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Wir haben unsere Freunde nur auf Zeit.

Buseck | Nur auf Zeit.

Es ist naturgegeben, dass wir sie nur auf Zeit erleben.
Wir überleben sie einfach und das hat auch wieder sein Gutes.
Es ist spät nachts und ich schlage mir wieder die Nächte um die Ohren, eines meiner Kinder ist krank und damit könnte man sagen, auch ich, denn es tut weh, mitzuerleben wie nah das Sterben am Leben ist.
Wer wie ich, so nah an und mitten in der Natur lebt, bekommt das, ob er es nun will oder nicht - hautnah mit. Das ist schmerzhaft und gleichzeitig schön, weil man nicht abstumpft, sondern sich ein intensives und sehr nahes Gefühl für das vergehende Leben behält.
Kasimir, meinen schwarzweißen Kater habe ich nur, weil Paulchen - dieses wunderbare Prachttier von Kater - ihm Platz machte und wie alles, was geschieht, einen Sinn hat, hatte auch Paulchens schrecklicher und noch heute für mich unbegreiflicher Tod, einen Sinn.
Er starb mit knapp 3 Jahren indem ihm, vor dem Gebüsch das dem Haus gegenüberliegt, von einem domestizierten Hund der Kopf abgerissen wurde.
Jeder wußte wer Hund und Halter ist, doch er wurde nie zur Rechenschaft gezogen, oder die Haltung des Hundes kontrolliert, obwohl wir es dem Ordnungsamt meldeten.
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wenn die Tiere erkranken (1)
Man klammert sich an das Gefühl, dass auch dieser für mich entsetzliche Verlust einen Sinn haben muss um nicht zu verzweifeln und ich sage mir heute noch als Trost, er war einfach zu schön, zu perfekt , zu lieb und kerngesund um lange am Leben zu bleiben.
Als ich ihn weinend unter meinem Wohnzimmerfenster begrub, trauerte Julchen, seine kleine Nennschwester so sehr um ihn, dass ich um ihr Leben fürchtete, sie wurde immer weniger und kleiner, bekam hohes Fieber und schrumpfte zu einem zierlichen kleinen Etwas zusammen dass man kaum noch sah. Sie verweigerte die Nahrung und ich hatte den Eindruck, sie trauert wie ich und weint nach innen. Es war zum Gotterbarmen für mich nicht mehr anzusehen und so ging ich nach wenigen Wochen ins Tierheim um ihr einen neuen Gefährten an die Seite zu holen.
Als Trost dachte ich, und damit sie wieder auf die Beine kommt, hole ich ihr ein junges Kätzchen um sie abzulenken und sie zu beschäftigen. Dass ich Kasimir mit nach Hause brachte, war überhaupt nicht geplant, aber man plant ja auch eine bestimmte Katze nicht, die Katzen suchen sich uns aus.
Kasimir, der damals noch Igor hieß, verfolgte mich auf meiner Suche von Zimmer zu Zimmer, wortlos mit riesigen Augen, sprach kein Wort und sah mich nur durchdringend an. Als ich mich endlich, von unzähligen schnurrenden Katzen umgeben, auf einen Stuhl setzte, legte er, seine Augen gebannt auf mich gerichtet, ein großes Ei ins Katzenklo das neben mir stand, so, als wolle er mir sagen; "Guck mal, was ich alles kann"!
Ich war ohne Korb direkt nach dem Dienst ins Tierheim gegangen, nur um mir die Katzen anzusehen, eigentlich war ich noch etwas unentschlossen, aber diesem Charme konnte ich mich nicht entziehen und so nahm ihn in einem geliehenen Transportkorb sofort mit nach Hause.
" Aber bitte, mindestens 6 Wochen in der Wohnung zum eingewöhnen lassen", hieß es als Auflage.
Kasimir aber hatte seinen eigenen Kopf und meinte etwas ganz anderes tun zu müssen. Innerhalb von zwei Tagen hatte er Wohnung und Katzen für sich eingenommen. Und kaum als ich mit Julchen und Mimi, meiner gescheckten 3-farbigen Goldkatze wenige Tage später im Garten war, saß er hoch oben auf der Terrasse und plärrte schon wie ein Wilder
" auch runter", traute sich aber von alleine nicht. Ich musste ihn bewachen und begleiten. Seitdem ist er ein begeisterter Freigänger und keine Memme mehr, folgt mir wie ein Hund auf Zuruf und kommt pünktlich wie die Maurer nach Hause.
Kein gesundes Tier hatte ich mir oder er doch mich? - ausgesucht.
In Laubach wurde er auf der Straße aufgefunden, dann landete er im Tierheim Giessen und wurde dort kastriert und geimpft. Sein Alter - hieß es, wäre undefinierbar, man schätzte ihn auf ca 3 oder 4 Jahre, also ist er heute schätzungsweise 7. Natürlich kann er auch um etliches älter sein.
Innerhalb weniger Tage merkte ich an meinem neuen Buben dass er einen Lungenschaden hatte. Er pumpt wie ein Maikäfer bei jeder Anstrengung und auch im normalen Alltag, bekommt sehr schlecht Luft und hat in gewissen Momenten ganz blaue Lippen und weiß verfärbtes Zahnfleisch. Aber sonst ist er anscheinend immer guter Dinge.

