#StolenMemory: Ausstellung über persönliche Gegenstände von KZ-Häftlingen in Lich

Gemeinsam mit Arolsen Archives, dem Forum für Völkerverständigung und der Stadt Lich eröffnet AdiNet Mittelhessen am 31. Oktober in Lich die Open-Air Wanderausstellung #StolenMemory. Im Mittelpunkt stehen der letzte Besitz von KZ-Inhaftierten und die Frage, wie es heute noch gelingt, diese sogenannten Effekten an Familien der Opfer zurückzugeben.

Zu sehen ist die Ausstellung in einem aufklappbaren Übersee-Container in Lich auf dem Kirchenplatz neben dem Bürgerbüro.

„Effekten“ sind persönliche Gegenstände, die Häftlingen bei ihrer Ankunft in den Konzentrationslagern von den Nationalsozialisten abgenommen wurden. Oft waren es Eheringe, Uhren, Füller oder Brieftaschen mit Fotos. #StolenMemory ist eine Kampagne der Arolsen Archives zur Rückgabe dieser persönlichen Gegenstände an die Angehörigen. Über 1.000 Familien konnten seit dem Start der Kampagne 2016 bereits gefunden werden. Die Ausstellung zeigt Bilder solcher „Effekten“ und erzählt vom Schicksal von zehn NS-Verfolgten.

 

Das Ziel der Ausstellung: Aufmerksamkeit und Unterstützung

Unter der Überschrift „Gefunden“ lenkt die Ausstellung den Blick auf persönliche Gegen­stände, die bereits zurückgegeben werden konnten. Sie berichtet vom Verfolgungsweg der einstigen Besitzer*innen und den Rückgaben an ihre Familien heute. Mit dem Smartphone können die Besucher*innen über QR-Codes Videoportraits aufrufen, in denen die Angehörigen selbst zu Wort kommen.

Unter der Überschrift „Gesucht“ werden „Effekten“ gezeigt, die noch auf ihre Rückgabe warten. Eine wichtige Botschaft ist deshalb auch: Jede*r kann die Arolsen Archives bei der Rückgabe der Effekten unterstützen und sich selbst auf Spurensuche nach den Ver­folgten und deren Familien begeben. Denn noch immer bewahrt das Archiv gestohlene Erinnerungsstücke von rund 2.000 Personen aus ganz Europa auf.

Der emotionale Wert der Effekten

„Viele NS-Opfer hinterließen ihren Familien keine persönlichen Gegenstände, weil die Nazis ihnen alles nahmen“, so Charlotte Meiwes, Projektleiterin für #StolenMemory bei den Arolsen Archives. Dass die Effekten erhalten geblieben sind, sei für die Angehörigen deswegen überraschend: „Einige von ihnen erfahren neue Informationen über diesen Lebensabschnitt ihrer verfolgten Familienmitglieder“. Deshalb sei es so wichtig, die Familien zu finden und ihnen die Gegenstände zu übergeben.

Ausstellung findet ihre Fortsetzung in Lich

„Dem Antidiskriminierungsnetzwerk für Mittelhessen (AdiNet) und dem Forum für Völkerverständigung Lich liegt viel daran, die Erinnerung an die Verbrechen und Diskriminierungen des Nationalsozialismus nicht verblassen zu lassen. Gerade in der heutigen Zeit scheint es besonders dringlich zu sein, aufzuzeigen, wohin Ausgrenzung, Andersbehandlung, Entmenschlichung und Deportationsfantasien führen können. Die Möglichkeit der aktiven Mitarbeit an der Rückgabe persönlicher Gegenstände an Familienangehörige berührt uns sehr und wir möchten das Wissen hierüber in unserer Region verankern. Dass die Stadt Lich mit uns gemeinsam dieses Projekt im Rahmen der 9. November-Reihe durchführt freut uns besonders. Wir laden alle Menschen aus Lich, dem Landkreis Gießen und der Region herzlich dazu ein, diese Möglichkeit zu Nutzen. Für Schulklassen gibt es zusätzlich pädagogisches Begleitmaterial und wir wünschen uns, dass sich auch Schulen aus der Umgebung auf den Weg nach Lich machen“, so Markéta Roska und Teresa Gimbel vom Projekt AdiNet Mittelhessen und Maria Madert, Vorsitzende beim Forum für Völkerverständigung. Die Ausstellung ist Teil des Programms zur 9. November-Reihe in Lich.

Eröffnung mit musikalischer Umrahmung

Die Eröffnung der Ausstellung findet am Samstag, 31. Oktober um 16 Uhr im Foyer des Bürgerbüros der Stadt Lich (Kirchenplatz 12) statt. Lilith Roska, Social-Media-Redakteurin bei Arolsen Archives, wird in die Ausstellung und das interaktive Projekt einführen. Musikalisch umrahmt wird die Eröffnung durch Peter Ehm (Klarinette) und Helmut Fischer (Akkordeon).

Ausstellung und Website

Seit August 2020 reist die #StolenMemory-Ausstellung mit mittlerweile vier Containern durch Deutschland und aktuell auch durch Polen und Frankreich. Ermöglicht wurde das Projekt durch eine Förderung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Finanziert werden die Arolsen Archives und auch die Wanderausstellungen in Deutschland durch das Auswärtige Amt.

Begleitend zur Ausstellung bietet die Website stolenmemory.org interessante Einblicke: Kurze, animierte Filme mit ergänzenden Webstories erzählen von individuellen Schick­salen. Diese Materialien wurden speziell für Jugendliche entwickelt und im Juni 2021 mit dem Grimme Online Award in der Kategorie „Wissen und Bildung“ ausgezeichnet.  Auf der Website steht zudem umfangreiches pädagogisches Material zum kostenlosen Download zur Verfügung, das von Schulen und Bildungseinrichtungen auf allen Stationen der Wanderausstellung genutzt werden kann.

Wo: Kirchenplatz Lich

Wann: 30.10. – 24.11.2026

Öffnungszeiten: täglich 10 – 18 Uhr

Link zur Website #StolenMemory: https://stolenmemory.org/

Über die Arolsen Archives

Die Arolsen Archives sind das internationale Zentrum über NS-Verfolgung mit dem weltweit umfassendsten Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung mit Hinweisen zu rund 17,5 Millionen Menschen gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Sie beinhaltet Dokumente zu den verschiedenen Opfergruppen des NS-Regimes und ist eine wichtige Wissensquelle für die heutige Gesellschaft.

Facebook: https://www.facebook.com/ArolsenArchives/

Instagram: https://www.instagram.com/arolsenarchives/

TikTok: https://www.tiktok.com/@arolsenarchives

Threads: https://www.threads.net/@arolsenarchives

Bluesky: https://bsky.app/profile/arolsenarchives.bsky.social

YouTube: https://www.youtube.com/@geschichteistjetzt

LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/arolsen-archives

 

Über das Projekt AdiNet Mittelhessen

Das AdiNet Mittelhessen ist ein Vernetzungsprojekt gegen Diskriminierung in der Region Mittelhessen. Unsere Ziele sind Akzeptanz, Respekt und ein diskriminierungsfreies Miteinander, die aus der Mitte der Gesellschaft gelebt werden. Träger des Projekts ist der Landkreis Gießen, gefördert wird es durch die Antidiskriminierungsstelle des Landes Hessen.

Antidiskriminierung Mittelhessen
Dies ist die gemeinsame Plattform von Antidiskriminierung Mittelhessen e.V. (www.antidiskriminierung-mittelhessen.de) und AdiNet Mittelhessen (www.adinet-mittelhessen.de).