und Gefahr vorprogrammiert.“

Während auf der einen Seite die Leistung von S 21 nicht nachweisbar ist, werden auf der anderen Seite immer höhere Kosten bakannt. Die Bahn hat nach Medienberichten vor Unterzeichnung der Finanzierungsvereinbarung im April 2009 eine explosionsartige Kostensteigerung im Tunnelbau um über 140 Prozent verschwiegen. Ausgerechnet für diese beiden Projekte, den Fildertunnel und den Tunnel Obertürkheim, will sie nun unmittelbar nach Präsentation des Stresstestes Aufträge vergeben. „Damit schafft die Bahn neue Ansprüche von privaten Baufirmen auf Steuergelder für ein politisch nicht legitimiertes Projekt“, sagt Monika Lege, ROBIN WOOD- Verkehrsexpertin. „Das käme einer Veruntreuung gleich, denn noch ist die Bahn im Besitz des Bundes und damit dem Gemeinwohl verpflichtet.“
Mehr Infos:
Alternativer Geschäftsbericht der Deutschen Bahn: http://www.robinwood.de/blog/blog/2011/07/27/alternativer-geschaeftsbericht-deutsche-bahn-2010/
Hintergrund: Kostenentwicklung S 21: http://www.robinwood.de/blog/blog/2011/07/28/kosten-s21/

PM ROBIN WOOD

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Kommentare zum Beitrag

Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 30.07.2011 um 00:58 Uhr
Danke für den wichtigen Artikel. Sehr interessant und etwas überraschend finde ich ja auch, dass Heiner Geißler heute einen Kompromissvorschlag gemacht hat, der beides Tief- und Kopfbahnhof beinhaltet. Nur weiß ich noch nicht, was ich davon halten soll, warum er das getan hat?
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 30.07.2011 um 23:23 Uhr
Aktualisierung: Die DB hat am Samstag, den 30.7.2011, trotz ihres Scheiterns am Stresstest am Vortag die unten genannten besonders probematischen Aufträge im Umfang von mehr als 700 Millionen Euro vergeben. Das bestätigte Technik-Vorstand Volker Kefer gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Bericht DB-ProjektBau GmbH 25.3.2011 4,1 Mrd € Gesamtkosten plus 1,264 Mrd € Mehrkosten durch Risiken mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von mehr als 50 Prozent = 5,3 Mrd €

Holzhey KCW für Umweltbundesamt 8/2010 4,9 Mrd €

DB-Chef Grube Juni 2010 4,1 Mrd €

Finanzierungsvereinbarung 4/2009 Risiken, DB - "Schmerzgrenze"
3,076 Mrd € Gesamtkosten plus 1,45 Mrd €
Risikovorsorge = 4,5 Mrd €
Lumdatal Bahn
408
Lumdatal Bahn aus Allendorf (Lumda) schrieb am 08.08.2011 um 18:39 Uhr
Christian Momberger
11.293
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 08.08.2011 um 23:33 Uhr
Danke für den Link, ein wirklich guter und hochinteressanter Artikel!
Antje Amstein
6.024
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 10.08.2011 um 20:19 Uhr
S 21: Alt-68er-Fahrpläne und Widersetzen heute

Die DB AG will heute am Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs mit dem Verlegen von Rohrleitungen für das so genannte „Grundwassermanagement“ beginnen. An der Cannstatter Straße sollen Metallständer aufgestellt werden, auf denen in mehreren Metern Höhe Rohre entlang führen sollen. Die Absenkung des Grundwasserspiegels – beantragt hat die Bahn, 6,8 Millionen Kubikmeter Grundwasser umzupumpen – ist Voraussetzung, um mit den gigantischen Erdarbeiten für die Verlegung des Hauptbahnhofs in die Unterwelt zu beginnen. Zwei Hundertschaften der Polizei sind vor Ort.

Im Anschluss will die Bahn die Rohre weiter durch den Schlossgarten führen. Damit würde sie die Situation zuspitzen, denn hier steht die „Schirmburg“, die Zeltstadt der Gegner des Kellerbahnhofs. Mitten drin sind auch drei von ROBIN WOOD-Aktiven besetzte Bäume. Auf zwei alten Platanen und einer Schwarzpappel haben sie sich auf Plattformen eingerichtet.

Den Nutzen von Stuttgart 21 sollte die DB im „Stresstest“ nachweisen. Man kann über viele Details des Stresstestes streiten, unstrittig ist aber, dass die DB AG große Mühe hat, einen Nutzen dieser Rekordinvestition für den Bahnverkehr überhaupt darzustellen. ROBIN WOOD lehnt den Abriss des historischen Kopfbahnhofs ab, da er dem Bahnverkehr mehr schadet als nutzt und einem Integralen Taktfahrplan im Wege steht.

Original-Fahrpläne aus den 60er Jahren belegen, dass der bestehende Bahnhof leistungsfähiger ist als das Tunnelprojekt Stuttgart 21, dessen Kosten laut Finanzierungsvereinbarung bei 4,5 Milliarden Euro liegen. 4,5 Milliarden € für den Hauptbahnhof der sechstgrößten deutschen Stadt ist übrigens exakt die Summe, die die Bundesregierung im Herbst 2008 als Erlös aus dem Verkauf eines Viertels der Bahn-Transport-Sparte an der Börse erwartete! Alles Geld aus der nur vom Finanzcrash gestoppten Verschleuderung der Bahn an der Börse würde von einer einzigen Immobilie in der Baden-Württembergischen Landeshauptstadt geschluckt – ohne Nutzen für den Bahnverkehr.
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