SWG müssen Strompreise anheben

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Weil sich die Bezugskonditionen an der Strombörse deutlich verschlechtert haben, bleibt den Stadtwerken Gießen keine andere Wahl, als ihre Strompreise anzuheben.

Ab dem 1. Januar 2023 gelten bei den Stadtwerken Gießen (SWG) neue Preise für die Grundversorgung mit Strom. Der Arbeitspreis steigt um 18,18 Cent auf dann 46,67 Cent pro Kilowattstunde. Für einen durchschnittlichen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 2.200 Kilowattstunden bedeutet dies Mehrkosten in Höhe von rund 33 Euro monatlich – ein Anstieg um fast 53 Prozent. „Diese immense Preiserhöhung ist eine Folge der wirklich dramatischen Entwicklung auf dem Energiemarkt“, erklärt Jens Schmidt, Kaufmännischer Vorstand der SWG. An der Leipziger Energiebörse EEX stiegen die Kosten für Strom bis in den Herbst auf zuletzt mehr als das Siebenfache der Werte von 2020 – im Vergleich zum Beginn dieses Jahres haben sich die Kurse verdreifacht.

Was passiert auf dem Strommarkt?
Inzwischen schlägt der ebenfalls schon länger hohe Gaspreis spürbar auf den Strompreis durch. Grund dafür ist das Merit-Order-Prinzip, was sich vereinfacht mit „Reihenfolge der Vorteilhaftigkeit“ übersetzen lässt. Es sorgt dafür, dass Kraftwerke hierzulande nach einer bestimmten Systematik eingesetzt werden: Günstiger produzierende Anlagen haben den Vorzug vor teureren. Dieses Vorgehen erwies sich über viele Jahre als sinnvoll und praktikabel. Doch wenn eine zentrale Art der Produktion preislich aus dem Ruder läuft – wie in den vergangenen Monaten die so wichtig Erzeugung in Gaskraftwerken –, stößt das Verfahren an seine Grenzen. Denn zur Merit Order gehört auch, dass die teuerste Megawattstunde den Preis für jede Megawattstunde bestimmt.

Ein weiterer Grund für die aktuell steigenden Strompreise liegt in der üblichen Beschaffungsstrategie der Grundversorger, also auch der Stadtwerke Gießen. „Wir decken uns in vielen kleinen Teilmengen und bis zu drei Jahre im Voraus mit Strom ein“, erklärt Andreas Fuchs, Leiter Vertrieb bei den SWG. Das bedeutet: Zu im Grunde festgelegten, regelmäßigen Terminen kaufen die SWG ähnliche Strommengen und erreichen so einen langfristigen Durchschnittskosteneffekt. „Natürlich haben wir hierbei die Börse immer im Blick“, gibt Andreas Fuchs zu bedenken. „Aber sowohl der mengenmäßige als auch der zeitliche Spielraum für den Kauf einzelner Teilmengen sind überschaubar.“ Mit dieser bewährten Methode reduzieren die SWG das Risiko massiver Kursschwankungen für ihre Kundinnen und Kunden. „Der Höhenflug an der Börse begann schon vor mehr als einem Jahr. Im Vergleich zu dem, was sich in den letzten Monaten an der EEX abgespielt hat, sind unsere Preise nicht annähernd so stark gestiegen“, führt Jens Schmidt aus.

Leider nimmt der Nutzen dieser bislang durchaus erfolgreichen Strategie stetig ab, wenn die Börsenkurse dauerhaft klettern oder über einen längeren Zeitraum hoch bleiben. In solchen Situationen folgen immer auch die Preise der SWG mit dem entsprechenden zeitlichen Verzug. Genau das passiert gerade. Davon betroffen ist nicht nur die Grundversorgung, sondern die gesamte aktuelle Produktpalette. Tatsächlich werden die verschiedenen Tarife – darunter auch die für Stromheizungen und Wärmepumpen – zwischen 53 und 115 Prozent teurer. Dass speziell Strom für die Nachtspeicherheizung künftig mehr als doppelt so viel kostet wie bisher, hat einen einfachen Grund: Hier haben die SWG die Preise zuletzt 2020 angepasst. Damals war Strom an der Börse für ein Fünftel dessen zu haben, was aktuell zu zahlen ist.

