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EU-Klage wegen Stickoxidwerten - Aktionsschwarzfahrer*innen fordern: Kein Cent für Autos - Jahrestickets für Dieselverschrotter*innen!

Beispiel für ein Hinweisschild beim offenen Schwarzfahren
Beispiel für ein Hinweisschild beim offenen Schwarzfahren
Gießen | Kein Herumdoktorn an einem falschen Verkehrssystem!

Nur Nulltarif und Fahrradstraßen helfen!

"Wer Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge fordert oder Programme zur Aufrüstung luftbelastender PKW entwirft, spaltet die Gesellschaft und rettet die Profite der Autokonzerne", heißt es aus den Reihen der Aktionsschwarzfahrer*innen, die in immer mehr Städten mit ihren spektakulären Aktionen für eine Verkehrswende eintreten. Ihnen geht es um eine ökologisch wirksame und sozial gerechte Verkehrswende.

Deutliche Kritik üben die in Bussen und Bahnen offen gekennzeichnet fahrenden und mit Flyern, Aufklebern, Musik und Schildern für die Einführung des Nulltarifs und die Umwidmung von Auto- zu Fahrradstraßen werbenden Aktionsschwarzfahrer*innen an Parteien und Institutionen, die statt einer Verkehrswende lieber die Aufrüstung des bestehenden Fuhrparks befördern wollen. Plaketten und Vorschriften zur Nachrüstung von Motoren würden arme Menschen stärker treffen, da die meisten teuren Autos zwar in Herstellung und Betrieb mehr Ressourcen verbrauchen, aber bessere Filter hätten. "Eine sozial-ökologische Wende hin zu lebenswerten
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Städten ist mit PKWs nicht machbar", schimpfen viele der Aktionsschwarzfahrer*innen über die Reaktionen auf die Ankündigung der EU, gegen die Untätigkeit der deutschen Regierung in Sachen Luftverschmutzung klagen zu wollen. Wer wirklich eine Verkehrswende und eine bessere Luft wolle, müsse die Menschen zum einen in Busse und Bahnen bringen, zum anderen aufs Fahrrad. Das wirksamste Mittel sei der fahrscheinlose Personenverkehr (Nulltarif) und die Einrichtung von Fahrradrouten auf bisherigen Autostraßen. Dafür sei ein Stufenplan nötig, der nach wenigen Jahren zumindest alle Innenstädte gänzlich autofrei machen könne. Um eine sofortige erste Wirkung zu erreichen, sei als erster Schritt die Verschrottung der besonders luftbelastenden PKW-Typen denkbar - die Fahrzeuginhaber*innen sollten, wenn sie auf die Neuanschaffung eines PKW verzichten, mit dem Fahrzeugschein der nicht mehr zugelassenen Autos dann frei in Bussen und Bahnen fahren können. "Das kostet weniger als die Umrüstung!" Die weiteren Schritte würden dadurch zudem einfacher. Denn wenn weniger Autos fahren, sei der Platz da für Fahrräder, Busse, Straßenbahnen. Dörfer und Städte könnten aufleben und die Menschen dort aufatmen.

Die Aktionsschwarzfahrer*innen wollen ihre Aktionen deshalb intensivieren. In den vergangenen Wochen haben in vielen Städten Informationsveranstaltungen und Trainings zum demonstrativen Schwarzfahren stattgefunden. Dabei steigen die Aktivist*innen mit einem deutlichen Hinweisschild auf ihre Fahrt ohne Ticket in Busse und Bahnen ein und werben per Flyer und Gesprächen für Nulltarif und fahrradfreundliche Ortsgestaltung. Gerichte in Gießen und München hatten diese Art des Schwarzfahrens in der Vergangenheit für straffrei erklärt. Daher hoffen viele jetzt auf Nachahmer*innen in weiteren Städten und Regionen. "Die Aktion ist einfach, jederzeit möglich und erreicht sehr viele Menschen. Wenn in jeder Straßen-, S- und U-Bahn ein Mensch für Nulltarif und Fahrradstraßen wirbt, kommen wir der Verkehrswende viel näher als durch das hinhaltende Geschwätz von Politiker*innen, die die Interessen der Autoindustrie hinter hohlen Phrasen verstecken." Eine Variante des Aktionsschwarzfahrens gibt es inzwischen auch für Inhalber*innen von Dauerkarten. So können alle Menschen die Idee umsetzen.
Auch überregional wollen sich die Verkehrswendeaktivist*innen vernetzen. Am 2.6. steht ein bundesweites Vernetzungstreffen an, im Sommer und Herbst sollen gemeinsame Camps und Aktionen in verschiedenen Städten folgen. "Das wichtigste aber ist, dass überall Aktionen beginnen. Echte Verkehrswende kommt von unten!"

