Main-Weser-Bahn: Was bedeutet der Ausbau des Güterverkehrs für den Personenverkehr?

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Regionalbahnen - hier im Bahnhof Langgöns - sind wichtiger Baustein des Pendelverkehrs mit dem Rhein-Main-Gebiet

Nach einem Entwurf der Deutschen Bahn InfraGo sollen 2026 zwischen Gießen und Friedberg weniger Personenzüge, aber mehr Güterzüge fahren. Grund dafür ist die Sperrung der rechten Rheinstrecke von Wiesbaden nach Koblenz wegen Bauarbeiten. Der VCD-Kreisverband Gießen diskutierte die kommenden Einschränkungen bei seinem jüngsten Aktiventreffen mit Jürgen Lerch, dem zweiten Vorsitzenden des Fahrgastverbands Pro Bahn & Bus.

Lerch brachte Informationen mit, die den weiteren Ausbau der Main-Weser-Bahn immer notwendiger erscheinen lassen: “Die Bahn plant die Generalsanierung wichtiger Strecken. 2026 ist die rechte Rheinstrecke zwischen Wiesbaden und Koblenz an der Reihe, auf der sehr viel Güterverkehr stattfindet. Wenn diese Strecke gesperrt ist, muss der Verkehr über andere Strecken umgeleitet werden.” Dazu werden die Umleitungsstrecken in hoch belasteten Abschnitten zu “temporär überlasteten Schienenwegen (TÜLS)” erklärt, wozu auch der Abschnitt Friedberg – Gießen gehört. Um mehr Kapazitäten für Güterzüge zu schaffen, schränkt man hier dann die Anzahl der Nahverkehrszüge ein. Konkret bedeutet dies nach den Informationen der DB InfraGo für die voraussichtlich fünfmonatige Dauer der Sanierung, dass die Regionalbahnen (RB) in der Hauptverkehrszeit auf einen Stundentakt und in der Nebenverkehrszeit auf einen Zweistundentakt reduziert werden. Für die kleinen Halte an der Main-Weser-Bahn, die bisher unter der Woche meist alle 30 Minuten bedient werden, reduziert sich das Angebot hierdurch um 50 bis 75%! Im Landkreis Gießen betrifft das die Bahnhöfe in Großen Linden und Langgöns, im Wetteraukreis Kirch-Göns und Ostheim. Der Fernverkehr, die schnellen RE-Züge nach Kassel und Siegen sowie der Mittelhessenexpress sollen wie bisher verkehren. VCD und Pro Bahn & Bus  begrüßen die Sanierungsplanungen der Bahn und den Ausbau des Güterschienenverkehrs: „Sie sind Voraussetzung, um mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Die Verbände sind sich auch darin einig, dass vorübergehende Einschränkungen, die durch einen Schienenersatzverkehr mit Bussen nicht adäquat ausgeglichen werden können, unvermeidbar sind. Allerdings fordern wir, dass während der Bauzeit die kleinen Stationen mindestens stündlich bedient werden.“
Nach Ansicht der Verbände zeigen die Auswirkungen der Sanierungsarbeiten aber auch, was geschieht, wenn die Main-Weser-Bahn nicht durchgehend von Gießen bis Frankfurt viergleisig ausgebaut wird. Im Zuge des Ausbauprojekts Hagen – Siegen – Gießen – Hanau wird die Deutsche Bahn in den nächsten Jahren die Strecke nämlich für lange und große Güterzüge ertüchtigen, die Planungen dazu laufen bereits. Allerdings soll es nur zusätzliche Überholgleise geben, neue Streckengleise sind nicht geplant. Ist der Ausbau erst abgeschlossen, werden mehr Güterzüge durch Mittelhessen unterwegs sein und den Nahverkehr dann dauerhaft einschränken, so die Befürchtungen von VCD und Pro Bahn & Bus. „Es ist absehbar, dass der derzeitige Bedienungsstandard im Personenverkehr insgesamt und vor allem an den kleineren Bahnhöfen wie Linden und Langgöns bei weiter steigendem Güterverkehr dauerhaft nur durch den vierspurigen Ausbau zwischen Gießen und Friedberg aufrecht erhalten werden kann,“ so Dietmar Jürgens vom Vorstand des VCD-Kreisverbandes. Die Verbände wollen die politisch Verantwortlichen in der Region nun ansprechen und ihnen die notwendigen  Hintergrundinformationen vermitteln.

VCD Gießen
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