Windflauten und die Folgen, Februar 2024

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Stromverbrauch und Stromerzeugung Gesamtübersicht für 2024t

Tabelle 1: Zusammenfassung der wichtigsten aktuellen und zukünftigen Daten bis 2030

Erläuterungen zur Tabelle

Die Tabelle zeigt, in normaler Schriftstärke, die Ergebnisse aus dem laufenden Jahr. Das vergangene Jahr wird, abgeschwächt dargestellt, überschrieben. Das erlaubt eine direkte, sichere Prognose für das Gesamtjahr, deren Genauigkeit vom saisonal geprägten Ähnlichkeitsgrad beider Jahresverläufe abhängt. Kritische Werte, wie die gesicherte Leistung, die maximale Ersatzkapazität und der spezifische CO2 – Ausstoß werden in den Folgemonaten als graue Felder hervorgehoben. Der max EK – Wert ist zeitlich nicht prognostizierbar und muss daher, um vollständige Bedarfsdeckung zu garantieren, rechtzeitig mit grundlastfähigen Kraftwerksreserve vorgehalten werden.

Stromverbrauch und Stromerzeugung für laufendes Jahr 2024 (Bild 1) und Hochrechnung für das Jahr 2030 (Bild 2)

Bild 1: Verläufe von Stromerzeugung aus Ökoenergie und Stromverbrauch bei aktuellem Ausbauzustand im Februar 2024; rechts Ausschnitt A mit größtem Reservebedarf. Datenquelle: smard [1]

Bild 2: Verläufe von Stromerzeugung aus Ökoenergie und Stromverbrauch Februar 2030, hochgerechnet aus Februar 2024 entsprechend Planungsziel des BMWK für 2030 [4]; rechts Ausschnitt A mit größtem Reservebedarf.

Stromverbrauch und Stromerzeugung im Februar 2024

Der Jahreszeit entsprechend erreicht die Sonneneinstrahlung im Mittel etwa ein Drittel der Peak-Leistung. Die Windstromerzeugung im Februar war geprägt durch einige Starkwindaufkommen im ersten Drittel des Monats. Die restlichen 2/3 des Monats zeigten dann aber wieder unterdurchschnittliche Stromerzeugung. Insgesamt wurde ein Ökostromanteil am Verbrauch von 59 % erreicht. In den Diagrammen 1 und 2 werden die Durchschnittswerte von Erzeugung und Verbrauch als strich-punktierte Mittellinien dargestellt.

Es zeigte sich wieder das gewohnte Bild: einige Erzeugungsspitzen (blau) erreichen kurzzeitig den Schwankungsbereich des Verbrauchsverlaufs (rot), was einer 100 % Bedarfsdeckung bedeutet. Damit geht jedoch der ebenfalls schon bekannte entscheidende Nachteil einher, nämlich die weit über den Bedarf hinaus schießenden Spitzen. Nicht zu vergessen, die trotzdem zahlreichen starken Einbrüche, etwa von der zweiten Woche bis zum Monatsende. Diese extremen Schwankungen belastet wieder die Frequenzstabilität und die Versorgungssicherheit. Gegenmaßnahmen mit hohem Technik- und Kostenaufwand in Milliardenhöhe sind die Netzfrequenz-Stabilisierung, sowie die Breitstellung von Ersatzleistung aus konventionellen Anlagen (Kohle, Gas, Import). Das führte im Februar 2024 zum oben angegebenen Spezifischen CO2-Ausstoß (362 Gramm CO2 je Kilowattstunde Stromerzeugung). Das ist etwas weniger als im Vormonat, aber im Vergleich zu Ländern wie Frankreich oder Schweden immer noch rund zehnmal so viel. Der maximale Ersatzbedarf, durch grünen Pfeil dargestellt, entspricht auch der größten im Februar aufgetretenen Versorgungslücke zwischen Ökostrom-Erzeugung und dem Verbrauchsdurchschnitt.

Stromverbrauch und Stromerzeugung im Februar 2030 nach dem Plan des BMWK [4] – kann der Ökostromausbau mit 80% – Anteil in 2030 die Lösung sein?

Der 80% – Anteil Anteil des Ökostroms am Verbrauch wird zwar planmäßig erreicht, aber nur als Durchschnittswert. Aufgrund der nicht aufgehobenen Volatilität nur an 12 von 29 Tagen. Die erforderliche Ersatzstrombeschaffung verursacht daher den in der Tabelle angegebenen CO2 – Ausstoß von mehr als 362 Gramm je kWh Stromerzeugung. Fazit: Die Verdopplung der Ökostromerzeugung durch Ausbau von Wind- und Solarkraftwerke kann den Treibhausgasausstoss also nicht signifikant und nachhaltig verringern!

 

Bitte beachten: bei den Diagrammen unterschiedliche Skalierung der Y-Achsen in Bild 1 und 2 (zur Verdeutlichung der Volatilität)!

Quellen:  [1] Strommarktdaten “smard” ; [2] Electricity-Maps; [3] Langfassung der Analyse beim Verfasser des Artikels erhältlich;

[4]  Deutscher Bundestag Drucksache 20/1630 Gesetzentwurf der Bundesregierung Entwurf eines Gesetzes zu Sofortmaßnahmen für einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien und weiteren Maßnahmen im Stromsektor , Seite 137, Punkt 2

 

Bodo Zierenberg
Diplomingenieur im Ruhestand, berufliches Umfeld überwiegend in der Kerntechnik. Private Interessen: kritische Beobachtung der Energiewende, Beschäftigung mit klassischer Musik.