Wanderurlaub im Schnalstal – Den Schafen entgegen

39
Die Schafe kommen

Die NABU Gruppen Holzheim und Nonnenroth zieht es immer wieder nach Südtirol.
Im 11ten Jahr ging es für eine Woche in das wunderschöne Schnalstal. Ein Seitental der Etsch im Vinschgau welches nicht weit von Meran entfernt liegt. Das Schnalstal, gerade mal 20 Kilometer lang, punktet durch seine prachtvollen Gletscher und die sattgrünen Wald- und Wiesenregionen. Zwischen Weinbergen am Taleingang und der idyllischen Hochgebirgslandschaft der Ötztaler Alpen spannt sich ein breites Netz mit markierten Wanderwegen. Ausgangspunkt für die Wandertouren war das Dorf Unser Frau, unweit des Vernagt-Stausees. Hier am See öffnet sich das Schnalstal mit seiner malerischen Kulisse. Wanderführer Martin Becker erstellte den Tourenplan mit leichten Wanderungen wie zu 700 Jahren alten Bauernhöfen oder eine Etappe entlang des Meraner Höhenweges. Gipfeltouren führten auf die umliegenden 3000er wie Grawand 3212 m und Hochjoch 2861 m.
Das Highlight der Wanderwoche war der Schafabtrieb im Schnalstal. Die Schafe und Ziegen verbringen den Sommer auf den hochalpinen Weiden im hinteren Ötztal (A). Im Herbst kehren die ca. 4.000 Tiere wieder zurück zu ihren Besitzern. Von der Rofenberg Alm im Venter Tal (A) über das Hochjoch nach Kurzras. Die Schafe machen sich mit ihren Hirten frühmorgens auf den Weg um mittags auf der Schutzhütte Schöne Aussicht eine Rast einzulegen. Einige Mitglieder der Gruppe wanderten den Schafen entgegen und begleiteten die 2.000 Schafe mit vielen Einheimischen und Schaulustigen abwärts bis nach Kurzras. Transhumanz nennt man diese rund 44 Kilometer langen Wanderweg, dabei überwinden die Schafe und Ziegen bis zu 3.500 Höhenmeter. Laut diversen Aufzeichnungen überqueren die Schafe den Niederjochferner bereits seit über 6.000 Jahren und sind somit noch vor Ötzi übers „Joch“ gegangen. Die alte Form der Wanderweidewirtschaft ist eine alte, aber noch lebendige Tradition, deshalb wurde sie 2011 von der UNESCO zum Weltkulturerbe geadelt.
Wer einmal diesem archaischen Schauspiel beigewohnt hat, so Reiner Holler, der wird es nie vergessen. Nahe der Sammelstelle fand ein zünftiges Hirtenfest mit traditioneller Musik und lokalen Spezialitäten statt.