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Offensichtliche Irreführung der Öffentlichkeit oder völlige Unkenntnis der Fakten

Schaubild: Häufigkeitsverteilung der tatsächlich erbrachten Leistung in Prozent und der installierten Leistung in Tagen.
Schaubild: Häufigkeitsverteilung der tatsächlich erbrachten Leistung in Prozent und der installierten Leistung in Tagen.
Gießen | „Mit Wind kann Landkreis Energiewende schaffen“, so zumindest die Überschrift im Gießener Anzeiger, als Pressebericht auf eine Veranstaltung zum Regionalplan Energie vom 10.Juli 2015. http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/landkreis/mit-wind-kann-landkreis-energiewende-schaffen_15827412.htm

„Das hört sich für den wenig informierten Überschriftenleser sehr gut an, suggeriert es doch, Deutschland könne auf weitere konventionelle Kraftwerksleistung verzichten“, schreibt daraufhin der Elektroingenieur Jürgen Purrucker in seinem darunter stehenden Kommentar, weil sein eigentlicher Leserbrief bisher nicht abgedruckt wurde.
„Dies ist entweder offensichtliche Irreführung der Öffentlichkeit oder es zeugt von völliger Unkenntnis der Fakten!“, schreibt Herr Purrucker, was sich zu 100 Prozent mit meiner Meinung deckt!
Gern wird nämlich von Entscheidungsträgern mit Pseudowissen, klangvollen physikalischen Größen und werbungsoriginellen Begriffen aus Gehirnwaschkampagnen umhergeschleudert. So auch geschehen auf dieser Veranstaltung, durch einen RP-Mitarbeiter, der als Referent auftrat.
Megawatt wird gleichgesetzt mit Megawattstunde, installierte Nennleistung mit tatsächlich erbrachter Leistung oder die Klimakatastrophe mit dem stagnierendem weltweiten CO2-Anstieg, (…oder welche Hintertürchen man sich dabei offen lässt: http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2015/Klimakatastrophe-Wie-Deutschland-daran-verdienen-will,klimakatastrophe100.html)...

Im Folgenden finden Sie Auszüge des eigentlichen Leserbriefs von Herr Purrucker, der selbst vor Ort war und den er mir mit freundlicher Genehmigung freigegeben hat.

„(…) In Ihrem Artikel zum Regionalplan Energie vom 10.Juli 2015 auf Seite 37 zitieren Sie aus einen Vortrag der während der Veranstaltung von einem Mitarbeiters des RP gehalten wurde: "Einen Großteil des grünen Energiemixes soll die Windkraft beisteuern. In Mittelhessen lag deren Beitrag bereits bei 600.000 Megawattstunden oder 43 Prozent der Stromerzeugung."
(…) In Ihrem Artikel zur Regionalversammlung auf der gleichen Seite schreiben Sie noch: "Immerhin 43 Prozent aller Energie, die aus der Steckdose kommt."
(…) In der öffentlichen Diskussion der Regenerativen Energien werden gerne die Begriffe „ELEKTRISCHE LEISTUNG (kW)“ und „ELEKTRISCHE ARBEIT (kWh)“ miteinander vermischt.
Die Zuwachsraten an installierter NENNLEISTUNG werden als Beleg für den Erfolg der regenerativen Stromerzeugung gewertet, obwohl diese nur den Zuwachs an möglichem Potential bei optimalem Angebot an Windgeschwindigkeit beschreiben.
Als Nennleistung einer Stromerzeugungsanlage wird die höchste Leistung definiert, die bei optimalen Betriebsbedingungen dauerhaft zur Verfügung gestellt werden kann.
Windenergie-Anlagen erreichen beispielsweise ihre auf dem Typenschild angegebene Nennleistung erst bei Windgeschwindigkeiten ab 13 m/sec bis 15 m/sec, die bei starken bis stürmischen Windverhältnissen vorliegen.
Im Jahresdurchschnitt werden jedoch nur zwischen 15-20 Prozent der Nennleistung wirklich eingespeist wie man aus den Einspeisedaten der Netzbetreiber entnehmen kann.

Zur Klarstellung sei dieses einfache Beispiel angefügt:

Eine Windenergie-Anlage mit einer Nennleistung von 1 MW liefert, wenn sie über einen Tag ständig mit ihrer maximalen Leistung von 1 MW betrieben wurde, die elektrische Arbeit von 24 MWh (1 MW*24h=24 MWh). Bei Windgeschwindigkeiten unter 3 m/sec steht die Anlage still; die volle Leistung wird bei Sturmstärke erreicht.
Die oft geübte Praxis der Verrechnung von Nennleistungen regenerativer Anlagen mit den Leistungen von „Atomkraftwerken“ ist entweder raffiniert angelegte Irreführung oder zeugt von völliger Unkenntnis der Fakten!

(…) Die vier Übertragungsnetzbetreiber veröffentlichen die Windeinspeisedaten in ihrem Netz in einem 15 Minutenrhythmus und stellen diese zum download bereit: dies sind Amprion, 50Hertz, tennet und transnetBW. Die installierte Leistung der WKA im Netz der Betreiber kann bei der Strombörse angezeigt werden. Wer sich die Mühe des Zusammenkopierens der Daten nicht selbst machen möchte kann hier eine Datei mit allen Daten aller Netzbetreiber für 2014 herunterladen.

