Gelesen im Oktober 2022

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Nachdem ich einiges über Hamburg und noch mehr über Berlin in den 1920er Jahren gelesen hatte, wollte ich auch München während dieser Zeit kennenlernen. Die bis jetzt 4-bändige Reihe von Angelika Felenda um ihren Protagonisten „Kommissär“ Sebastian Reitmeyer bot spannenden und informativen Stoff in flüssig zu lesendem Schreibstil. Reitmeyer und seine Team müssen viele Widrigkeiten überwinden, um ihre Fälle erfolgreich abschließen zu können. Immer wieder bekommen die Ermittler Gegenwind von „oben“.

Teil 1 „Der eiserne Sommer“ spielt kurz vor dem 1. Weltkrieg im Frühjahr 1914. Ein Toter liegt am Ufer der Isar. Die Spuren führen in ein Lokal, wo Offiziere homosexuellen Vergnügungen nachgehen und in die adlige Familie von Sebastians Freundin Caroline. Doch Reitmeyer darf nicht gegen das Militär ermitteln. Schon gar nicht in dieser aufgeheizten Hurra-Stimmung vor Ausbruch des Krieges.

Im 2. Teil „Wintergewitter“ anno 1920 sind wir mitten drin im „Babylon München“. Zwielichtige Kneipen und Bars, jede Menge Lichtspielhäuser, in denen zahlreiche Stummfilmproduktionen die Menschen von der verwirrenden Politik und drohender Inflation ablenken. Zwei junge Frauen werden ermordet. Schauspielerinnen oder Prostituierte? Es gibt Verbindungen zum Handelsministerium, doch rechte Kreise unterstützt von der politischen Polizei bremsen Reitmeyer aus.

Teil 3 „Herbststurm“ führt den Kommissär in die Kreise russischer Exilmonarchisten, die sich nach der russischen Revolution im restlichen Europa tummeln und von einer Rückkehr des Zarenreichs träumen.

Und schließlich Teil 4 „Aufmarsch“ (erschienen 2021). Wir sind nun im Sommer 1923. Die Inflation steuert ihrem Höhepunkt entgegen. Es herrschen Armut und Wohnungsnot. Rechte und Linke gehen aufeinander los. Und Hitler kann vorerst noch ausgebremst werden. Doch wir wissen, wie die Geschichte weiterging.

Eine atmosphärisch dichte historische Reihe, die uns Lesern die aufregenden 1920er Jahre in starken Bildern vor Augen führt.