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Wer doas v´r stieht, hat viel se lache!

Jochen Rudolph bei einer Lesung
Jochen Rudolph bei einer Lesung
Gießen | Jochen Rudolph, der "fiedele Owwerhesse" erheiterte und begeisterte seine Gäste im voll besetzten Café "KaFee" in Gießen Klein-Linden am Freitagabend. Mit dem 8. Glockenschlag der nahegelegenen Turmuhr startete um 20:00 Uhr ein Kultabend für Freunde der „owwerhessischen Mundart“. Und das Ambiente des gewählten Kultortes "KaFee" versetzte auch den letzten Besucher in eine Zeit zurück, in der aller Orten "die Moddersproch", also „Platt geschwasst wurd“.
Gleich zu Beginn stellte Rudolph zudem sein Multitalent unter Beweis, als er nämlich gekonnt den großen Historiker Marcel Reich-Ranicki imitierte und mit dessen unvergessener spitzer Zunge den anstehenden "literarischen Kultabend" in oberhessischer Mundart anmoderierte. Dass die erschienenen Gäste die Sehnsucht hatten, lange nicht mehr gehörte Ausdrücke, Kernsätze, Gegenstands- oder gar Charaktere Bezeichnungen zu hören, bildete das nötige Fundament für diesen Abend.

Bevor Rudolph jedoch seine „Ommaahsch an Brodhäckersch Karl“ (1919 bis 2013) aus dessen Gedichten und Geschichten las oder sang, begeisterte er mit dem Zwiegespräch "Das Landexamen" seine Zuhörer
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im ausverkauften „Ka-Fee“. Hierbei ging es um einen Bewerber aus Frankfurt, den der alte Schulrat von Volkartshain auf seine Sprachkenntnisse abfragte und feststellte; "Der hot aach die Ärwet net e´fonne" (der hat auch die Arbeit nicht erfunden). Wer bereits hierbei die Augen schloss und dem Sound und den Inhalten lauschte, glaubte sich versetzt in den alten Schulsaal von Volkartshain, in dem der alte Schulrat mit dem Bewerber aus Frankfurter "zackerte".
Im großen Hauptblock der "Brodhäckerschen" Verse, Gedichte und Geschichten mischten und wechselnden sich "kerniges Oberhessisch" mit "hessischem Hochdeutsch" ab, sodass auch das "ungeübte Ohr" sich zunehmend an den inhaltlichen Aussagen und Pointen erheiterte. Ob dabei die "Geschichte" oder "Story" erzählt, gelesen oder gar mit Gitarrenspiel bekleidet von Rudolph gesungen wurde, war unerheblich. Er verstand es gekonnt mit den unterschiedlichsten Geschichtsthemen von den "Drei Schwätzern in Gießen" bis hin zur "v´r schluckte Nohle" (verschluckte Nadel) die Zuhörer zu begeistern und Lachsalven auszulösen.

Mit 7 vertonte Texten, die er mit seiner Gitarre begleitend sang, versetzte er die Zuhörer in alt bekannte "Fäägmeelstimmung". So machte Rudolph als "der fidele Owwerhesse" beim
Ein Straßenblick ins „Ka-Fee“. Jochen Rudolph (re.) und links ein Teil der Gäste im vorderen Schaufenster Raum.
Ein Straßenblick ins „Ka-Fee“. Jochen Rudolph (re.) und links ein Teil der Gäste im vorderen Schaufenster Raum.
"Vogelsberger Maiausflug" u.a. seinem Namen alle Ehre und das Publikum war mit Lachsalven „schier aus dem Häuschen“. Gleich heiter aber auch mal besinnlich waren die 20 Kurzgeschichten, mit denen er abwechslungsreich und inhaltlich angepasst, das Programm gestaltete. Mit dem Titel „Die Beicht“, von dem alten Mundartdichter Peter Fuchs aus Ulrichstein-Wohnfeld und der von ihm mit der Musik „light my fire“ (Doors) fein unterlegt gespielt und gesungen, beendete Rudolph das 2-stündige Programm.

Dass der "Ommaahsch auf Brodhäckersch Karl" dessen Tochter, Susanne Brodhäcker-Herd, beiwohnte, erfreute den Künstler Rudolph im Besonderen, da man sich bereits von Kindesbeinen an kennt. Ein gelungener „literarischer Kultabend“ mit Texten und Liedern aus Geschichten vergangener Tage des letzten Jahrhunderts, der seine Gäste begeisterte und mit dem „Fidielen Owwerhessen“, Jochen Rudolph, einen neuen Stern am hessischen Mundart Himmel präsentierte.

Jochen Rudolph bei einer Lesung
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Ein Straßenblick ins „Ka-Fee“. Jochen Rudolph (re.) und links ein Teil der Gäste im vorderen Schaufenster Raum.
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Jochen Rudolph mit Gitarre
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