Ich dachte mir, einem nicht gesunden Tier eine Chance zu geben, die letzten Jahre ein gutes Leben zu haben, auch wenn es sorgengeprägter für mich wäre, ist auf jeden Fall besser als sich ein gesundes Kleines ins Haus zu holen, denn die haben - im Gegensatz zu einem kränklichen Tier, bedeutend größere Chancen direkt aus dem Tierheim vermittelt zu werden.
Er ist nun wirklich keine Schönheit, ist hager und groß gewachsen, nimmt kaum zu, hat immer struppiges strohiges Fell, was wahrscheinlich daher kommt dass er genug damit zu tun hat sein Luft holen zu bewältigen. Doch das ist zu verstehen, wenn es so schwierig ist zu atmen, kann man nicht auch noch auf schönes Fell achten, aber, es stört weder ihn noch mich, denn er will ja an keinem Schönheitswettbewerb teilnehmen.
Jede Menge Macken und Ecken hat er zu seiner piepsigen Stimme, mein großer Bub, und einen herausragenden Eckzahn der ihm weit aus dem Maul herausragt, den zweiten hat er schon verloren und an diesem noch verbleibenden überdimensionalen Eckzahn wird man ihn überall erkennen, so er denn auf seinen Abenteuerreisen rund ums Grundstück, ums Haus und auf den gegenüberliegenden Wiesen mal verloren ginge, aber außergewöhnlich ist er, so wie jede schwarzweiße Katze etwas Besonderes an sich hat.
Doch man zeige mir eine Katze, die nichts Außergewöhnliches und ganz Individuelles ist, ich glaube, die gibt es einfach nicht.
Aber nun ist er krank, oder doch nur alt?
Gestern Nacht weckte er mich so gegen Morgen mit würgenden lauten Geräuschen und ich dachte
" aha, da hat er sich wieder an einer Maus verschluckt", doch als ich gleichzeitig ein dumpfes lautes Plumpsen hörte, dass sich für mich anhörte als sei etwas vom Katzenkratzbaum gefallen, machte ich doch Licht und schaute nach ihm. Da lag er mit vorgestrecktem Kopf unter der Heizung, bewegte sich nicht mehr und war ganz kalt.
Platt wie eine Flunder machte er ein halbes Schiffchen und regte sich kaum. Als ich ihn vorsichtig zu mir heranzog und streichelte, richtete er sich auf und saß völlig regungslos da, das Mäulchen war halb offen, mit einem langen Schleimfaden der sich bis zum Boden zog, pumpte er entsetzlich, war blass und gleichzeitig blau um die Lippen und hatte ganz geistesabwesende Augen, er nahm mich überhaupt nicht wahr.
Ich war sehr in Sorge, versuchte ihn zu streicheln und zu beruhigen aber er sah mich überhaupt nicht. Sofort dachte ich an einen Schlaganfall.
Was tun, mitten in der Nacht, was macht man in Hessen wenn ein Tier in Not gerät? Wen ruft man an?
In Frankfurt, München oder Hamburg gibt es die Tiernotrettung die man anrufen kann, die kommen sofort und helfen.
Hier bleibt nur der Anruf in die Klinik die rund um die Uhr besetzt ist, wie man mir später sagte.
Doch wen trifft man dort an?
In meiner leisen Panik rief ich meine Freundin an, die die einzige ist, von der ich weiß, dass ich sie - wenn es sich um eine dringende Sache handelt - jederzeit wecken kann, doch die wusste auch keinen anderen Rat, als eventuell den Tierarzt anzurufen, doch wer schmeißt schon gern mit gutem Gewissen den einzigen Helfer der Tiere mitten in der Nacht in so frühen Morgenstunden - es war noch nicht mal 6°° - aus dem Bett?
Mittlerweile hatte sich Kasimir nach ungefähr einer halben Stunde wieder berappelt, sah mich auch wieder an, atmete zwar immer noch tief und schwer und bewegte sich unbeholfen, aber immerhin machte er ein paar Schritte, hatte aber zumindest diesen völlig geistesabwesenden Augenausdruck nicht mehr. Dann fraß und trank er.
Ich beschloß abzuwarten und die Lage zu beobachten, mein Tierarzt macht üblicherweise um 16.00 auf. Nach Gr.- Buseck sind es nur ein paar Minuten und Kasimir verhielt sich auf der Fahrt wie ein Engel, kein Ton, keine Beschwerde kam aus seinem Mäulchen. Der Tierarzt, der mir nach der Untersuchung versicherte, man könnte zwar wahrscheinlich in diesem Stadium in dem er sich nachts befand, wenig oder nichts machen, aber ich könne jederzeit anrufen. Auch nachts, wenn ich so in Sorge wäre und mir nicht weiterhelfen könnte, nahm mir zumindest die akute Angst.
Kasimir hatte wohl, wie der Tierarzt vermutete, einen kardiologischen oder epileptischen Anfall, es könnte auch eine kurzzeitige Durchblutungsstörung des Gehirns gewesen sein und so war er wohl in Ohnmacht gefallen.
Es ist, wie angenommen wird, wohl eine Spätfolge der unbehandelten Lungenerkrankung, oder eines Katzenschnupfens die er als Jungtier durchgemacht hat.