Im Vergleich immer noch gut
„So dramatisch sich die Lage darstellt – im Vergleich liegen die SWG bisweilen deutlich unter dem Wettbewerb“, rechnet Andreas Fuchs vor. Ein Blick in die einschlägigen Vergleichsportale unterstreicht diese Aussage: In Gießen bietet derzeit niemand günstiger an als die SWG. Nicht wenige Wettbewerber – darunter große Stadtwerke – haben die 60-Cent-Marke für eine Kilowattstunde Strom bereits überschritten. „Wir wissen, dass dieser Vergleich niemandem hilft, wenn immer höhere Energiekosten die Haushaltskasse überfordern“, ergänzt Ulli Boos, SWG-Unternehmenssprecher, und gibt einen Rat: „Wer Zahlungsschwierigkeiten absehen kann, sollte sich direkt mit uns in Verbindung setzten, damit wir gemeinsam nach einer Lösung suchen können. Die Zahlungen einfach einzustellen, ist keine gute Idee. Dann müssen wir ein Mahnverfahren in Gang setzen, was zusätzliche Kosten und überflüssigen Ärger verursacht.“

Um hohe Nachzahlungen zu vermeiden, passen die SWG die Abschläge automatisch an. Kundinnen und Kunden werden darüber in separaten Schreiben informiert.

Preise für Gas und Wärme blieben konstant
Die SWG halten ihre Preise für Erdgas und Fernwärme konstant. Dazu kommt die Aussicht, dass die Politik schon bald entscheidet, wie genau die Gaspreisbremse sowie der Strompreisdeckel umzusetzen sind und in welchem Umfang die beiden Maßnahmen Energiekundinnen und -kunden entlasten. Selbstverständlich setzen die SWG alles daran, beide Vorgaben so schnell wie möglich in die Tat umzusetzen, wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen feststehen.

Ein Blick in die Glaskugel
Derzeit entspannt sich die Situation auf dem Energiemarkt ein wenig. „Daraus aber schon jetzt eine Trendwende abzuleiten, halte ich für viel zu früh“, bringt es Jens Schmidt auf den Punkt. Fakt ist: Unabhängig von der nicht absehbaren Entwicklung des Kriegs in der Ukraine bleibt eine weitere mindestens genauso wichtige Variable: das Wetter. Einen milden Winter sollte Deutschland mit dem bereits eingespeicherten Gas und dem, das über neue Kanäle importiert wird, überstehen. Wenn es aber für längere Zeit richtig kalt wird, dürften die Gaspreise – und damit wegen des Merit-Order-Prinzips auch die Strompreise – wieder massiv anziehen.

Die SWG indes tun alles in ihrer Macht Stehende, um ihren Kundinnen und Kunden bestmögliche Konditionen zu bieten. „Gleich wohin die Reise geht – wir beobachten die Entwicklung des Energiemarkts natürlich genau und geben jeden Vorteil weiter, den wir realisieren können“, verspricht Jens Schmidt.

Sparen, sparen, sparen
Vor diesem Hintergrund bleibt Energiesparen das oberste Gebot. „Ich gehe inzwischen davon aus, dass wir alle ein Stück weit auf den liebgewonnenen Komfort verzichten müssen“, führt Jens Schmidt weiter aus. Wie weit, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Denn oft lässt sich der Verbrauch auch ohne Komforteinbußen deutlich reduzieren – etwa durch ein achtsames Verhalten. „Die Expertinnen und Experten aus unserer Energieberatung haben jede Menge Tricks und Kniffe parat, mit denen sich dieses Sparpotenzial erschließen lässt“, verrät Ulli Boos. Entsprechende Termine für kostenlose Beratungsgespräche sind unter www.energiessen.de/online-terminvergabe buchbar. Selbstverständlich haben die SWG auch zahlreiche praxistaugliche Tipps auf ihrer Website zusammengetragen.

Wer sich wegen möglicher Zahlungsschwierigkeiten mit den SWG in Verbindung setzen möchte, wendet sich bitte an die 0800 23 02 100, kostenlos aus allen deutschen Netzen. Selbstverständlich reagieren die SWG auch auf eine E-Mail an info@stadtwerke-giessen.de.