- Hintergründe, Gesetzestexte und –kommentare, Urteile und Studien zum Nulltarif unter www.verkehrswende.tk

- Kontakt: Projektwerkstatt, 06401-903283, saasen@projektwerkstatt.de

- Berichte über Aktionen auf www.facebook.com/nulltarifaktion

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Kommentare zum Beitrag

Martin Wagner
2.427
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.05.2018 um 09:57 Uhr
Lieber Artikeleinsteller

Im Artikel steht: (...) "Wer Fahrverbote für alte Dieselfahrzeuge fordert oder Programme zur Aufrüstung luftbelastender PKW entwirft, spaltet die Gesellschaft und rettet die Profite der Autokonzerne" (....)

Dem kann ich nicht zustimmen.

Spaltung der Gesellschaft ist Realität. Diesen Zustand zu überwinden wird uns erst gelingen, wenn wir die Kapitalisten vertrieben haben. D.h.das hat eine Langzeitperspektive.

Auch ich halte mich für einen Autogegner und stimme darin überein, dass die Stinker generell aus der Welt geschafft werden müsse. Aber dafür muss der OEPNV konsequent ausgebaut werden und kostenlos sein.

Als Zwischenschritt müssen die Luftverpester aus den Innenstädten. Das schwächt die Kapitalisten der Autoindustrie und ist in meinen Augen keinesfalls Rettung derer Profite. Ich habe die Hoffnung, wenn Mitbürger es einfach - und sei es aus Zwang - lernen wie gut der OEPNV ist pfeifen sie auf die Umweltschleudern generell.
Christine Stapf
6.664
Christine Stapf aus Gießen schrieb am 21.05.2018 um 14:14 Uhr
Herr Wagner Ihre Wünsche sind utopia.
Berufstätige, die einen weiteren Anfahrtsweg haben, Aussendienstler und die Fahrzeuge die unsere Supermärkte beliefern, können keineswegs aus der Innenstadt verbannt werden.

" wenn wir die Kapitalisten vertrieben haben " schreiben Sie oben.

Die Allgemeinheit wird mit Sicherheit nicht dafür sorgen, dass es dann unzählige Arbeitslose in den Autoindustrie geben wird !!
Jörg Bergstedt
507
Jörg Bergstedt aus Gießen schrieb am 21.05.2018 um 15:30 Uhr
Die Spaltung der Gesellschaft verschärft sich über die Plaketten und den Zwang zu Investitionen ins Auto oder in ein neues Auto. Das können sich nur die reicheren Schichten leisten, deren teuren Autos zwar mehr Sprit verbrauchen, aber im hohen Preis halt die Technik enthalten ist, die die Plakette bringt. Die Profite der Autoindustrie werden durch den Nachrüstungs- und Neukaufzwang ebenfalls gesteigert. Was also ist an diesen Aussagen falsch?
Martin Wagner
2.427
Martin Wagner aus Gießen schrieb am 21.05.2018 um 19:21 Uhr
Ohh - das ich das noch einmal erleben darf - da bin ich einmal mit meinen Forderungen radikaler als Herr Bergstedt.

Herr Bergstedt es geht nicht darum eine Lösung zu finden in der die Autokapitalisten (sie schreiben beschönigend von Autoindustrie) so richtig zur Kasse gebeten werden, sondern es geht um die Beseitigung aller Kapitalisten.

Herr Bergstedt sie sind sehr belesen. Ich denke ich kann es mir sparen darauf hinzuweisen, dass gerade die Autokapitalisten zu der schlimmsten Sorten Kapitalisten zählten und zählen. Das heute mit der systematischen Luftverschmutzung ist doch geschichtlich gesehen eher zweitrangig. Z.B. war Herr Ford ein begeisterter Anhänger von Adolf Hitler. Und vergessen werden sollte auch nicht, dass alle deutschen Autokapitalisten mit wehenden Fahnen unter "Adolf" von der Produktion fürs Zivile ins Rüstungsgeschäft gewechselt sind.

Ja es stimmt (leider):

Heute wird mann / frau sehr schnell als Spinner hingestellt, wenn mann / frau daran erinnert, dass es auch eine Welt ohne Autos geben könnte.
(Wohlgemerkt ohne den jetzigen Stand der Massenmobilität einzuschränken.)

Frau Stapf, natürlich müßte dann die Wirtschaft generell anders organnisiert sein. Ob mann / frau das will ist sicher strittig. Aber - über einen längeren Zeitraum gesehen - es ist machbar.
Hallo Lieber Leser
freut mich, dass Sie meinen Artikel lesen. Sind Sie schon Bürgerreporter der Gießener Zeitung?
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Herzlichst, Ihr(e) Jörg Bergstedt

von:  Jörg Bergstedt

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Interessensgebiet: Gießen
Jörg Bergstedt
507
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