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Premiere von „Villa Dolorosa“: Tragische Komödie mit universalen Themen

V.l.n.r.: Esra Schreier (Janine), Stephan Hirschpointner (Andrej), David Moorbach (Georg), Johanna Malecki (Irina), Anne-Elise Minetti (Mascha), Carolin Weber (Olga).
V.l.n.r.: Esra Schreier (Janine), Stephan Hirschpointner (Andrej), David Moorbach (Georg), Johanna Malecki (Irina), Anne-Elise Minetti (Mascha), Carolin Weber (Olga).
Gießen | Das Stadttheater Gießen bot am vergangenen Samstag eine weitere überzeugende Premiere an. Rebekka Kricheldorfs Komödie „Villa Dolorosa. Drei missratene Geburtstage“ von Regisseur Thomas Goritzki und Dramaturgin Carola Schiefke wurde zum ersten Mal in Gießen inszeniert. Die Autorin überschrieb Tschechows Stück „Drei Schwestern“, das die Zuschauer aber nicht unbedingt kennen müssen, um diese Aufführung genießen zu können. Sie gibt aus dem Original die durch Sehnsucht und Schmerz charakterisierte Stimmung wieder und enthält zahlreiche Anspielungen auf das russische Werk. Hier geht es allerdings um eine andere Geschichte in der heutigen Zeit, wie die Kostüme Heiko Mönnichs deutlich zeigen. Das Bühnenbild zeigt realistisch das Wohnzimmer der verfallenden Villa, in der die Geschwister wohnen. Die drei Schwestern Olga (Carolin Weber), Irina (Johanna Malecki) und Mascha (Anne-Elise Minetti) leben mit ihrem Bruder Andrej (Stephan Hirschpointner) in einer alten Villa, die sie von ihren Eltern geerbt haben. Im Stück werden drei missratene Geburtstagsfeiern von Irina dargestellt. Es soll groß gefeiert werden, aber irgendwie findet nie eine richtige Party statt.
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Zu den vier Geschwistern kommen noch zwei Figuren dazu: Georg (David Moorbach), der einzige Freund Andrejs, und Janine (Esra Schreier), Andrejs schwangere Freundin.
Die Charaktere sind mit ihrem Leben unzufrieden. Olga arbeitet ungerne als Lehrerin und wird widerwillig zur Schuldirektorin befördert; Irina ist Studentin, besucht aber keine einzelne Vorlesung und wechselt jedes Jahr ihren Studiengang; Mascha ist Hausfrau, ist verheiratet und liebt ihren Ehemann nicht mehr; Andrej hält sich für einen Intellektuellen, redet gerne über sein Romankonzept, schreibt aber sein Buch nie; sein Freund Georg arbeitet als Leiter einer Verpackungsfirma ohne große Begeisterung und führt eine unglückliche Ehe. Die Figuren schieben ihr Leben vor sich hin, haben kein richtiges Ziel und sind nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen, um ihre Situation zu verbessern bzw. zu ändern. Ausnahme ist Janine, auf die die Schwestern wegen ihrer ärmeren Herkunft herabschauen: Im Gegensatz zu ihren Schwägerinnen ist sie fähig, etwas zu tun, ist unternehmender und konkreter, und gründet sogar eine Familie mit Andrej.

Lebhafte und humorvolle Dialoge

Rebekka Kricheldorf bringt in ihr Stück universale Themen, die vor allem junge Erwachsene im Alter der Charaktere beschäftigen können: die Arbeit und die Selbstverwirklichung, die Zweifel, die Suche nach dem Sinn des Lebens, die Sehnsucht nach der Liebe.
Die drei Schwestern und Georg in einer Szene.
Die drei Schwestern und Georg in einer Szene.
Ob dieses Schauspiel eine tatsächliche Komödie ist, verneint der Regisseur selbst. Und je mehr man die Protagonisten im Laufe der Handlung kennt, desto spürbarer werden ihr Schmerz, ihre Enttäuschung, ihre Wut, ihre Verzweiflung in einem öden Leben. „Villa Dolorosa“ soll nämlich auf die „via dolorosa“, den Kreuzweg, verweisen. Diese Tragik wird jedoch durch witzige Szenen sowie lebhafte und humorvolle Dialoge ausgedrückt, so dass das Stück auch lustig ist und es Momente zum Lächeln und Lachen gibt. Wie immer ist die Leistung der Schauspieler des Stadttheaters lobenswert. Die dreistündige Aufführung fällt daher nicht langweilig aus.

» Weitere Vorstellungen von „Villa Dolorosa“ finden am 14. und 26. April; 9. Mai; 02., 14. und 29. Juni , jeweils um 19.30 Uhr, im Großen Haus des Stadttheaters Gießen statt.

V.l.n.r.: Esra Schreier (Janine), Stephan Hirschpointner (Andrej), David Moorbach (Georg), Johanna Malecki (Irina), Anne-Elise Minetti (Mascha), Carolin Weber (Olga).
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Die drei Schwestern und Georg in einer Szene.
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Eine Szene aus dem zweiten missratenen Geburtstag
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Kommentare zum Beitrag

Bernt Nehmer
1.954
Bernt Nehmer aus Hungen schrieb am 09.04.2019 um 15:07 Uhr
Also kein Musical. Ich habe die Doko und Aufführung als Vorbereitung auf 3sat gesehen. Ciaumo!
Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion
1.218
Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion aus Gießen schrieb am 09.04.2019 um 16:56 Uhr
Nein, kein Musical, sondern Schauspiel. Sehr schönes Theaterstück.
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von:  Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion

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Interessensgebiet: Gießen
Alessandra Riva - Mitarbeiterin der GZ-Redaktion
1.218
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