Machen statt Meckern

Beim Zukunftstag lernten die Schülerinnen und Schüler der Herderschule für ihr Leben nach der Schule.

„Machen statt Meckern“

Steuern und Sparen für Start ins Berufsleben auf dem Zukunftstag an der Herderschule

Statt Deutsch, Mathematik und Musik standen für den Jahrgang 13 der Herderschule nach den Herbstferien ganz andere Themen auf dem Stundenplan. 120 Schülerinnen und Schüler nahmen auf dem Zukunftstag an vier unterschiedlichen Workshops teil, die auf den Start ins Berufsleben vorbereiten sollen. Dabei handelt es sich um ein Projekt der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung (IWJB) unter der Schirmherrschaft von dem hessischen Kultusminister Armin Schwarz und Bildungspolitikern aus anderen Bundesländern.

„Die Veranstaltung hatte ich 2020 bereits ein Jahr nach der Gründung des Zukunftstages, die 2019 durch Lorenzo Wienecke und Juri Galkin stattfand, das erste Mal zu uns an die Schule geholt“, berichtet Andreas Loos. „Der Tag wird bei uns jetzt zum sechsten Mal durchgeführt.“ Loos, Lehrer für Englisch sowie Sport, ist an der Herderschule auch Verantwortlicher für die Berufs- und Studienorientierung (BSO). Ihm ist es wichtig, „dass die baldigen Abiturienten praktisches Alltagswissen für ihren Start ins Leben nach der Schule mitnehmen und idealerweise die erworbenen Grundlagen anwenden und einsetzen können.“ Statt darüber zu lamentieren, dass Schulbildung zu theorielastig sei, will man mit dem Zukunftstag praxisorientiert dagegenhalten und zeigen, dass es auch anders geht. Eben Machen statt Meckern!

 

Sponsoring durch die Loh-Gruppe

In 70-minütigen Workshops informierten ehrenamtliche Dozenten über Finanzen, Steuern, Wohnen und Berufsfindung. Dazu Anja Willuweit, eine der Ehrenamtlichen, die das Projekt an der Herderschule begleitete: „Was muss beispielsweise beachtet werden, wenn man in eine eigene Wohnung zieht? Die wenigsten Schülerinnen und Schüler wissen vermutlich, dass man bei einer Wohnungsübernahme ein Übergabeprotokoll anfertigen soll. Außerdem ist später eine Haftpflichtversicherung wichtig.“ Bei der Berufsfindung gehe es darum, sich über die eigenen Stärken und Schwächen klarzuwerden. Auch die Frage, was einen guten Lebenslauf ausmache, werde behandelt. Die Herderschule erhielt für diesen Workshop eine großzügige Spende der Loh-Gruppe.

 

„Haarscharf vorbei an kostspieligem Fehler“

Ralph Seibel, Oberstufenleiter der Herderschule, gibt offen zu: „Es kommt selten vor, dass ich neidisch auf meine Schülerinnen und Schüler bin.“ Er sei froh, zu einer Zeit Abitur gemacht zu haben, als es zum Beispiel noch keine Smartphones gegeben habe, mit denen man bei Abiturfeiern Bilder oder gar Videos hätte machen können. „Der Zukunftstag ist eine Ausnahme, denn so eine Veranstaltung hätte ich mir damals gewünscht. Versicherungen, Steuererklärungen usw., die ganzen Angelegenheiten, mit denen man als Erwachsener so viel Zeit verbringt, immer in der Angst einen folgenreichen Fehler zu begehen, all dies kam in meiner Schulzeit schlicht und einfach nicht vor. Und unter anderem deshalb bin ich nur haarscharf an einem sehr kostspieligen Fehler vorbeigeschlittert.“

 

„Verantwortung in der Zukunft übernehmen“

Hannes, ein teilnehmender Schüler, erklärte, dass er besonders in den Bereichen Steuern und Finanzen noch Wissenslücken gehabt habe. „Nach dem Workshop ist mir klar geworden, dass ich in meiner Zukunft viel Verantwortung übernehmen muss und man frühzeitig anfangen sollte, sich Gedanken über seine eigene Zukunft zu machen. Es wurde insgesamt deutlich, dass es sich später lohnt, wenn man früh anfängt, an die Zukunft zu denken, ganz unabhängig in welchem Bereich, ob Finanzen oder Steuern.“

Sein Mitschüler Mathieu war hingegen beim Thema „Wohnen“ am wenigsten informiert. „Ich hatte zum Beispiel vorher gar keine Ahnung, wie man überhaupt in Kontakt mit Vermietern kommt. Aber auch über Mietverträge und was dabei zu beachten ist, habe ich viel erfahren. Vermieter scheinen manchmal Dinge zu verlangen, die nicht legal sind und es ist gut zu wissen, welche Rechte man hat. Es kann einem zum Beispiel gar nicht verboten werden, ein Instrument zu spielen“, erläutert Mathieu.

 

„Gute Vorbereitung auf die Zukunft“

Am meisten Wissen brachten die beiden Schüler über den „Berufsstart“ mit. „Wir sind an dieser Schule natürlich sehr privilegiert und hatten schon sehr viele Möglichkeiten zur Berufsfindung“, so Mathieu.

Das Gesamtresümee der Schüler fällt positiv aus. Hannes fand den Zukunftstag „ziemlich gut“. Mathieu ergänzt: „Ich fühle mich durch die vielen Aktionen an unserer Schule auf die Zukunft wirklich gut vorbereitet, so ungewiss diese auch sein mag.“ Dankbar zeigt er sich für die Organisation der vielen Projekte der BSO an der Herderschule: „Oft wird dem Schulsystem vorgeworfen, insgesamt zu wenig auf das reale Leben vorzubereiten, was grundsätzlich stimmt. Solche Aktionen wirken dem Ganzen aber entgegen.“