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Lizenzen für Texte und Bilder von Anderen

Reiskirchen | Auf dem Workshop der GZ am Sonntag kam auch das Thema Lizensierung von anderen Medieninhalten auf. Ich will hier nochmal ein wenig zusammen fassen, was es da gerade im Internet so gibt.

Da in Deutschland nur zugelassene Anwälte und Rechtspfleger eine Rechtsberatung durchführen dürfen sei das hier nur als Anregung zum selber denken und Nachlesen zu verstehen

FÜR EINE RECHTSBERATUNG WENDEN SIE SICH BITTE AN EINEN RECHTSANWALT IHRES VERTRAUENS!

Der Bürokratie ist genüge getan - zurück zu den häufigsten Lizenzen. Was gibt es da eigentlich

1. GNU Lizenz
Die GNU-Lizenz ist hauptsächlich für Software gedacht, wird aber auch gelegentlich für andere Schöpfungen wie Texte und Bilder gewählt.

Kernpunkt der GNU-Lizenz ist, dass das Werk selbst und alles was aus diesem Werk entsteht, frei und kostenlos weitergegeben werden muss. Dies ist vor allem bei freier Software wichtig, damit nicht ein kommerzieller Anbieter Teile von Software in seine eigene, kostenpflichtige Software integriert.

Was bei Software sinnvoll ist, ist bei Verwendung
Mehr über...
von Material wie Texten und Bildern, das unter einer solchen Lizenz steht, in einem kommerziellen Umfeld wie einer anzeigenfinanzierten Zeitung eher hinderlich... man musste dann entweder die ganze Zeitung unter die gleiche Lizenz stellen, was bedeuten würde, alle anderen Werke in der Zeitung und die Zeitung selbst ebenfalls kostenlos weiter verteilen zu müssen oder Werke unter dieser Lizenz extra kenntlich machen und den Lizenztext jedes Mal beilegen... was sehr unpraktisch wäre.

Meine persönliche Empfehlung: Werke unter GNU-Lizenz für die GZ nicht verwenden... (s.o. Rechtsberatung)

2. Creative Commons Lizenz
Die Nachteile der GNU-Lizenz sind auch anderen schon früh aufgefallen, deshalb wurde das Lizenzsystem der Creative Commons entwickelt. Hier kann man mit sehr feiner Granularität die Rechte an Werken vergeben. Im Einzelnen wären zu nennen:

Namensnennung (BY)
Man muss den Urheber des Werkes in der von ihm vorgegebenen Form nennen. Gibt es keine Vorgabe, dann muss der Name genannt werden.

Keine Bearbeitung (ND)
Das Werk darf nur in der vom Urheber vorgegebenen Form genutzt werden. Eigene Nachbearbeitungen oder Veränderungen sind nicht erlaubt.

Nicht kommerziell genutzt (NC)
Werke die damit gekennzeichnet sind, dürfen nicht im kommerziellen Umfeld genutzt werden.

Meine persönliche Empfehlung: Solche Werke für die GZ nicht verwenden... (s.o. Rechtsberatung)

Weitergabe unter gleichen Bedingungen (SA)
Das Werk und alle Werke die darauf basieren, müssen unter den gleichen Bedingungen lizenziert sein.

Hier ist zu beachten, was noch an Lizenzbedingungen gefordert sind. Ein Beispiel: Eine Karte von Openstreetmap (Lizenz: CC-BY-SA) als Ergänzung zu einem Ausflugsbericht ist sicher ok, denn die einzige Bedingung ist die Namensnennung des Datenursprungs bei der Karte.

Die Creative Commons Lizenzen sind additiv wirksam und können vom Urheber/Rechteinhaber auch noch mit Ausnahmen versehen sein. So kann ein Werk was mit "nicht kommerziell" lizenziert ist, im Einzelfall mit Genehmigung des Urhebers/Rechteinhabers auch kommerziell genutzt werden. Sowas sollte man allerdings der Beweisbarkeit halber immer schriftlich haben.

4. Gemeinfreiheit
In Deutschland kann man, anders als in manchen anderen Ländern, nicht auf das Urheberrecht verzichten. Man kann aber eine freie Nutzung als Gemeinfreiheit erlauben. Auch hier können wieder Einschränkungen für kommerzielle Nutzung dabei sein! Gemeinfreiheit unterliegt immer den nationalen Rechten des Urhebers/Rechteinhabers und des Nutzers. Hierbei gibt es noch rechtliche Fußangeln wie man im verlinkten Wikipedia-Text nachlesen kann.

Gemeinfrei sind in Deutschland auch Werke, für die das Urheberrecht abgelaufen ist. Dies ist üblicherweise 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers der Fall. Goethes Texte darf man also benutzen, der Höflichkeit halber schreibt man aber trotzdem die Quelle dazu... man könnte sonst in den Ruf eines Plagiators kommen.
Man sollte sich allerdings davor hüten, Layout und Schrifttypen von einem Verlag ganz unkritisch gleich mit zu übernehmen denn die Präsentation eines Werkes kann selbst auch schon wieder einen Urheberschutz begründen.

Für die Nutzung in der GZ ist bei gemeinfreien Werken genau zu überlegen, welchen Rechtsnormen sie unterliegen!

5. Keine Lizenz vorhanden
Werke, für die keine Lizenz explizit ausgesprochen ist und für die das Urheberrecht noch nicht abgelaufen ist, unterliegen in Deutschland dem normalen Urheberrecht und können damit für eine weitere Veröffentlichung nicht verwendet werden. Ganz einfach eigentlich...

Fazit
Schließen möchte ich den Artikel mit dem gemeinfreien Zitat aus Goethes "Faust":
"Hier steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor."

Wer Zweifel hat ob er Texte der Bilder übernehmen kann... besser ist es, selbst was zu schreiben oder zu fotografieren... oder (s.o.) einen zugelassenen Rechtsberater konsultieren...

Diese kleine und bei weitem nicht vollständige Sammlung hier erspart nicht, die Lizenzen unter denen Werke stehen, die man verwenden möchte, selbst zu lesen und zu beurteilen, ob das Material verwendet werden kann oder nicht!

Quellennachweis:
Peter Gerwinski - gnu.de
Creative Commons
Wikipedia

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Kommentare zum Beitrag

Nicole Freeman
7.256
Nicole Freeman aus Heuchelheim schrieb am 12.09.2011 um 07:52 Uhr
danke fuer die gute Auflistung. Ich denke das war vielen so nicht klar.
Antje Amstein
5.961
Antje Amstein aus Gießen schrieb am 12.09.2011 um 09:47 Uhr
Danke, für die verständlich erklärte Zusammenfasssung!
Sabine Glinke
5.280
Sabine Glinke aus Wettenberg schrieb am 12.09.2011 um 10:12 Uhr
Klasse, Frau Schepp, gut zusammengefasst. Kleine Ergänzung: Die GNU-Lizenz ist nicht nur unpraktisch, sondern für Zeitungen schlicht nicht umsetzbar. Denn wenn man die ganze Zeitung "gemeinfrei" machen muss, hieße das, dass man auch Text und Bildmaterial von freien Journalisten, Redakteuren, Bürgerreportern freigibt, die selber ein Urheberrecht daran haben. Daher: Bitte einfach schlichtweg die Finger von Materialien mit diesen Lizenzen lassen.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Ulrike J. Schepp

von:  Ulrike J. Schepp

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Interessensgebiet: Reiskirchen
Ulrike J. Schepp
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