Schnell nach oben: 14. SkyRun Messturm Frankfurt

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Hier stehe ich nun. Unten am Messeturm. Sonntagmorgen. Kurz nach 9 Uhr. Ich blicke nach oben. Was bin ich bloß für ein kleiner Wicht – neben diesem Bauwerk! 213 Höhenmeter geht’s da gleich hinauf oder 61 Stockwerke, zu bewältigen Mithilfe von genau 1.200 Stufen. Wer von den 238 gemeldeten Starts ist am schnellsten oben?

Ryoji Watanabe aus Japan, der Weltranglistenzweite im Tower-Running, eröffnet um 9:45 Uhr den Reigen der „Sprinter-Klasse“. 30 Sekunden später geht Fabio Ruga aus Italien vom TEAM SCARPA (5. Platz der Weltrangliste) auf die Piste. Ich bin als 107. an der Reihe. Rennleiter Michael Lederer, standesgemäß im Anzug und mit Fliege, zählt den Countdown und schon laufe ich auf der 140 Meter langen Aussenpassage, die mit einem roten Teppich ausgelegt ist, dem Eingang ins Treppenhaus entgegen.

Im sogenannten „Elefantenfuß“ des Messeturms sind die Stufen etwas höher gebaut, für mich ungewohnt und ich muss erst mal den richtigen Rhythmus finden. Nach sechs Etagen und einer kurzen flachen Piste sind die Stufen im eigentlichen Treppenhaus etwas flacher und ich komme damit viel besser zurecht.

Ab hier gibt es keine Fenster mehr. Wo ich bin, erkenne ich an der Nummerierung der Stockwerke durch große schwarze Ziffern. In der 15. Etage steht eine Stahltür offen. Im dahinter beginnenden Flur sitzt ein Notfallsanitäter, der sich aufmerksam die Vorbeilaufenden anschaut. Dieser Fürsorge des Veranstalters begegne ich noch des Öfteren bis nach ganz oben. Ein Viertel ist geschafft.

Als ich die Ziffer 20 an der Wand sehe, sprintet ein junger Mann an mir vorbei und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir uns hier im Treppenhaus nochmal wieder sehen werden.

Und so bin ich bald auf Etage 30. Es klappt besser als gedacht, fast „Halbzeit“ – jedoch ohne Pause – und mein innerer Akku scheint noch genügend Energie für den „Rest“ des Aufstieges zu haben. Kräfte einteilen ist bei jeder Ausdauersportart wichtig. Diese Regel scheint der junge Mann von Stockwerk 20 nicht allzu gut zu kennen, denn als ich Etage 38 durchlaufe, höre ich von etwas weiter oben ein starkes Schnaufen. Auf Etage 39 kann ich seine Rückfront schon sehen und auf Etage 40 ziehe ich in meinem stoischen, eigenen Tempo an ihm vorbei. Und es kommt noch besser: Als die 50 an der Wand erscheint, ziehe ich an einem weiteren jüngeren Mitbewerber vorbei, der sogar vor mir gestartet ist. Auch er scheint seine Kräfte nicht optimal eingeteilt zu haben.

Die letzten 11 Stockwerke nehme ich außergewöhnlich zügig, gleich eines Endspurts bei einem Halbmarathon – wenn er gut läuft.

Nach 14:42,9 Minuten werde ich ganz oben vom Zielmessgerät erfasst und schon bekomme ich die begehrte Finisher-Medaille überreicht. Später, nach dem Rennen, erfahre ich dann, dass ich in meiner Altersklasse (M60) den 13. Platz von 15 Startern belegt, jedoch weitere 41 Sprinter jüngerer Altersklassen hinter mir gelassen habe. Dies ist für mich ein Zeichen, dass es mir noch an Erfahrung fehlt, es die „Alten“ aber noch gut draufhaben um so manch Jüngere im Regen stehen lassen zu können.

Hier oben befinden sich einige der Technikräume des Messeturms. In einem gibt es große Glasfenster, durch die man einen sagenhaften Weitblick über einen Teil Frankfurts hat. Hier komme ich mit einem netten Menschen vom ausrichtenden Verein, ARQUE, ins Gespräch der im Laufe der Unterhaltung von mir vor dieser gigantischen Kulisse ein Foto schießt.

Er verrät mir, dass die sportlichen Höchstleistungen, die beim SkyRun erbracht werden, nicht nur dem reinen Wettkampf, sondern auch einem wohltätigen Zweck dienen. Der Veranstalterverein ARQUE, dessen Vorsitzender Michael Lederer gleichzeitig auch Streckenchef des SkyRun ist, unterstützt seit weit über 40 Jahren querschnittsgelähmte Kinder. Auch diesmal wird der Erlös des Treppenlaufes genutzt, um körperlich beeinträchtigte Jungen und Mädchen zu helfen.

Nach der interessanten Unterhaltung lässt mich mein Gesprächspartner noch nicht gehen, er besteht darauf, ein Foto im Zielbereich von mir zu schießen, auf dem ich von den beiden Cheerleaderinnen eingerahmt werde. Die beiden begrüßen mit fetziger Musik und ihren bunten Pompons alle, die es bis hier oben schaffen. Hatte ich nach meinen knapp 15 Minuten gar nicht wahrgenommen. Ich fühle mich geehrt, da nicht jeder ein solches Andenken mit nach Hause nehmen kann…

Runter geht es dann ganz profan mit dem Aufzug, da das zweite Treppenhaus in diesem Trakt für Notfälle frei bleiben muss.

Unten vor dem Messeturm ist die Party schon in vollem Gange. Der Veranstalter hat ein kleines Festzelt aufgebaut und auf dem Monitor läuft bereits die Ergebnisliste, die mit jedem Finish aufs Neue aktualisiert wird. Die Podestplätze stehen bereits fest, denn die bekannten Größen hat man zuerst starten lassen. Alles andere ist noch im Fluss. Dennoch erfolgt die Siegerehrung erst, nachdem der zuletzt gestartete Sprinter ins Ziel und auch wieder am Fuße des Messeturms angekommen ist.

Hier die Podestplätze:

Frauen

  1. Verena Schmitz (GER) (Towerrunning Germany)            9:16,9
  2. Yuko Tateishi (Japan) (landmarks)                                   9:32,9
  3. Monica Carl (GER) (Towerrunning Germany)                10:04,5

Männer

  1. Dr. Christian Riedl (GER) (Towerruning Germany)          7:20,1
  2. Fabio Ruga (Italien) (TEAM SCARPA)                             7:22,3
  3. Ryoji Watanabe (Japan) (YOKOMORI)                           7:31,6

Erwähnenswert ist unbedingt, dass der älteste Teilnehmer, Erhard Bader vom LC RON-HILL Berlin (M90) !!! nach bewundernswerten 25:17,9 Minuten ins Ziel gekommen ist. Auch er hat in diesem hohen Alter die 61 Etagen sportlich erklommen.

Nach der kurzen Mittagspause sind die Feuerwehrleute in eigenen Klassen am Start. So müssen die Sprinter der „Elite-Klasse“ mit 15 Kilogramm Gepäck auf dem Rücken und unter Benutzung der Atemmasken die gleiche Strecke wie vormittags die Sprinter zurücklegen. Hier hatten Denise Bunzel von der Feuerwehr Leipzig Team JenZig mit 17:30,5 Sekunden bei den Frauen und Tobias Weinaus von der Feuerwehr Frankfurt am Main Team I mit 11:56,1 Minuten bei den Männern die Nase vorne. Welch enorme Leistungen.

 

 

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