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Artensterben in Gießen – Ein Sterben ohne Erben? Folge 9: Die Flusskrebse

Der hessische Steinkrebs
Der hessische Steinkrebs
Gießen | Noch vor 120 Jahren gab es ihn fast überall in Hessen. Flusskrebse besiedelten fast alle Gewässer in Hessen, nicht nur in Bächen und Flüssen sondern auch in vielen hessischen Stillgewässern. Flusskrebse stammen ursprünglich aus dem Meer, haben sich aber im Laufe der Evolution an das Leben in Süßwasser angepasst.
Damals stand er nicht nur in Flüssen, sondern auch auf der Speisekarte ganz weit oben. Sie galten noch nicht mal als Spezialität, so häufig wurden sie in unvorstellbaren Mengen verspeist. Und nicht nur bei „Fressgelagen“ der oberen Klasse galt er als Eiweißlieferant, sondern auch alltäglich bei der Arbeiterklasse. Laut der Naturschutz-Akademie Hessen, lieferten Deutsche und Österreicher bis Mitte des 18. Jahrhunderts pro Jahr ungefähr fünf Millionen Edelkrebse an den Königlichen Hof nach Paris.
1860 brach in der Lombardei die sogenannte Krebspest aus, wanderte innerhalb von zwanzig Jahren von Frankreich über Deutschland in den Ural bis nach Schweden und löschte in all diesen Gebieten die Edelkrebsbestände fast völlig aus. Als Krankheitsüberträger sind vor allem die nicht-heimischen Flusskrebse bekannt, wie zum Beispiel der amerikanische Signalkrebs. Der Erreger kann alle Flusskrebsarten befallen, verläuft aber nur für die heimischen Arten tödlich. Die amerikanischen Arten sind gegen den übelbringenden Pilz immun.
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Die Krebspest ist auch Grund dafür, dass heute noch alle einheimischen Flusskrebsarten in Deutschland auf der Roten Liste der bedrohten Arten stehen.
Zu den betroffenen, hessischen Flusskrebsarten gehören der Edelkrebs, der Steinkrebs, der Kamberkrebs und der Signalkrebs. Der Dohlenkrebs ist ausgestorben und kommt bei uns nicht mehr vor.
Doch auf Grund von Wiederansiedlungsmaßnahmen sind Flusskrebse wieder im Vogelsberg, Taunus und in den Gewässern des Odenwaldes nachgewiesen.

Flusskrebse sind deshalb so wichtig, da sie als „Ritter der Bäche“ und als „Gesundheitspolizei der Gewässer“ gelten. Sie fressen alles, von Schnecken, Muscheln, Larven und Algen bis Aas und abgestorbene Pflanzenteile. Damit sorgen sie für das Gleichgewicht der Unterwasserwelt und beugen somit auch die Ausbreitung von Krankheiten und Fäulnis vor.


Systematische Einordnung:
Flusskrebse gehören den „Zehnfüßern“, wegen ihrer fünf Laufbeinpaare (das erste Beinpaar sind die Scheren). Ihr Körper lässt sich in Kopf, Brustabschnitt und Hinterleib unterteilen. Die Scheren dienen ihnen zur Nahrungsaufnahme und zur Abwehr von Feinden. Flusskrebse können bis zu 20 Jahre alt werden.

Kopf-Rumpf-Länge (mit Kiefersegmenten) des Edelkrebses: 18 bis 20 Zentimeter lang
Gewicht: bis zu 300 Gramm

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Kommentare zum Beitrag

H. Peter Herold
28.377
H. Peter Herold aus Gießen schrieb am 12.11.2008 um 12:30 Uhr
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich Krebse in einem kleinen Bachlauf, etwa 1 Meter breit und 15 bis 20 Zentimeter tief gefangen habe. Der bachlauf war im Allgäu, wohin ich 1944 bis 1947 evakuiert worden war, da unsere Wohnung in Ulm zerbombt worden war.
Neben den Krebsen fing ich auch Forellen und zwar mit der Hand. Leider durfte ich am Verzehr nicht teinehmen, das besorgten dann die Erwachsenen. Aber ich hatte ja den Spaß beim Fangen.
Tara Bornschein
7.373
Tara Bornschein aus Reiskirchen schrieb am 12.11.2008 um 15:40 Uhr
Sehr interessanter Beitrag! Gelungene Aufnahme vom hessischen Steinkrebs.
Norbert Fust
2.915
Norbert Fust aus Gießen schrieb am 13.11.2008 um 10:48 Uhr
Aus schwedischem Kindermund:

"Värst har det kräftorna, för dom dör levande."

("Am Schlimmsten ergeht es den Krebsen, denn die sterben lebend !")
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