--> Nach den Daten der Netzbetreiber lag die minimale Windstromeinspeisung für ganz Deutschland bei 0,068 Prozent der installierten Leistung und zwar am 17. Juli 2014 um 9:45 Uhr. Das entspricht einer TATSÄCHLICHEN LEISTUNG von gerade einmal 24 MW – bei einer INSTALLIERTEN LEISTUNG von 35,4 GW! --- Ein Totalausfall…
Die Maximalleistung wurde am 12. Dezember 2014 um 13:30 Uhr erbracht: immerhin lieferten alle WKA Deutschlands 29,7 GW Strom, was fast 84 Prozent der installierten Leistung entspricht. Die Windlobby konnte sich selbst auf die Schultern klopfen.
Allein nach der Betrachtung dieser Extremwerte kann man die Behauptung der Medien als falsch entlarven: Es wurde zu keinem Zeitpunkt deutschlandweit die installierte Leistung erbracht!

Erklärung zum oberen Schaubild

(…) Aber wie sahen die Windenergieeinspeisewerte zwischen diesen Extremwerten aus? Im folgenden Schaubild ist die Häufigkeitsverteilung der tatsächlich erbrachten Leistung in Prozent der installierten Leistung in Tagen zu sehen. Der Balken bei 5 Prozent besagt beispielsweise, dass an 84 Tagen des Jahres alle WKA in Deutschland zwischen 0 Prozent und 5 Prozent der installierten Leistung erbracht haben. An 77 Tagen waren es zwischen 5 Prozent und 10 Prozent, usw.
(…) Zwei weitere Zahlen sind für das Wind-Jahr 2014 interessant. Im Mittel erbrachten die WKA Deutschlands 16,6 Prozent der installierten Leistung, das entspricht 5.87 GW. Mittelwerte werden von der Windkraftlobby immer wieder gerne benutzt, da diese die Volatilität – also die absolut zufällige Schwankung zwischen 0 Prozent und 84 Prozent im Jahre 2014 – des Windstroms verschleiern. Ein Mittelwert von 5.87 GW suggeriert, dass mit einer Verdopplung oder Verdreifachung der Windenergiekapazitäten ein entscheidender Beitrag zur sicheren Stromversorgung Deutschlands geleistet werden kann. Dem ist sicher nicht so, wenn zu jedem Zeitpunkt ein Totalausfall des Windstroms eintreten kann! (…)“ ---TEXTENDE.

ZUSATZ:
Pressemitteilung der ‚Bürgerinitiative Königsberger Gegenwind’, im Gießener Anzeiger, am 14.07.2015.

Dass mit vielen Papierseiten in einem Gutachten und anders ausgelegten Zahlen, ebenso politisch ideologische Ziele durchgedrückt werden, beweist wieder einmal das Beispiel: ‚geplante Windräder in Biebertal’.
http://www.giessener-anzeiger.de/lokales/kreis-giessen/biebertal/buergerinitiative-spricht-von-rechtsbeugung_15835717.htm
Unter der Überschrift „Kritik an Details des Teilregionalplans“, belegt die BI klar den Tatbestand der „Rechtsbeugung“! So wurden bei der gesetzlichen Vorgabe von Untergrenzen der Windhöffigkeit, Vorranggebiet zur Windenergienutzung ausgewiesen, die eigentlich klar abgeschmettert werden hätten müssen. Entsprechend dieser gesetzlichen Vorgabe würde das geplante Gesamtprojekt vollkommen in Frage gestellt werden müssen!

Im Folgenden, Auszüge aus der o.g. Pressemitteilung, veröffentlicht von der Zeitungsredaktion:
„(…) BIEBERTAL - (red). „Die Bürgerinitiative Königsberger Gegenwind sieht die Rechtssicherheit zur Ausweisung des Vorranggebietes Helfholz/Hungerberg in den Gemarkungen Königsberg und Frankenbach als nicht gegeben an“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Die Bürgerinitiative (BI) erinnert an die Vorgaben des Landesentwicklungsplans, wonach nur Gebiete zur Windenergienutzung ausgewiesen werden sollten, deren Windhöffigkeit in 150 Metern Höhe bei mindestens 5,75 Metern pro Sekunde liegt. Ein von der Gemeinde in Auftrag gegebenes Gutachten habe für einen Referenzpunkt auf 350 Metern über Normalnull im Helfholz eine Windhöffigkeit von 5,6 Metern pro Sekunde errechnet. Dieser Teilbereich sei im aktuellen Teilregionalplan zwar kleinstflächig herausgenommen worden, aber die anderen Teilbereiche, die auf gleicher Höhe oder noch tiefer lägen, seien im Vorranggebiet belassen worden. Vor allem betreffe dies die Flächen im Hungerberg in der Gemarkung Frankenbach, die zum Teil auf einer Höhe über Normalnull von unter 330 Metern liegen.
Es ist für die BI nicht nachvollziehbar, dass eine tiefer liegende Fläche eine höhere Windhöffigkeit aufweisen soll als die besagten 5,6 Meter pro Sekunde. Eine Ausweisung dieser Flächen entspreche nicht den Vorgaben des Landesentwicklungsplanes und müsse als „Rechtsbeugung“ bezeichnet werden, heißt es in der Mitteilung. „Die Kriterien des Landesentwicklungsplanes müssen eingehalten werden. Der Eingriff in die Natur ist beim Bau von Windrädern so immens und die Konsequenzen für die Bevölkerung so weitreichend, dass nur dort Gebiete zur Windenergienutzung ausgewiesen werden dürfen, wo die Mindestvorgaben bezüglich der Windhöffigkeit erreicht werden“, so die BI zum Schluss.

Bleiben wir also wachsam und verfolgen aufmerksam die Hintergründe.
Ulrich Grüger

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