(Bad Nauheim) – Die Trinkkuranlage ist wohl eine der schönsten Locations der aktuellen Tour von Geiger David Garrett. Am Donnerstag waren die Plätze fast ausverkauft, obwohl klar war, dass der Aachener seine „Millennium Symphony“ ohne Orchester präsentieren würde. Für das kleine sinfonische Ensemble, das Garrett oft begleitet, wäre in der Muschel trotz Vorbühne wohl kein Platz gewesen. So bestritt Garrett die gut 90 Minuten mit seiner kompetenten vierköpfigen Band: Gitarrist Franck van der Heijden, sein Sohn Bodi (Drums), Vincent Garcia (Bass), John Haywood (Tasten). Unter den etwa 2000 Fans befinden sich beileibe nicht nur ältere Menschen, sondern auch jüngere Baujahre: Punkt 20 Uhr betritt die Band die Bühne. Natürlich gönnt sich Garrett den umjubelten Extraauftritt Sekunden später. Überhaupt lebt der Deutsche in zwei Welten. Einerseits ist Garrett, der in New York sein Handwerk gelernt hat, ein begnadeter Virtuose, und sein neues Album wird auch wieder ein klassisches sein. Den Anfang macht „Seven Nations Army“, dessen prägnantes Riff Garrett schön auf die gezupfte Geige übertragen kann. Die Drums donnern wie in „Pirates of the Caribbean“. Tatsächlich kommt „He‘s a Pirate“ dann kurz vor Schluss auch noch. Manchmal erscheint die Geige als Leadinstrument schlüssig, etwa in Ed Sheerans „The Joker & the Queen“, das Garrett versucht, nach Rachmaninow klingen zu lassen. Auch Beyoncés „Naughty Girl“, laut Garrett durch orientalische Musik inspiriert, ergibt Sinn. Besonders schön sind die „kammermusikalischen Momente“: Für „Señorita“ rücken er und Franck van der Heijden an der Nylongitarre ins Rampenlicht, bei „Despacito“ läuft es ähnlich. Insgesamt glänzen aber nur wenige Songs mit originellen Arrangements. Immerhin erinnert Rammsteins „Mein Herz brennt“ (mit einem unoriginellen Flammen-Video) mit seinen tieferen Frequenzen ein wenig an Led Zeppelins „Kashmir“.




