
Der VCD Gießen äußert scharfe Kritik an der Gestaltung des neu ausgebauten Alten Steinbacher Wegs im Bereich der Ostschule in Gießen. Auf dem rund 200 Meter langen Straßenabschnitt wurde lediglich eine einzige Ampelquerung eingerichtet.
Besonders problematisch sei die Situation an den Einmündungen der Danziger Straße und der Schlesischen Straße: „Dort fehlen jegliche Querungsmöglichkeiten“, so der VCD. „Hier gibt es nicht einmal abgesenkte Bordsteine für den Fußverkehr. Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder mit Kinderwagen sind gezwungen, die Straße diagonal zu queren und dabei im Bereich der Einmündungen zwischen ein- und abbiegenden Fahrzeugen zu warten.“ Der VCD sieht darin ein erhebliches Sicherheitsrisiko.
„Wir sind total überrascht, ja schockiert, dass unter der Verantwortung von Verkehrsdezernent Alexander Wright eine derart fußgängerfeindliche Planung umgesetzt wurde – und das trotz wiederholter Hinweise von Seiten der Verbände“, erklärt der VCD.
Besonders unverständlich sei, dass eine frühere Verbesserung wieder zurückgenommen wurde: 2021 hatte die Stadt an der Einmündung Danziger Straße nämlich eine provisorische Querung eingerichtet, um die Situation entlang der wichtigen Fußver-bindung an der Vogelsbergbahn zu verbessern. Diese Querungsmöglichkeit ist mit dem Neubau ersatzlos entfallen.
Auch der ADFC Gießen hatte frühzeitig auf die Problematik hingewiesen. Bereits beim Runden Tisch Radverkehr am 24. Januar 2024, an dem Vertreter beider Verbände teilnahmen, seien die fehlenden Querungen thematisiert worden. Nachdem diese auch in den Ausschreibungsunterlagen nicht berücksichtigt wurden, forderte der ADFC mit Schreiben vom 16. September 2024 erneut Nachbesserungen.
In seiner Stellungnahme hatte der ADFC unter anderem auch ausgeführt: „An der Danziger Straße und am Karl-Reuter-Weg sollte die Querung auch für Sehbehinderte mit taktilem P?aster ausgeführt werden, da die Verkehrsmenge abseits der Hauptverkehrszeiten so gering ist, dass Sehbehinderte sich dann problemlos auch akustisch oder per Restsehvermögen informieren können, ob ein Fahrzeug auf dem Alten Steinbacher Weg fährt. Es wäre nicht verhältnismäßig, wenn behinderten Personen stets zur Fußgängersignalanlage gehen müssten. Ebenso wäre es nicht sinnvoll, dass die Personen zu Fuß im Bereich der Gehwegüberfahrten warten, weil in der Hauptver-kehrszeit an diesen Stellen auch viele Fahrzeuge ein- und ausfahren. Daher bedarf es Gehwegbereiche zur Querung abseits der Gehwegüberfahrten.“ Eine Antwort aus der Stadtverwaltung hat es nach Informationen des VCD nie gegeben.
Zusätzlich kritisiert der VCD die derzeitige Parksituation in den Seitenstraßen: Fahr-zeuge parken an den Einmündungen bis dicht an die Gehwege und behindern die Sichtverhältnisse erheblich. Die Stadt habe bislang weder durch Haltverbote noch durch die Anlage von Grün?ächen – wie vom ADFC vorgeschlagen – ausreichend für freie Sichtdreiecke gesorgt.
Der VCD fordert die zuständige Straßenverkehrsbehörde auf, an den Einmündungen per Haltverboten für freie Sichtfelder zu sorgen. Das Tiefbauamt sollte schnellstmöglich die fehlenden, barrierefreien Querungsmöglichkeiten nachrüsten. „Auf diesem wichtigen Schulweg darf es nicht erst zu einem Unfall kommen, bevor gehandelt wird“, so der Verband abschließend.



