Warum eine Firma aus Linden jetzt an Radwegen um Personal wirbt

Mitarbeiter gesucht: Warum eine Firma aus Linden jetzt an Radwegen um Personal wirbt

Wer regelmäßig mit dem Fahrrad im Landkreis Gießen unterwegs ist, entdeckt manchmal Dinge, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Bei meiner letzten Tour war es ein kleines Schild am Wegesrand.

„Werde Radwegmonteur“, steht darauf. Dazu eine Internetadresse und eine Telefonnummer.

Zugegeben: Ich wusste zunächst auch nicht so genau, was ich mir unter einem Radwegmonteur vorstellen sollte. Vor allem aber wollte ich wissen, warum jemand seine Stellenangebote ausgerechnet direkt an einen Radweg hängt.

Also habe ich angerufen.

Am anderen Ende meldete sich Herr Werner, Inhaber der Firma JUWE aus Linden. Und hinter dem ungewöhnlichen Schild steckt eine Geschichte, die wahrscheinlich vielen mittelständischen Unternehmen inzwischen bekannt vorkommt.

Werner sucht seit Monaten Mitarbeiter.

Er habe bereits einiges versucht, erzählt er. Die klassischen Wege über Stellenanzeigen und das Jobcenter ebenso wie Werbung auf den eigenen Fahrzeugen. Der große Erfolg sei bislang ausgeblieben.

Dabei glaubt Werner nicht, dass es grundsätzlich keine Menschen gibt, die für diese Arbeit infrage kommen. Er hat vielmehr ein anderes Problem: Wie erreicht man sie?

Also versucht er es jetzt dort, wo seine Mitarbeiter später ohnehin einen großen Teil ihrer Arbeitszeit verbringen: am Radweg.

Aber was macht eigentlich ein Radwegmonteur?

Die Antwort fällt wesentlich unspektakulärer aus, als die Berufsbezeichnung zunächst vermuten lässt.

Das Unternehmen ist nach Angaben des Inhabers deutschlandweit mit der Wartung und Montage von Radwegbeschilderungen beschäftigt. Vorhandene Schilder müssen gereinigt und ausgerichtet werden. Beschädigte Schilder werden ausgetauscht, neue Beschilderungen montiert und gelegentlich müssen auch Pfosten erneuert oder neu gesetzt werden.

Ein klassischer Job für Menschen, die lieber praktisch arbeiten, als acht Stunden vor einem Bildschirm zu sitzen.

Eine bestimmte Berufsausbildung verlangt Werner nicht. Die Tätigkeit könne angelernt werden. Wichtig seien handwerkliches Geschick, ein Führerschein und die Fähigkeit, Arbeitsanweisungen zu verstehen und anschließend selbstständig abzuarbeiten.

Vor allem müsse man sich organisieren können.

Einen Haken gibt es allerdings: Radwege enden bekanntlich nicht an der Kreisgrenze von Gießen. Die Monteure sind deutschlandweit unterwegs. Reisetätigkeit gehört deshalb zum Beruf.

Dafür arbeitet man einen erheblichen Teil seiner Zeit draußen und sieht vermutlich mehr von Deutschland als in so manchem klassischen Handwerksjob.

Das kleine Schild am Radweg erzählt damit auch etwas über unseren Arbeitsmarkt.

Auf der einen Seite gibt es Menschen, die Arbeit suchen oder sich beruflich verändern möchten. Auf der anderen Seite stehen Unternehmen, die teilweise monatelang versuchen, Mitarbeiter zu finden. Und irgendwo zwischen Stellenportalen, Jobcentern, sozialen Netzwerken und klassischen Stellenanzeigen scheinen beide Seiten immer häufiger aneinander vorbeizulaufen.

Herr Werner versucht es deshalb jetzt auf seine eigene Art.

Er hängt sein Stellenangebot einfach dorthin, wo die Arbeit stattfindet.

Ob es funktioniert?

Vielleicht liest diesen Artikel ja gerade jemand, der sich dieselbe Frage gestellt hat wie ich, als ich mit dem Fahrrad vor diesem Schild stand:

Was zum Teufel ist eigentlich ein Radwegmonteur?

Jetzt wissen wir es.

Und vielleicht weiß Herr Werner demnächst auch, wo sich seine zukünftigen Mitarbeiter versteckt haben.