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Was kostet „Free to play“ wirklich? - tiefe Einblicke in Online-Spiele

Verrieten die Tricks der IT-Branche hinter dem Prinzip „Free to p(l)ay“: Der Referent Christian Schaack (r.) und Thomas Graf von der Jugendförderung des Landkreises. Bild: Landkreis Gießen
Verrieten die Tricks der IT-Branche hinter dem Prinzip „Free to p(l)ay“: Der Referent Christian Schaack (r.) und Thomas Graf von der Jugendförderung des Landkreises. Bild: Landkreis Gießen
Gießen | „Free to P(l)ay – Design und Konsum von Onlinegames“ heißt ein neues Fortbildungsangebot des Landkreises, das sich vor allem an diejenigen richtet, die in der Sozialarbeit an Schulen oder anderweitig in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind. Die Premiere fand im Veranstaltungsraum der Jugendförderung im Bachweg statt. Als Referent stand mit Christian Schaack ein Insider zur Verfügung. Er ist nicht nur Diplom-Sozialpädagoge, sondern hat nach seinem Studium auch fünf Jahre für eine Computerspielfirma gearbeitet. Er weiß, wovon er spricht.

„Wir verbieten unseren Kindern in Spielotheken zu gehen, aber diese Free to play-Angebote sind in jedem Alter zugänglich.“ In seinem mit Fachwissen gespickten Seminar hinterfragt Christian Schaack mit kritischem Blick die in der TV-Werbung zigfach beworbenen und nur scheinbar kostenlosen Spielangebote oftmals rund um Trolle und Fantasywelten. Dabei stellt sich letztlich die Frage: Was bleibt unter dem Strich für den Spieler: „Free to play“ oder „Free to pay“?
Am Beispiel von „League of Legends“ erläutert der Experte, wie Spiel und Geschäftsmodell geschickt ineinander greifen. „League of Legends“ ist bei Kindern und Jugendlichen eines der beliebtesten Onlinespiele mit weltweit schätzungsweise 67 Millionen Spielern. „7,8 Millionen Menschen sind gleichzeitig online“, beschreibt Christian Schaack die Reichweite der Freizeitbeschäftigung, die leicht suchthafte Züge annimmt.

Immer neue psychologische Tricks werden von den Entwicklerfirmen der Online-Spiele eingesetzt, damit aktive Spieler weiterhin Interesse haben und bereit sind, bares Geld zu investieren. Schaack selbst wirkte an der Entwicklung von Triple-A und Free to Play-Computerspielen mit. Im Rahmen der Fortbildung gab er einen Einblick in Design, Nutzeranalyse und Vermarktung von Computerspielen. Einen Einblick, den die Teilnehmerinnen und -nehmer so noch nicht erhalten haben.

Vor allem die sogenannte „User Feedback Analysis“ (Nutzeranalyse) wird heute schon früh in der Entwicklung von digitalen Spielen bedeutsam. Lässt sich das Spielverhalten von Nutzern vorhersagen und wird hierdurch der Spielkonsum von Kindern und Jugendlichen beeinflusst? Viele Fragen standen zur Diskussion. „Bis wann ist es Spaß, ab wann ist es Sucht?“, fragte der Referent zum Beispiel. Allzu verlockend sei es, einen Mangel in der realen Welt könne in der virtuellen Welt zu kompensieren. Indikatoren sind zum Beispiel Anzeichen einer Depression, Entzugserscheinungen oder nachlassende Schulnoten.

„Wir brauchen eine Regulation von Free to play-Spielen“, lautete der Appell des Experten. Hier sei die Politik gefordert. Zugleich rät er Eltern, Medien als ein Teil der Umwelt zu akzeptieren und sie schrittweise mit ihnen zu sozialisieren. Hierbei spielen die Vorbildfunktion, eine bewusste Orientierung bestehender Medien sowie eine Umgebung eine wichtige Rolle, in der die Kinder und Jugendlichen das Erlebte verarbeiten können. „Für viele Eltern ist das Thema ,Free to play‘ aber völliges Neuland“, sagt er. Im Gegensatz dazu gehörten neue Medientechnologien zu der Lebenswelt junger Menschen. „Dieses Spannungsfeld muss unbedingt aufgelöst werden.“

Wer an dem Thema interessiert ist, kann sich an Thomas Graf, verantwortlich für präventiven Jugendschutz bei der Jugendförderung des Landkreises Gießen, wenden. Er ist erreichbar unter Telefon: 0641 9390-9391 oder per E-Mail an thomas.graf@lkgi.de. Weitere Informationen zu dem Fortbildungsprogramm sind im Internet zu finden bei www.lkgi-jugendfoerderung.de.

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