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Mögliche Strategien gegen Kriege - ein Anfang

Gießen | Kriege? Nicht in unserem Namen!!

Die Podiumsdiskussion


Mit dem faschistischen Überfall auf Polen am 1.9.1939 begann der 2. Weltkrieg mit 56 Millionen Toten. Aus diesem Grund gibt es an diesem Datum seit 1966 den Antikriegstag, der neben den Ostermärschen (seit 1960) der wichtigste Tag der Friedensbewegung ist. Es werden wieder Kriege geführt- die Gefahr eines 3. Weltkrieges steigt.

Am 1.9. fand deshalb nach der Demonstration eine sehr interessante Podiumsdiskussion mit unterschiedlichen Gästen, Ansprüchen und Statements statt. Es kamen etwa 40 Interessierte.

Eingeladen hatten das Gießener Netzwerk für den Frieden, Antifa- Plenum-Gießen, der IPPNW, die Frauen für den Frieden, die DKP, die SDAJ, das Linke Bündnis, die Linken, das Kurdistan-Solidaritäts-Bündnis und der DGB.

Es ist uns gelungen eine gemeinsame Basis für weitere Zusammenarbeit zu schaffen, was wichtig und notwendig ist. Ziel der Veranstaltung war die Erarbeitung und das Zusammentragen möglicher Strategien, wie man sich gegen Kriege einsetzen kann.

In diesem Beitrag werden erst die verschiedenen Diskussionspunkte genannt und am Ende konkrete Strategien aufgelistet. Gleichzeitig werden an dieser Stelle alle weiteren Termine aufgeführt, an denen sich jeder Interessierte beteiligen kann.

Auf dem Podium saßen Burkhard Staude, Kinderarzt, Mitglied der Gießener Gruppe der IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e.V.). Er berichtete von seinen Arbeiten als Kinderarzt, bei denen er auch in Gießen Flüchtlingskinder behandelt und mit anderen Ärzten gegen Kriege und gegen den Einsatz von Atomenergie und Atomwaffen eintritt. Außerdem berichtete über die aktuelle Situation der Menschen in der Ukraine.

Als nächste berichtete Ilse Staude, Schulpfarrerin in Rente, Sprecherin des Gießener Friedensnetzwerks, Vorsitzende des Vereins "Solidarische Welt e.V.", dem Träger des Gießener Weltladens. Sie führte auf, dass man wissen muss, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz durch ihre finanziellen Mittel die Kriege unterstützen und (mit)finanzieren. Sie rief gleichzeitig zu zivilem Ungehorsam auf. Man könne sogar einen Beitrag leisten, in dem man den Fair Trade Handel gezielt unterstütze. Sie wies auch darauf hin Werbung für den zivilen Friedensdienst zu machen, dort zu arbeiten und oder für diesen zu spenden.

Im Anschluss sprach Klaus Zecher, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DBG) Gießen, Mitglied der Eisenbahner- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) und Betriebsrat bei der DB-Regio AG in Frankfurt.
Er betonte die Bedeutung von Gewerkschaften, die schon immer gegen Kriege gearbeitet haben und wie sinnvoll es sei nicht zu warten bis andere die Verantwortung übernehmen, sondern man selbst z.B. der Gewerkschaft beitreten solle und dann in den Gruppen mitkämpfen, mitorganisieren und mitdiskutieren sollte. Er betonte, dass Krieg dort beginnen, wo ausgegrenzt wird. Ursache der Kriege sei der Kapitalismus. Durch die Verschärfung der immer größer werdenden sozialen Ungerechtigkeit durch den Abbau der Demokratie geht die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander.

Am Schluss sprach Laura für die SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend). In ihrem Vortrag ging es um "Militarisierung der Jugend: was geht ab und was kann man tun?" aus marxistisch-kommunistischer Perspektive.
Sie stellte verschiedene Methoden der Regierung vor wie auf Kriege vorbereitet wird. Das Hauptziel stehe im neuen Strategiepapier der Bundeswehr. Das Weißbuch 2016 ist erschienen und in diesem steht, dass Deutschland eine
führende Rolle in der Weltpolitik einnehmen und die EU unter deutscher Führung militarisiert werden soll. Erste Methode: Stärkung der Bundeswehr. Diese wirbt offensiv an Arbeitsämtern, Schulen und Spielmessen, wofür schon über 30 Millionen Euro ausgegeben wurden. Werben fürs Sterben. Die SDAJ veranstalte aktuell viele Aktionen gegen diese Offensive.
Eine weitere Methode ist die Desinformation und Spaltung der Bevölkerung, um Ängste zu schüren und diese dann auf Kriege vorzubereiten. Die Stimmung gegen Flüchtlinge und Terror werde geschürt, man muss die Einsätze gegen Außen (andere Länder) zuerst im Inneren vorbereiten. Sie sagte, dass Kriege zum Imperialismus gehören wie das E-Klo zu Gießen.

