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20.000€ Spende an die Tafel: "Es reicht nie"

Geschäftsführer der Diakonie Gießen Holger Claes, Anna Conrad, Erich Gelzenleuchter, Vorstandsmitglied der Stiftung Ulrike Büger
Geschäftsführer der Diakonie Gießen Holger Claes, Anna Conrad, Erich Gelzenleuchter, Vorstandsmitglied der Stiftung Ulrike Büger
Gießen | Zum neuen Jahr wird die Tafel Gießen mit einer großzügigen Spende über 20.000€ von der Margarethe und Alfred Schulz Stiftung belohnt. Die seit 2002 bestehende Stiftung wurde von Alfred Schulz, einem ehemaligen Vorstandsmitglied der Volksbank Gießen, heute Volksbank Mittelhessen, unter dem Motto "Gutes tun" gegründet. Seit 2006 fördert die Stiftung nachhaltige Projekte in Gießen und Umgebung, unter anderem die Tafel Giessen. Seit dem Beginn der Einrichtung im Jahre 2005 spendet die Stiftung stets Beiträge, um das soziale Projekt zu unterstützen. Es ist nach wie vor nötig der Einrichtung zu spenden, da es immer mehr Bedürftige gibt. "Es reicht nie", so Stiftungs Vorstandsmitglied Ulrike Büger. Mit der Spende möchte sich die Tafel einen neuen Kühlwagen anschaffen. Der Kauf des ersten wurde ebenfalls von der Stiftung gefördert. Die Kühlung der Lebensmittel ist ein wichtiger Aspekt für die Versorgung Bedürftiger und gleichzeitig eine große Hürde für die Verantwortlichen, da diese stets unter strengen Kontrollen steht. Die Tafel Gießen bedankt sich ebenfalls bei ihren 300 tatkräftigen Ehrenamtlichen, ohne die das soziale Projekt nicht funktionieren würde. "Jeder gibt das, was möglich ist", so Holger Claes, damit meint er auch die Zeit jedes Helfers. Vor allem ältere Menschen, sowie Alleinerziehende benötigen die ehrenamtliche Hilfeleistung der Einrichtung. Die Tafel Gießen wird von vielen Menschen unterstützt, "dies sorgt für ein schönes Miteinander", so der Geschäftsführer der Diakonie Holger Claes. 70 Lebensmittelgeschäfte aus ganz Gießen und Umgebung beliefern die Tafel. Holger Claes möchte noch auf die neu gestaltete Website "tafel-giessen.de" unter dem Motto "Lebensmittel retten, Menschen helfen" aufmerksam machen.

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.415
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 02.01.2018 um 14:33 Uhr
Christine Stapf
6.600
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 02.01.2018 um 15:31 Uhr
Herr Wagner das kommt hier häufiger vor. Innerhalb von 2 Tagen gibt es hier zu einem anderen Thema auch 2 x das gleiche Bild.

Also ich finde es wunderbar, dass zu diesem wichtigen Thema die Menschen, die wegen der Feiertage nicht am PC waren dies oben noch lesen können.
Florian Schmidt
4.450
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 02.01.2018 um 17:35 Uhr
Für mich hinterlassen diese Spenden einen Beigeschmack. Sie ändern nichts und helfen auch nicht wirklich. Sie dienen nur dazu dass die Tafeln ihre Arbeit fortsetzen können und Armut ein bisschen weniger sichtbar bleibt.
Die Tafeln sind für ein so reiches Land eigentlich ein Schandfleck. Die Arbeit der ehrenamtlichen Helfer ist ein großartiges Engagement und geschieht sicher auch aus bester Intention aber letztendlich wird den Betroffenen nicht wirklich geholfen.
Christian Momberger
11.040
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.01.2018 um 00:38 Uhr
Dem Kommentar von Florian Schmidt kann ich nur zustimmen.
Christine Stapf
6.600
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 04.01.2018 um 13:21 Uhr
Für mich kann es keine Zustimmung geben, da ohne Spendenbereitschaft vieles nur schwer oder gar nicht auf den Weg gebracht werden könnte.
Hier nur eine kleine Aufzählung, es gibt noch vieles mehr.

