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Wissenswertes über Organspende

Dr. Wilhelm Stertmann während seines Vortrags
Dr. Wilhelm Stertmann während seines Vortrags
Gießen | Nach Angaben der Stiftung Eurotransplant warten in Deutschland zurzeit 10.585 Patienten auf ein Spenderorgan und doch geht die Zahl der Organspender seit dem Jahre 2012 regelrecht zurück. Eine Aufklärung ist deshalb so wichtig, um in der Bevölkerung ein Gespür für das Thema zu entflammen. Die Studenteninitiative "Organspende" setzt sich aus diesem Grund für Aufklärung ein und informiert über das Thema in heimischen Schulen. Es geht darum, Schülern Wissenswertes über die Organe und Organtransplantation zu vermitteln.
Auch in der Liebig-Schule fand diesen Mittwoch solch eine Infoveranstaltung statt. Dr. Wilhelm Stertmann, Transplantationsbeauftragter am Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM), sprach am Mittwoch über die Notwendigkeit der Organspende und das Verfahren zur Transplantation. "Wir wollen das breite Publikum erreichen", sagte er am Anfang der Veranstaltung und leitete so das Thema ein. Organe, die man grundsätzlich spenden kann, sind Herz, Lunge, Leber, Nieren, Bauchspeicherdrüse und Darm. Aber auch Gewebe kann gespendet werden, wie die Augenhornhäute, Teile der Haut oder Knochengewebe. Im Organspendeausweis können nur bestimmte Organe oder Gewebe aufgezählt werden. Da diesbezüglich keine gesetzliche Regelung besteht, ist es wichtig, selbst die Entscheidung zu treffen und diese auf dem Organspendeausweis festzuhalten. Wichtig ist auch, mit der Familie darüber zu sprechen. Im Fall der Fälle, reichen den Ärzten die Informationen auf dem Ausweis aus, um eine berechtigte Organentnahme durchzuführen. Gibt es keinen Ausweis, wird die Familie kontaktiert und so der Wille des betroffenen Patienten ermittelt. Dies muss in der Regel sehr zügig geschehen, denn ist der Hirntod erstmal erklärt, ist die Voraussetzung für die Organentnahme geschaffen. Als Hirntod wird der Zustand der irreversibel erloschenen Funktionen des gesamten Gehirns, also des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms bezeichnet. Die Organspende wird von allen Religionsgemeinschaften befürwortet. Bei Familien jedoch stößt man meistens auf Ablehnung: über 30 Prozent der Angehörigen möchten keiner Organentnahme zustimmen. Würden Passanten auf der Straße befragt werden, wieviele von ihnen spenden befürworten, würden etwa 80 Prozent von ihnen mit "ja"antworten, doch nur 18 Prozent hätte einen Ausweis. "Das gilt es zu verbessern und das ist auch der Hauptgrund, warum wir hier sind", kündigte Dr. Stertmann an.
Die Schüler hören gebannt zu
Die Schüler hören gebannt zu
Die Mehrheit der Organspender stirbt aufgrund von Gefäßerkrankungen des Hirns, wie einem Schlaganfall. Durch eine bewusste Spende, zum Beispiel im Falle einer Niere, wird der Spender selbst zum Patienten und setzt sich so künftigen Einschränkungen aus. Nun, warum ist das Organspenden so wichtig? Ganz einfach: es kann sehr viele Leben retten. Als Organspender rettet man im Durchschnitt drei Leben und dabei kann jeder durch einen schweren Unfall oder eine schlimme Krankheit zum Organbedürftigen werden. Es gibt auch viele Vorteile für den Empfänger, wenn ein Spender schon länger bekannt ist. Der Spender und sein Gesundheitszustand ist dann geprüft, wodurch die Chancen für ein Transplantationserfolg steigen: Transplantatschäden, Abstoßung und andere Komplikationen sind viel geringer. Faktisch jedoch besteht immer die Gefahr, dass ein Organ abgestoßen wird oder eine Infektion entsteht. "Das Einsetzen der Gefäße ist entscheidend", erklärt Dr. Stertmann, als er versucht den Schülern den Ablauf der Transplantationen näher zu bringen.
Ein 16-jähriger Schüler, Lars, der im Alter von drei Wochen in der Kinderklinik am UKGM eine Herztransplantation hatte, war bei der Infoveranstaltung anwesend
Lars, kurz nachdem er von seinen Erfahrungen gesprochen hat
Lars, kurz nachdem er von seinen Erfahrungen gesprochen hat
und teilte den Schülern der Liebig-Schule seine persönlichen Erfahrungen mit. Von seinen Eindrücken vor und nach der Transplantation konnte Lars verständlicherweise nicht berichten, jedoch sprach er ein paar Worte über seine heutige Lebensqualität aus: Grundsätzlich kann ich alles machen, was "normale" Menschen auch machen", erklärte Lars den Anwesenden. Lediglich in Sport sei er ein wenig eingeschränkt, weil ihm die Ausdauer fehle. Er muss täglich Medikamente zu sich nehmen und es sei wichtig sie immer pünktlich und zur gleichen Zeit einzunehmen. Als Baby hatte Lars zwei Abstoßungen, heute ist davon nichts mehr zu spüren. Ansonsten könne man alles werden, was man möchte, sagte er fröhlich und fügte heiter hinzu: "Man kann auch Sportler werden, aber es wäre etwas zu anstrengend", sagte er munter.
Dr. Stertmann zeigte auf seiner Präsentation weitere Kinder, die als Babys eine Transplantation benötigten und heute ein gutes Leben führen. Durch eine neue Niere oder eine neue Lunge sind sie heute, viele Jahre später, noch am Leben.

Dr. Wilhelm Stertmann während seines Vortrags
Dr. Wilhelm Stertmann... 
Die Schüler hören gebannt zu
Die Schüler hören... 
Lars, kurz nachdem er von seinen Erfahrungen gesprochen hat
Lars, kurz nachdem er... 
Der Saal voller Schüler, die dem Vortrag folgen
Der Saal voller Schüler,... 
Dr. Wilhelm Stertmann während seines Vortrags; hinten, die Studenten der Medizin, die die schüler aufgeklärt haben
Dr. Wilhelm Stertmann... 
Der Saal voller Schüler, die dem Vortrag folgen
Der Saal voller Schüler,... 
Die Schüler hören gebannt zu
Die Schüler hören... 
Die Folie mit dem Titel: Gemeinschaftsaufgabe Organspende
Die Folie mit dem Titel:... 
Lars, kurz nachdem er von seinen Erfahrungen gesprochen hat
Lars, kurz nachdem er... 

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Kommentare zum Beitrag

Florian Schmidt
4.242
Florian Schmidt aus Gießen schrieb am 23.01.2015 um 00:29 Uhr
Die Menschen müssen die Scheu vor der Organspende verlieren. Daumen Hoch für den Artikel.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Magdalena Skorupinska

von:  Magdalena Skorupinska

offline
Interessensgebiet: Gießen
Magdalena Skorupinska
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