Lesehalbzeit Juli 2022

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Das Erbe“ von Ellen Sandberg (d.i. Inge Löhnig).- Mona Lang erbt von einer entfernten Tante ein Haus in München. Die alte Dame hoffte, dass Mona „das Richtige“ mit dem durch alte Geschichten aus der Nazizeit belasteten Erbe tun wird. Ob es am Ende für einige geldgierige Mitmenschen das Richtige war, bleibt offen. Spannend und flott zu lesen.

Goldenes Gift“ von Tom Hillenbrand. – Teil 7 um den Luxemburger Koch und Hobbydetektiv Xavier Kieffer und Freundin Valérie Gabin. Werde ich nach der Lektüre noch Honig essen? Ja, doch, aber ich schaue etwas genauer hin, woher das Glas mit dem süßen Inhalt stammt. Wobei: sicher sein kann man nie, ob damit alles OK ist.

Meine 2 Highlights waren „Novembersturm“ und „Tränenpalast“, die Berlin-Friedrichstraßen-Dilogie von Ulrike Schweikert. – Die Freunde Johannes, Robert, Ilse und Louise, Kinder wohlsituierter Familien sowie Ella aus dem Hinterhaus, alle geboren Ende des 19. Jahrhunderts, wachsen zusammen auf. „Novembersturm“ erzählt aus ihrem Leben von 1920 (Weimarer Republik) bis 1933 (Beginn des 1000jährigen Reiches, das gerade mal 12 Jahre währte). Die Goldenen Zwanziger, in denen nicht alles golden war – Freizügigkeit, Lebenslust, Musik, Tanz, aber auch Hunger, Armut, Inflation und sich ständig steigernde Judenfeindlichkeit, da diese ja an allem Elend schuld waren. Viel Geschichte, viele historische Personen, sehr gut recherchiert und geschrieben.

Teil 2 „Tränenpalast“, deutsch-deutsche Geschichte von 1945 bis 1989, beeindruckte und fesselte mich noch mehr, zumal ich über das ganz normale Alltagsleben in der DDR noch nicht allzu viel wusste. Über die Parolen, die Kindern eingebläut wurden, wie z.B. „Wir Jungpioniere lieben unsere Deutsche Demokratische Republik“, „Wir tun Gutes und helfen den Sozialismus zum Wohle aller zu stärken“ und „Wir wollen der Kinder gedenken, die nicht so glücklich sind, in einem sozialistischen Land leben zu dürfen“ könnte man lachen, wenn einem dieses Lachen nicht im Halse stecken bliebe.

In beiden Romanen erschüttert es, zu lesen, was Regierende und deren Handlanger Mitmenschen antaten, die nicht systemkonform waren. Zwei sehr gute, empfehlenswerte Bücher.