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Inhaftierte der Vitos-Psychiatrie danken Demonstrant_innen! Klinikleitung antwortet wieder mit Unterdrückung

Der Brief aus der Vitosklinik als Ganzes
Der Brief aus der Vitosklinik als Ganzes
Gießen | „Wir hoffen das Ihr uns weiter unterstützt und wollten uns bei allen bedanken …, dass ihr uns nicht vergessen habt.“ So stand es in einem Brief, der anonym aus der Gießener Forensischen Psychiatrie in der Saasener Projektwerkstatt einging. Anlass war die Demonstration gegen Schickanierung, Fixierung, Medikamentierung und andere Zwangsstrukturen in den abgeschotteten Bereichen der Gießener Vitosklinik in der Licher Straße. Es war das dritte Mal, dass Aktivist_innen dort für Veränderungen protestierten.

Die Inhaftierten berichteten in ihrem Brief von repressiven Maßnahmen der Klinikleitung. Auszug aus dem Brief: „Am Dienstag den 13.05.2014 wurde uns in der Früh mitgeteilt, dass wir Ausgangssperre haben. Jetzt wissen wir warum, weil Ihr an diesem Tag wieder eine Demo bei uns gemacht haben. Stimmt das, wir haben nichts mitbekommen, leider. Es fand auch keine Arbeitstherapie am 13 statt, das war das einzige Positive, das wir nicht zur Arbeit mussten. Ausgangssperre war nicht so schön. Es haben ja die meisten keinen Ausgang, nur die die Ausgang haben wurde er gestrichen.“ Die brutalen Unterdrückungsmaßnahmen seien
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ein Zeichen, dass die Klinikleitung weder die Menschenwürde noch geltendes Recht respektierten, kritisiert der Organisator der Demonstrationen, Jörg Bergstedt aus der Projektwerkstatt, die Klinikleitung um den umstrittenen ärztlichen Leiter Dr. Müller-Isberner. „Wer Menschen ohne Rechtsgrundlage daran hindert, das Anliegen einer Versammlung nicht zur Kenntnis nehmen zu können, steht außerhalb des Grundgesetzes“, kündigt der Saasener Aktivist weitere Protest an. „Es ist nicht das erste Mal, dass wir feststellen, dass Menschen hinter den Zäunen und Mauern der Vitosklinik gequält werden – auch jenseits gesetzlicher Schranken. Doch leider gucken bislang nur wenig Menschen hin. Das muss sich ändern.“

Die Kritiker_innen der Zwangspsychiatrie haben deshalb eine weitere Demonstration angemeldet und hoffen auf wachsende Beteiligung auch und gerade aus Mittelhessen. „Es ist beschämend, dass Medien, Menschenrechts- und sogar linke Gruppen in Gießen eher abwinken“, berichtete eine Teilnehmerin der letzten Kundgebung. „Die Menschen dort sind ihren selbsternannten Betreuer_innen schutzlos ausgeliefert – und die ganze Gesellschaft guckt weg.“ Das soll sich ändern. Die nächste Demonstration findet am Samstag, den 7.6.2014 ab 17 Uhr statt. Treffpunkt ist die Einfahrt zur Vitosklinik in der Licher Straße (Gießen, nahe der Autobahnauffahrt).

Bild der Demonstration am 13.5.2014: Dennis Stephan mit einem Spruchband
Bild der Demonstration am 13.5.2014: Dennis Stephan mit einem Spruchband
Für konkrete Unterstützung Inhaftierter und alle, die mithelfen oder Meldungen aus dem Inneren der Kliniken loswerden wollen, haben die Kritiker_innen zudem eine Emailadresse eingerichtet. Sie lautet hilfe@menschenrechtsverletzungen.eu. Wer dorthin schreibt, erhält zunächst eine automatische Rückantwort. Darin steht unter anderem: "Du hast eine Email an hilfe@menschenrechtsverletzungen.eu geschickt. Deine Email wird an mehrere unabhängige Personen weitergeleitet. Eine dieser Personen trifft dann eventuell die Entscheidung mit Dir in Kontakt treten, wenn es die Kapazität ermöglicht. Zur Zeit befindet sich unser Netzwerk im Aufbau." Menschen, die am Aufbau des Aktionsnetzwerkes mitwirken wollen, sollten sich bei der Adresse melden oder am 7. Juni bei der Demonstration mitwirken.

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Bild der Demonstration am 13.5.2014: Dennis Stephan mit einem Spruchband
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Kommentare zum Beitrag

Stefan Walther
3.885
Stefan Walther aus Linden schrieb am 26.05.2014 um 22:52 Uhr
Warum evt. auch verschiedene linke Gruppen und Parteien "abwinken"?
Ich kann nur spekulieren:
- wie läuft denn umgekehrt das Engagement der Projektgruppe mit / in linken Gruppen? Wo und wie beteiligt sich die Projektgruppe da bei Aktionen, Bündnisarbeit, Demonstrationen usw.?
- inwieweit sind denn die linken Gruppen angefragt / angeschrieben worden, in die Vorbereitung solcher Demonstrationen versucht worden einzubeziehen usw.?
- ist die Aufklärungsarbeit über die "pauschalen" Aussagen hinaus ( auch hier im Beitrag ) konkretisiert und nachgewiesen worden? Zum Beispiel = wo werden / wurden bei wem, durch wen gesetzliche Schranken überschritten?
- wer sich für eine gerechte Sache stark macht ( davon gehe ich jetzt einfach mal aus, auch wenn mir das alles hier viel zu allgemein dargestellt ist ) und andere und deren fehlenden Einsatz anprangert, der darf nicht nur mit dem Finger auf diese zeigen, sondern muss sich auch selbstkritisch hinterfragen woran dies ggf. liegen könnte.
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