Gedenk-Hör-Radweg “Über die Grenze”- Fluchtgeschichten in die Schweiz 1938-1945 – Station 8a

Seit 2025 gibt es einen solchen Radweg, konzipiert und verantwortet vom Jüdischen Museum Hohenems im österreichischen Vorarlberg. Vom bayerischen Lindau i.Bodensee (Inselbahnhof) führt er bis zum Fuße der Berge der Silvretta in Partenen, weitgehend entlang der österreichisch-schweizerischen Grenze. Siehe hierzu die Routen-Karte

https://ueber-die-grenze.at/index.php

An 65 Gedenksteinen und Stelen können per QR-Code die einzelnen Fluchtgeschichten angesehen und angehört werden. Im folgenden widme ich mich (als dem Vorarlberg benachbarter Allgäuer Inuit) speziell der Gedenkstation 8a in Fussach:

Stele beim Fussacher Friedhof

https://ueber-die-grenze.at/indexprev3.php?id=102&stein=102

Erwähnung von F.Mendrala auf der Stele

Zwei polnische Zwangsarbeiter, F.Mendrala und J.Iwaniszyn, die sich bereits in Leipzig kennengelernt hatten, gelangten zielstrebig nach Kempten im Allgäu. Untergebracht im Katholischen Gesellenheim, unternahmen sie zwei Fluchtversuche in die Schweiz. Beim ersten wurden sie festgenommen und nach Kempten zurückgebracht und schnell wieder dem Arbeitsprozess zugeführt. Beim zweiten wurde jedoch F.Mendrala bei der Festnahme “auf der Flucht erschossen”, was bei den Nazis oft als Metapher für einen schlichten anlasslosen Mord benutzt wurde. In diesem Fall jedoch fand tatsächlich eine filmreife Flucht durch den Ort Fussach statt, wie sich unter dem gerade aufgeführten Link nachlesen und nachhören läßt.

Insgesamt versuchten noch weitere polnische Zwangsarbeiter aus Kempten und Umgebung die Flucht in die Schweiz, mit dem traurigen Ergebnis der Festnahme, Verurteilung durch den Volksgerichtshof und Hinrichtung im Zuchthaus München-Stadelheim:

J.Iwaniszyn, St.Czycz, P.Kalicki, P.Papuga, T.Kwiecien, C.Plusa, H.Sowa, Jan Lebek., verurteilt vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Prozessen am 20.5.1943, 21.5.1943 und (J.Lebek) am 24.4.1044. Letzterer sogar, wenn man historischen Unterlagen glauben darf, wegen “Hochverrats” und nicht nur dessen Vorbereitung.

Weitere Details findet man auch unter:

https://www.stolpersteine-kempten.de/stolpersteine

Eigentlich sollten die nachstehenden Einzelbestandteile der Stele durch Anklicken vergrößert werden können. Aber bei mir selbst funktioniert das oft nicht. Gegflls.Sorry.

Einführungstext
Gesamtbild der Stele in Fussach
Die Texte auf der Stele
Merkblatt für die Tiroler und Vorarlberger Bevölkerung zum Umgang mit Zwangsarbeitern. Bei Nichtbeachtung Androhung der Todesstrafe
die Fussacher Örtlichkeiten auf der Stele

So weit zu der Station 8a.

Mein besonderes Interesse fand auch die Station 51 zu Jura Soyfer (österreichischer Autor, Schriftsteller und Dramatiker) und Hugo Ebner (jurist).

https://ueber-die-grenze.at/indexprev3.php?id=51&stein=34

Die beiden wollten auf dem Wege einer Skitour von Österreich (damals Bestandteil des Deutschen Reichs) in die Schweiz gelangen. Eine Sardinenbüchse und die falsche Zeitung wurde den beiden zum Verhängnis. Sie wurden auf Umwegen in das KZ-Dachau verbracht. Dort schrieb Jura Soyfer das berühmte “Dachau-Lied”; die beiden wurden weiterverfrachtet in das KZ Buchenwald, wo Jura Soyfer als Leichenträger mit Typhus infiziert wurde und starb.

 

 

 

 

 

 

Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.