Im September 2022 gelesen: 2 x Frankreich und 1 x Portugal

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Geheimnisvolle Garrigue“ von Cay Rademacher. – Capitaine Roger Blanc, der in die Provence versetzte Pariser Korruptionsermittler, muss einem Vermisstenfall nachgehen. Ein junges Mädchen ist verschwunden. Nur ein linker Schuh wurde in unmittelbarer Nähe des verfallenen Schifffahrtstunnel du Rove gefunden. Die Sache erinnert fatal an ein mehr als 20 Jahre zurück liegendes Geschehen. Damals verschwanden 4 junge Frauen und nur ihre linken Schuhe wurden gefunden. Als ein weiteres Mädchen nach einem Strandspaziergang nicht mehr gesehen wird – wieder gibt es nur einen zurückgelassenen Schuh – ist Blanc im Zugzwang. Und das alles während der ersten Monte im Jahr 2020 als die Pandemie begann und die Welt ausbremste. Geschlossene Geschäfte, Betriebe und Restaurants, Ausgangssperren, Chaos in Kliniken, keine verfügbaren Masken geschweige denn Impfstoff. Fast haben wir es schon vergessen, zumindest verdrängt. Blanc und seine Kollegen müssen das Beste aus der Situation machen und den Täter von damals oder einen eventuellen Nachahmer schnellstens ergreifen bevor noch mehr geschieht. Auch der 9. Provence-Krimi von Rademacher konnte mich fesseln und überzeugen.

Bretonische Nächte“ von Jean-Luc Bannalec (Jörg Bong). – Im 11. Teil der Krimireihe um den kaffeesüchtigen Kommissar Georges Dupin führt uns der Autor in den Nordwesten der Bretagne an die Bucht von Aber Wrac’h im Finistère. Dort verstarb die 90jährige Tante von Inspektor Kadeg, der bei einem Kondolenzbesuch auf ihrem Grundstück, der ehemaligen Abbaye des Anges (gibt es wirklich), niedergeschlagen und schwer verletzt wird. Nachdem später auch der Gärtner stirbt, gibt es Zweifel am natürlichen Tod der alten Dame. Dupin und die örtlichen Kollegen ermitteln unterstützt von der unentbehrlichen Assistentin Nolwenn.

Na ja, wie gewohnt eine Art Reiseführer zu einer wildromantischen Gegend. Die Motive für die Verbrechen sind ziemlich konstruiert. Wir Leser wissen zwar jetzt was „Kig Ha Farz“ ist, ein traditioneller bretonischer Eintopf, trinken in Gedanken Lambig und Cidre und erfahren viel über ausgestorbene, pinguinartige Vögel. Dass aber die Kultivierung und Nachzüchtung einer alten Apfelsorte eine vor dem Ruin stehende Firma retten kann, ist wohl eher Fantasy denn Realität. Braucht es doch Jahre, bis die Äpfel genutzt werden können. Trotzdem werden Bretagne-Freunde das Buch lieben.

Lost in Fuseta – Einsame Entscheidung“ von Gil Ribeiro (Holger Karsten Schmidt). – In einem Ferienhaus an der Küste der Sandalgarve wird ein Mann tot aufgefunden. Seine Begleiterin ist verschwunden. Eventuell eine Beziehungstat? Leander Lost, Polizeibeamter aus Hamburg mit Asperger-Syndrom ist anderer Meinung und schon bald mit der Mordverdächtigen auf der Flucht. Doch die junge Frau hat niemanden umgebracht. Sie ist eine Whistleblowerin, die verbrecherische Machenschaften eines Düngemittelherstellers aufdecken will. Was einigen Leuten gar nicht gefällt und das um jeden Preis, auch den von Menschenleben, verhindert werden soll.

Nach einem etwas holprigen Einstieg war ich schon bald mitten drin im zunehmend spannender werdenden Geschehen und habe mit Leander, dem Polizisten, der nicht lügen kann, und seinem Schützling mitgefiebert. Die Beschreibung der Gegend ist gelungen, in keiner Weise langatmig und auch der Humor kommt nicht zu kurz. Der 11. Teil ist erneut ein echter Pageturner. Die Serie weist noch keinerlei Verschleißerscheinungen auf im Gegensatz zu manch anderer Krimireihe.