Am 1. Oktober: Dokufilm “Ella” über die Lügen von Polizei und Justiz in und um Gießen zu sehen

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Es war ein abschreckendes Urteil nach einer langen Untersuchungshaft: Die immer noch „unbekannte Person Nr. 1“ wurde vom Amtsgericht Alsfeld zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Das dramatische Gerichtsverfahren basierte dabei komplett auf Erfindungen. Mehrere SEK-Polizisten tischten eine frei erfundene Story zu den Abläufen bei der Räumung der Waldbesetzung gegen die A49 im Herbst 2020 auf. Sie phantasierten von Fußtritten und Kniestößen, Lebensgefahr, Todesangst und Verletzungen. Geschwärzte Atteste mit gar nicht zum Tattag passenden Daten wurden als Beweise akzeptiert, Widersprüche zwischen Aussagen am Tag selbst und den konstruierten Vorwürfen Tage oder Wochen später zu Missverständnissen umetikettiert. Es war völlig klar: Mit „Ella“, die wie unbekannte Person (UP1) genannt wird, war ein Zufallsopfer gefunden, um die ganze Bewegung zu diskreditieren und abzuschrecken. Offenbar war den Lobbyist*innen einer Weiter-so-Autogesellschaft und der autoritär-politischen Justiz ein Schlag gegen Verkehrswende-Aktive wichtig, da diese durch die Besetzung des Dannenröder Waldes deutlich gestärkt wurden. Der Alsfelder Richter Süß machte sich zum Handlanger und willigen Vollstrecker. Paradox: Er schwächte die Verteidigung von Ella durch die Ablehnung von zwei der drei vorgesehenen Verteidiger*innen mit dem absurden Argument, diese seien kritisch gegenüber dem Autobahnbau eingestellt. Er selbst gehört einer Partei an, die auf regionaler und überregionaler offen für den Autobahnbau eintritt – doch für ihn galt die erfundene Regel politischer Neutralität nicht.

Der Film „Ella“ ist eine Antwort auf die Justizskandale. Solidarische Zusammenhänge haben in akribischer Recherchearbeit einen Dokumentationsfilm erstellt, der klar belegt, was an dem verhängnisvollen 26.11.2020 im Dannenröder Wald wirklich geschah. Staatsanwaltschaft und Amtsgericht wollte die Beweise für die Lügen der Polizei nicht zur Kenntnis nehmen. Der Film wird sie zeigen. Er wird erstmals am 1. Oktober, dem Jahrestag des Polizeiangriffs auf die Waldbesetzung aufgeführt – an gleichzeitig sehr vielen Orten. Informationen für alle, die solche Vorführungen organisieren, und die Liste der Spielorte, werden auf https://ella.siehe.website und https://freethemall.blackblogs.org/unbekannt/ veröffentlicht.

Trailer des Films: https://youtu.be/qVQuCv9mbz0
Infoseite: https://ella.siehe.website

1 Kommentar

  1. Dieser doch informativer Artikel wurde am 23. Aug. eingestellt. Heute ist der 5.9. und ich bin der erste Kommentator??!!

    Hier stimmt etwas offensichtlich nicht.

    Mich beschleicht so ganz langsam das Gefühl, dass auch die Aktivitäten unter dem Stichwort “Verkehrswende” von der Staatsmacht – soweit sie nicht symbolischen Charakter haben – “fest im Griff haben”. Natürlich waren auch in den 70er Jahren die Massenbewegung gegen die Atomkraft weit gespannt. Auch damals wurden wir ständig aufgefordert uns von bestimmten Teilen zu distanzieren. Das machten aber nur ein kleiner Teil. Und heute???

    Um es lustig auszudrücken. Ein heutiger Demonstrant tut gut daran, immer und überall “mit dem Grundgesetz unter dem Arm” rumzurennen.

    Mir ist aber klar: Nur in einer Welt ohne Kapitalismus können wir die Autos abschaffen. Ich hoffe, dass immer größere Bevölkerungskreise kapieren, dass es niemals so etwas wie ein “nachhaltiges Auto” geben kann.

    Zusammen stehen – nicht spalten lassen!!! Wir können das Schweinesystem abschaffen!