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Bei -11 Grad auf den Brocken

Start am Waldhaus im Wettenberger Forst
Start am Waldhaus im Wettenberger Forst
Wettenberg | Hört sich interessant an, die Geschichte hat sich jedoch anders zugetragen. Aber der Reihe nach: Am Samstag hätte eigentlich die Brocken Challenge stattfinden sollen. Seit vielen Jahren laufen an einem Samstag im Februar noch mitten in der Nacht viele sonderbare Menschen in der Nähe von Göttingen los und wetteifern darum, zuerst auf dem 80 Kilometer entfernten Brocken anzukommen.

Dieses Juwel, das bei jedem Ultraläufer im Kalender steht, konnte aus bekannten Gründen diesmal nicht real durchgeführt werden. Die Organisatoren, der Ausdauersport für Menschlichkeit ASFM Göttingen e. V. um Michael Ohlef, hatten sich daher entschlossen, den Spendenlauf virtuell zu veranstalten. Gleichzeitig gaben sie auch den Nicht-Profis eine Chance, am Rennen teil zu nehmen, indem sie beim virtuellen Rennen auch Teilstrecken angefangen von 8, 12, 17, 26, 38 und 49 Kilometer bis hin zur 80 Kilometer langen Gesamtstrecke anboten. Für jede/n ist also etwas dabei.

Hatte ich noch an den vier Wochenenden im Januar den Schinder-Trail Winterlauf-Cup mit 5, 10, 15 und 21 Kilometern vor der Flinte, steht an diesem Samstag die Brocken-Challenge mit der virtuellen Strecke vom Jagdkopf bis zum Brocken (26 Kilometer) auf meinem Programm. Wie durchgeknallt muss man sein???

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Also stehe ich am Samstag kurz vor 9 Uhr bei minus 11 Grad am Waldhaus im Wettenberger Forst. Ich stehe nicht lange, denn sonst besteht die Gefahr, festzufrieren und in absehbarer Zeit kommt auch hier niemand vorbei, der mich loseisen könnte. Nach kurzer Aufwärmphase geht es ausgestattett mit Getränken, Energieriegel und zwei Laufuhren durch den Wald. Zwei Laufuhren? Die zweite habe ich vorsichtshalber mitgenommen, wenn ich wohl auf den ersten 21 Kilometer schneller laufen sollte als am 30. Januar anlässlich des Schinder-Trail Winterlauf-Cups. Dann könnte ich mit der eventuell besseren Zeit die damalige überschreiben und somit die Gesamtzeit noch etwas aufpolieren. Aber erst mal schauen, wie es sprichwörtlich läuft. All das sind gesichterte Symptome, dass bereits ein fortgeschrittenes Stadium des Durchgeknallt-seins eingetreten ist.

Kalt und schattig ist es im Wettenberger Forst, warm wird’s mir, wenn die Strecke bergauf geht. Durch das wellenartige Waldgelände wechseln sich Bergauf- und Bergabstrecken ständig ab und dies erfordert eine felexible „Schaltung“ der Laufgänge. Die Kondition soll schließlich bis zum letzten, also 26. Kilometer, ausreichen.

Starttemperatur
Starttemperatur
Nach der Hälfte der Strecke geht’s auf freies Feld. Schön flach, aber das hat nicht nur Vorteile. Zwar scheint die Sonne, jedoch bläst ein eisiger Wind, der mich in Gedanken dem Brocken schon sehr nahe kommen lässt. Obwohl der schneebedeckte und darunter vereiste Boden schwer zu laufen ist, bewähren sich meine Trailschuhe, die sich einigermaßen gut durch das weiße Zeug fräsen. Es geht dann auf meiner sonst üblichen „Hausstrecke“ an der Lahn entlang. Weit hinter Gießen wende ich und laufe zurück auf der anderen Flußseite in Richtung Heimat. In der Höhe von Gießen stoppe ich bei Kilometer 21,2 die erste Laufuhr. Erst zuhause stelle ich fest, dass ich mit einer Zeit von 2:04:34 über 4 Minuten schneller war als am letzten Januarwochenende auf gleicher Distanz.

Aber für die Brocken-Challenge liegen noch fast fünf Kilometer vor mir. Diese lege ich auf dem Radweg von Gießen nach Wißmar zurück. Die vorbeifahrenden Autofahrer schauen mitleidig auf den einsamen Läufer, der sein Tempo jenseits von Gut und Böse abspult. Ich sehe ihre Gesichter zwar nicht, aber ich spüre es. Nach 26 Kilometer und 2:35:42 Stunden ist die warme Dusche nur noch einen „Katzensprung“ entfernt und die benötige ich jetzt ganz dringend. Trotz eisiger Kälte und einem Untergrund, der sehr schwer zu laufen war, hat es Spaß gemacht und nächstes Jahr bin ich sicher wieder dabei. Nur die Energieriegel werde ich mir selber herstellen, da aufgrund der Kälte die gekauften schon ein sehr stabiles Gebiss erforderten. Man lernt bei jedem Lauf also immer etwas dazu.

Start am Waldhaus im Wettenberger Forst
Starttemperatur
Steigung im Wald
Zur Abwechselung durch Laubwald
Steil bergauf
Spur im Schnee
Burg Gleiberg kurzzeitig im Visier
Auf schmalen Pfaden entlang der Lahn
Wilde Gräser trotzen dem Wind
An zugeschneiten Eisflächen vorbei
80 Kilometer zum Brocken
Motto der Brocken-Challenge

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