Es kann jederzeit wieder vorkommen, heißt es nun und somit habe ich nun einen Kandidaten an meiner Seite der hochgradig gefährdet ist.
Jetzt gibt es erst einmal - die Aufregung muss ich ihm leider zumuten - Tierarztbesuche mit Spritzen zur Unterstützung für Herz und Lunge obwohl er die nicht so mag.
Doch was mach ich wenn er von der Katzenleiter fällt?
Auf jeden Fall ist es wohl mit seiner unbeschränkten Herrschaft über groß und klein, über alles was im Garten so kreucht und fleucht einschließlich fremder Katerbesuche die uns öfters aufsuchen vorbei, und dem kleinen Bruder Merlin gegenüber wird er sich wahrscheinlich nun auch nicht mehr so behaupten können. Doch versteht der das?
Auf jeden Fall stimmt das Sprichwort wie ich nun weiß: "Kleine Kinder - immer irgendwelche kleine Sorgen, kranke Kinder, große Sorgen".
Ich werde in mein Nachtgebet den Wunsch ab heute mit einschließen, der Herrgott möge bitte ihn mir und mich ihm, noch einige Zeit lassen.

© Angelface in den Tagen des Aprils 2010

Kommentare zum Beitrag

Dr. Manfred Klein
1.382
Dr. Manfred Klein aus Gießen schrieb am 16.04.2010 um 07:35 Uhr
Das Sein zum Tode geht eben auch an Tieren nicht vorrüber, im Prinzip stirbt ein jeder jeden Tag ein bisschen mehr. Möge der große Katzengott dem kleinen Kasimir gnädig sein.
Angelika Petri
1.729
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 16.04.2010 um 15:06 Uhr
herzlichen Dank Dr. Klein für diesen frommen Wunsch,
nachdem es ihm im Moment wieder besser geht, hoffe ich doch, dass das Ende noch ein wenig aufgeschoben werden kann, bin mir aber im Klaren, dass er wahrscheinlich nicht so alt werden wird, wie eine gesunde Katze ohne Unfall.
Angelika Petri
1.729
Angelika Petri aus Mücke schrieb am 31.10.2010 um 10:42 Uhr
meine eigene Geschichte über Kasimir meinen Großen habe ich mir, wie man das eben so dann und wann macht - eben noch einmal durchgelesen und bin froh, sagen zu können, dass er den Sommer an und für sich gut überstanden hat.
Es geht ihm gut, ! das sagen zu können, beruhigt mich sehr.
Er ist unheimlich lieb, schmusig, eine starke Persönlichkeit und wir hängen sehr aneinander.
Mit Bruder und Schwester die ja keine wirklichen sind - verträgt er sich und balgt was immer ein gutes Zeichen ist wenn Tiere am Alltagsgeschehen teilnehmen.
Kühe vor dem Fenster, die eben frisch kalben, Schmetterlinge die sich auf Busch ,Strauch und Baum niederlassen beobachtet er aufmerksam und mit Freude,
spazieren gehen an meiner linke Flanke, liebt er, und: er spricht mit mir.
Das ist mir eine große Freude.
Hallo Lieber Leser
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Herzlichst, Ihr(e) Angelika Petri

von:  Angelika Petri

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Interessensgebiet: Mücke
Angelika Petri
1.729
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