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Als Entwicklungshelfer im Sudan Teil 11

Unfreiwilliger Offroad
Unfreiwilliger Offroad
Laubach | Feuer und Wasser

Dies sollte sich am nächsten Tag jedoch wieder schlagartig ändern. Es gab ein Fehler in der Solaranlage, es ging irgendwo Strom verloren und die Akkus waren wieder leer. Trotz strahlendem Sonneschein wieder kein Strom im Camp. Nachdem erst das Laptop, dann das Satelliten-Telefon ausgefallen war, waren wir von der Außenwelt komplett abgeschlossen, das heißt keine E-Mails. Falls irgendwas passieren sollte, keine Hilfe von außen, kein Flugzeug für eine anfallende Evakuierung falls uns etwas passieren oder der Krieg wieder ausbrechen sollte.
Wenigsten die Anlage im Krankenhaus funktionierte einwandfrei, da wir nie wussten was auf uns, bzw. dem Doc zu kommt und jederzeit ein medizinischer Notfall eintreffen konnte wo der Strom dringend für die OP-Beleuchtung benötigt wurde.

Dazu kam ein Gewitter auf wie zuvor noch keins erlebt hatte. Hell zuckten die Blitze durch tiefschwarze Wolken, begleitet von heftigsten Sturmböen und Regenfälle, jetzt verstand ich H-M Worte: „Das Land sieht nach jedem Regen anders aus und man erkennt manche Sachen kaum wieder.“ Es war kein Regen, es glich eher 1 ½ Stunden einem Wasserfall.

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Nachdem das schlimmste überstanden, das Unwetter in ein gleichmäßiges sachtes Regnen übergegangen war, machte ich einen ersten Rundgang durch das Krankenhaus um mir ein Bild von eventuell angefallenen Schäden zu machen. Hierbei bemerkte ich, dass das sonst ausgetrocknete Flussbett sich zu einem reißenden, wilden Fluss entwickelt hatte. Da der trockene Boden in den felsigem Gebiet in den Bergen kaum Wasser aufnahm, sammelt sich all das Regenwasser im dem sonst trockenem Flussbett und reist mit einer Flutwelle voraus alles mit was sich im und am Flussbett befindet.
H-M erzählte mir, dass 3 Wochen zuvor das gleiche passierte. Hierbei wurden am nahegelegenen Marktplatz, der sich direkt an einem Flussbett befand, drei Menschen mitgerissen und ertranken in den Fluten des entstandenen Flusses.

H-M war unter dem Vorwand ein anderes Ladegerät zu organisieren weg gefahren. Ich bin nochmals von Tukul zu Tukul gelaufen um nach dem rechten zu sehen. Bis auf eine Hütte haben alle Grasdächer standgehalten, da es nur wenig rein geregnet hatte, hatte ich das Dach mit Grasbündel reparieren lassen.
Im Großen und Ganzen hat sich im Camp und Krankenhaus nicht viel durch den Regen verändert. Dies sollte sich erst während
Straßen nach dem Regen
Straßen nach dem Regen
der nächsten Autofahrt bemerkbar machen. Bei manchen Flussbetten die man durchqueren musste um weiter zu kommen waren die Böschungen weggespült, so dass man wieder neue Fahrspuren rein fahren oder Absätze runter bzw. hochfahren musste, die für einen Geländewagen nicht leicht zu erklimmen waren. Weiter gab es viele vom Wasser ausgewaschene tiefe Schneisen und Gräben.

Die Leute fingen an rund um ihren Hütten das Gras und was sonst wuchs zu mähen und auszureißen. Zum Mähen benutzten sie, ähnlich wie Macheten, lange flache Eisen mit Holzgriffen, der Unterschied zur Machete lag darin das die letzten 10 cm umgebogen und beidseitig angeschliffen und geschärft waren. Hiermit wurde das Gras abgeschlagen. Da der Boden aufgeweicht war, zogen die Menschen die übriggebliebenen Grasbüschel an den Wurzeln aus der Erde. Der Hintergrund war, da die Trockenzeit bald begann, waren es die ersten Vorkehrungen ihre Hütten zu schützen. Um Ungeziefer und Schlangen zu vernichten und den Boden für die nächste Regenzeit zu düngen, wurde das Land brandgerodet, das heißt alle Reste von den Hirsefeldern, Gras, etc. wurde verbrannt. Manche machten nicht in genügenden Abstand um den Hütten frei, oder durch Wind und hohen Flammen fingen die Tukuls manchmal trotzdem Feuer und verbrannte das wenige Hab und Gut.
Fortsetzung folgt...

Unfreiwilliger Offroad 1
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Straßen nach dem Regen
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Arbeiten an der Solaranlage
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Mäharbeiten
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Mäh- und Aufräumarbeiten
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Kommentare zum Beitrag

Ingrid Wittich
20.275
Ingrid Wittich aus Mücke schrieb am 10.03.2010 um 13:52 Uhr
Ein harter Job. Bewundernswert!
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Marco Schindler

von:  Marco Schindler

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Interessensgebiet: Laubach
Marco Schindler
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