Tafel,
AIDS Hilfe,
Krebsforschung,
Behindertenarbeit,
Kinderstationen im Uni-Klinikum,
DLRG,
Umwelt,
Tierschutz,
Kindernothilfe,
Alten und Demenzarbeit
Florian Schmidt
4.450
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 04.01.2018 um 13:51 Uhr
Mal abgesehen davon, was von der Spendenbereitschaft tatsächlich hängen bleibt muss man sich die Frage stellen wie die Unterstützung aussehen soll.
Die Tafeln unterstützen Menschen die es sich nicht leisten können ihren Bedarf an Lebensmitteln im normalen supermarkt oder Discounter zu decken. Wären die Tafeln hier eine Notlösung, die mal einspringt wenn es klemmt, wäre das eine feine Sache. Aber die Tafel hat ja regelrechte Stammkundschaft, Menschen die immer wieder kommen. da sollte sich viel mehr die frage stellen, warum das so ist. Wieso in einem reichen LAnd wie Deutschland gerade Kinder und immer mehr Rentner von Lebensmittelspenden abhängig sind.
Man sagt immer so schön, in deutschland muss keiner verhungern. Warum nicht, weil es Organisationen wie die Tafel gibt die da einspringen. Sinnvoller wäre es aber doch den Menschen zu ermöglichen ihren Lebensunterhalt selb st zu bestreiten OHNE dabei auf Spenden angewiesen zu sein. Gerade wenn das thema Armut aufkommt hört man es eben wieder: "Armut? In Deutschland muss keiner verhungern." Ja, aber sicher nicht weil es den Menschen so gut geht. Auf der anderen Seite ist das ein feines Ruhekissen für die Politik. So lange jemand da ist der dafür sorgt das wenigstens noch ein Stück Wurst im Kühlschrank ist bleibt es sicher ruhig.
Dazu pfeiffen viele Tafeln aus dem letzten Loch. Die müssen schon rationieren. Manche Menschen bekommen nur noch alle 14 Tage etwas. Da helfen dann auch keine 20.000€ für ein neues Kühlfahrzeug wenn damit nichts mehr transportiert wird.
Es klingt aber auch gut. Da liest man den einen Bericht über die große Spende und den anderen Bericht dass im Grunde nichts mehr zum verteilen da ist. Was ist denn jetzt. Spenden um des Spenden willen ist eben auch nicht gut.
Christian Momberger
11.040
Christian Momberger aus Gießen schrieb am 04.01.2018 um 21:23 Uhr
Christine Stapf, es geht nicht um das Spenden an sich. Spenden sind grundsätzlich gut und richtig. Und für viele Organisationen auch wichtig. Aber z.B. den Umweltschutz oder DLRG mit der Tafel zu vergleichen ist, ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Es geht, wie Florian Schmidt in seinem letzten Kommentar erneut völlig zurecht ausführt um den Sinn und die Aufgabe der Tafeln, die diese in unserem System erfüllen und darum, dass man diesen kritisch hinterfragen sollte bzw. muss. Der Arbeitsmarkt und der Sozialstaat sollte so gut sein, dass es keine Tafeln braucht, dass Mensch auch ohne deren Unterstützung leben, d. h. sich anständig ernähren und volle gesellschaftliche Teilhabe genießen kann.
Christine Stapf
6.600
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 05.01.2018 um 08:44 Uhr
Herr Momberger, Ihrem letzten Satz stimme ich absolut zu.
In unserem Staat haben leider nicht alle eine Lobby, so auch der Personenkreis, der auf die Tafel angewiesen ist.

Im letzten Absatz in diesem Zeitungsbericht von der Frankfurter Allgemeinen ist zu lesen, das sich auch die Betreiber der Tafel wünschen, das es diese Einrichtung nicht mehr geben muss.

http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/hessen/giessener-tafel-anderthalb-jahre-bis-zum-ersten-lebensmittelpaket-1699506.html
Martin Wagner
2.415
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 05.01.2018 um 09:19 Uhr
Danke Frau Stapf für die Einstellung des Querverweises zu einem Artikel der FAZ. Dieser ist - obwohl aus 2008 - für mich sehr interessant. Dort heisst es z.B.:

(....) "Auf die Warteliste wird mittlerweile niemand mehr aufgenommen. Schließlich gebe es in Gießen gut 5000 Haushalte, die auf Arbeitslosengeld II angewiesen seien und deshalb theoretisch ein Recht auf Versorgung hätten. Das könne die Tafel aber nicht leisten, sagt Claes. " (....)

Zur information: Claes war und ist der Macher von dem örtlichen Ableger des Sozialkonzern Diakonie (fest in der Hand der Amtskirche EKD).

Also vor knapp 10 Jahren war diesem Herrn noch klar, dass die Tafel (wer bereit ist das positiv zu sehen) Reperaturbetrieb für die arm Gemachten darstellt. Er spricht offen von den durch die Partei der Arbeiterverräter zu verantwortenden Einführung der Hartz-IV-Gesetze (nur leicht verschleiert durch die Verwendung des Begriffes Alg II), von den damals aktuellen Zahlen in der Stadt / bzw. im Landkreis Giessen und vor allen Dingen, dass die Warteliste zu ist.

Keine Ahnung warum er das heute nicht mehr macht. In den zahlreichen Presseveröffentlichungen aus seinem Haus werden schon die aktuellen Zahlen genannt; zB. soundsoviele Haushalte (aber die der Zahl der Betroffenen selber werden nicht gesagt, obwohl bei der Bedürftigkeitsprüfung das abgefragt wird) und soundsoviele Abgabestellen im Landkreis. In meinen Augen fehlt vor allen Dingen eine Statistik in der genau nachsehbar ist, wie über die jetzt 12 Jahren sich die Zahl der Berechtigten im abgedeckten Bezirk* sich zu den "Kundenzahl" bzw. Zahl der Menschen auf der Warteliste entwickelt hat.

Warum macht der Sozialkonzern das nicht? Ein für mich hochwahrscheinliche Antwort ist: Damit die Spender aus der Großindustrie nicht verkrätzt werden. Würden die Tafeln das machen, dann würde klar werden in welchen Zeiten wir (wieder) leben.

Gerade bei dem im Artikel angesprochenen Kühlwagen handelt es sich ja nicht um einen Wagen irgendeines Herstellers, sondern um den Kühlwagen eines der Hauptsponsoren (die Autos mit dem Stern). Einer Firma, welche seit Jahrezehnten als besonders staatstragend bekannt ist. Faiererweise sollte ich dazu angeben, dass die Spende der Stiftung nicht den vollen bzw. regulären Kaufpreis abdeckt. D.h. die Tafel muss aus anderen Quellen noch zu schiessen und besagte Firma gibt ihre Kühlwagen zu Sonderkonditionen an die Tafeln ab.


* Schwer zu ermitteln, denn es sind nach den Bestimmungen der Bedürftigkeitsprüfung nicht nur Empfänger von Hartz-IV-Leistungen und Grundsicherungen berechtigt. Die Zahlen der offiziellen Bezieher der sogenannten Transferleistung sind im Kreis erfragbar.
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