In der Diskussion wurden sehr unterschiedliche Statement zusammen getragen. So ging es auch darum, dass es eigentlich egal sei, aus welchem Land man komme. Wichtig sei wer „oben“ und wer „unten“ stehe. Die Flüchtlinge sind unterwegs, weil deren Länder bombardiert, die Rohstoffe geplündert werden und man strategische Interesse an ihren Heimatländern hat. Es gelte sich mit allen Menschen, die für den Frieden sind, zu solidarisieren und gemeinsam gegen die Konzerne und Kriegstreiber zu kämpfen. Es sei auch wichtig, die Betriebe zu unterstützen,
die sich für fairen Welthandel einsetzen. Den Teilnehmern war klar, dass dieses natürlich für arme Menschen des Landes und der Welt nicht so einfach möglich sei. Unter dem Strich war auch klar, dass alle Menschen, die gegen Kriege auftreten, und alle Maßnahmen für eine bessere Welt der Anfang sind.
Die Menschen müssen stärker sensibilisiert werden und spüren, dass die Welt nicht von selbst besser wird, sondern jeder einen Beitrag leisten kann und sei er erst mal noch so klein. Am effektivsten ist natürlich organisierter Widerstand und alle anwesenden vertretenen Organisationen freuen sich über weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Jetzt zu resignieren sei auch kontraproduktiv, denn dann hätte unsere kriegsführende Regierung bereits jetzt gewonnen.

Passend das Zitat von B.Brecht:“ Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren."

Passend auch Che Guevara: „Seien wir realistisch- versuchen wir das Unmögliche.“

Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden eingeladen an den weiteren Vorbereitungstreffen und an den bereits feststehenden Demonstrationen und Aktionen teilzunehmen und für diese zu werben.

Hier der Versuch alle genannten Strategien aufzulisten:

Ø Ärzte auffordern Mitglied bei IPPNW zu werden
Ø Protestmails unterstützen
Ø Bankverbindungen zu Deutsche Bank, Commerzbank oder Allianz kündigen
Ø Faire Trade Welthandel unterstützen
Ø für zivilen Friedensdienst werben
Ø STOP War Aktionen der SDAJ unterstützen
Ø Bundeswehr stören, wenn sie werben (besser organisiert- nicht alleine)
Ø sich selbst aus verschiedenen Quellen informieren
Ø Verbänden,Gewerkschaften, Parteien und Gruppen anschließen, die gegen Kriege kämpfen!
Ø MITEINANDER- nicht gegeneinander
Ø Verantwortung selbst übernehmen und nicht warten, bis es andere tun.


DESHALB hier weitere Termine:

• HEUTE -6.09.2016 im Cafe Amelie ( DGB-Haus ) um 19.00 Uhr der Film "Den Sieg sichern - Doku über den Aufbau eines Gesundheits- und Sozialzentrums in Kobane/Rojava" gezeigt
( Veranstalter: Kurdistan-Solidaritätsbündnis-Gießen, Antifa-Plenum Gießen und NAV-DEM e.V. Gießen )
• 17.09. 2016 um 12.00 Uhr Demonstration TTIP in Frankfurt (Infos hier: http://ttip-demo.de/home/)
• 20.09.2016 um 18.00 Uhr Treffen des großen Gießener Netzwerk im Il Cilento in der Neuen Bäue in Gießen
• 8.10.2016 große Friedensdemo in Berlin (Infos: http://friedensdemo.org/)
• offene Treffen gegen Krieg und Rassismus, jeden 2. und 4. Donnerstag im Monat im JOKUS Gießen um 18.00 Uhr


(Fotos von der Demo und das letzte von der Podiumsdiskussion)


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von:  Martina Lennartz

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