Ein halbes Jahrhundert voller Herzblut: Gertrud Hanis feiert 50 jähriges Dienstjubiläum

Gertrud Hanis feiert 50. jähriges Jubiläum

Nach 50 Jahren im St. Josefs Krankenhaus verabschiedet sich Gertrud Hanis in den Ruhestand – und blickt auf ein Berufsleben voller Verantwortung, Veränderungen und besonderer Begegnungen zurück

50 Jahre ein und demselben Krankenhaus treu zu bleiben, ist heute eine Seltenheit. Für Gertrud Hanis ist es eine Lebensgeschichte.
Am 1. Oktober 1976 begann sie ihre Ausbildung im St. Josefs Krankenhaus. Genau 50 Jahre später, am 1. Oktober 2026, endet ihr Berufsleben hier – nach fünf Jahrzehnten voller Verantwortung, Engagement und vor allem: Herzblut.

„Ich bin eine leidenschaftliche
chirurgische Krankenschwester“,

sagt Gertrud Hanis. Und wer ihr zuhört, merkt schnell: Dieser Satz beschreibt weit mehr als einen Beruf. Er beschreibt eine Haltung.

Eine Berufung, die schon als Kind begann

Ihre Entscheidung für die Pflege fiel bereits im Kindesalter. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr lebte Gertrud Hanis in Amerika. Dort lernte sie eine Ordensschwester kennen, die sich mit außergewöhnlicher Herzlichkeit um kranke Menschen kümmerte. Diese Begegnung prägte sie nachhaltig.

„Sie hatte so eine unglaublich herzliche Art. Das hat mich einfach geflasht.“ sagt Gertrud Hanis.

Seit ihrem zehnten Lebensjahr wollte sie Krankenschwester werden. Ihre Begeisterung ging so weit, dass sie schon als Kind die Wundversorgung an ihren Puppen übte. Für Gertrud Hanis war Pflege nie einfach nur ein Beruf, sondern Berufung.“

Als sie am 1. Oktober 1976 ihre Ausbildung im St. Josefs Krankenhaus begann, war von dieser späteren Selbstverständlichkeit allerdings noch nicht viel zu spüren. Der erste Tag war von gemischten Gefühlen geprägt. Mit gerade einmal 17 Jahren war sie weg von ihrem Elternhaus und wohnte allein in einem Schwesterschülerinnenzimmer.

„Ich fühlte mich sehr beklommen und hatte Zweifel, ob es das Richtige für mich ist.“ so Hanis. Einerseits bedeutete der neue Lebensabschnitt Freiheit, andererseits fehlte ihr ihre Familie. Doch die Zweifel verschwanden schnell. Das familiäre Miteinander im St. Josefs Krankenhaus gab ihr Sicherheit und Geborgenheit. 1979 bestand Gertrud Hanis ihr Examen – und blieb.

„Hauptsache, der Patient ist satt, schmerzfrei und trocken“

In fünf Jahrzehnten hat sie erlebt, wie sehr sich die Pflege verändert hat. Die Liegezeiten wurden kürzer, die medizinischen Möglichkeiten  größer und die Anforderungen an Dokumentation und Organisation umfangreicher.

Früher blieb deutlich mehr Zeit für den persönlichen Kontakt. Man saß am Krankenbett, sprach mit den Patienten und konnte Beziehungen aufbauen. Dokumentiert wurde im Übergabebuch und auf einem Fieberkurvenblatt. Heute nimmt die Dokumentation einen erheblichen Teil der Arbeitszeit ein.

Gerade in schwierigen Situationen hat Gertrud Hanis dabei nie vergessen, worum es im Kern geht. Bei absoluten Personalengpässen gab es für sie eine klare Priorität:

„Hauptsache, der Patient ist satt,
schmerzfrei und trocken“

Ein Satz, der viel über ihr Verständnis von Pflege sagt: Auch wenn der Alltag schwierig wird, muss die grundlegende Versorgung des  Menschen gewährleistet sein.

Gleichzeitig hat sie erlebt, wie sich die Pflege von zahlreichen Tätigkeiten entlastet hat, die früher selbstverständlich dazugehörten. Betten und Instrumente wurden aufbereitet, Inventar gereinigt und das Essen noch direkt am Wagen ausgegeben.

Von der chirurgischen Ambulanz zur modernen ZNA

Besonders eng verbunden ist Gertrud Hanis mit der Zentralen Notaufnahme. 2014 war sie zusammen mit Petra Pompalla an der Entwicklung der ZNA aus der damaligen chirurgischen Ambulanz beteiligt. Mehr als zehn Jahre später begleitete sie erneut einen großen Entwicklungsschritt: die Entstehung der neuen Zentralen Notaufnahme, die 2025 eröffnet wurde.

„Von Anfang bis Ende dabei zu sein, war für mich etwas ganz Besonderes.“ Auch die Idee und Entwicklung des iPAZ, das zunächst lediglich  aus einem einzelnen Zimmer bestand, gehört zu ihrer Geschichte. Bereits 2003 übernahm sie das Bettenmanagement. Hinzu kamen weitere verantwortungsvolle Aufgaben und Leitungsfunktionen – unter anderem auf einer Station, die aus der Zusammenlegung der HNO-, Allgemeinchirurgie- und Kinderstation entstand.

Zuletzt war Gertrud Hanis als Bereichsleitung für Zentrale Notaufnahme, Station 1A, iPAZ, Belegungsmanagement und Belegungskoordination tätig.

„Eigene persönliche Probleme müssen immer vor dem Patientenzimmer bleiben!“

Bei aller fachlichen Erfahrung war für Gertrud Hanis eines immer entscheidend: Die Menschen, die ihr anvertraut waren, sollten spüren, dass sie im Mittelpunkt stehen. Gerade wenn Mitarbeitende selbst unter Druck stehen oder mit ihrer eigenen Situation unzufrieden sind, hatte sie deshalb einen klaren Grundsatz:

„Eigene persönliche Probleme müssen immer vor
dem Patientenzimmer bleiben!“

Eine Haltung, die sie selbst über Jahrzehnte gelebt und auch an nachfolgende Generationen weitergegeben hat.

Besondere Momente – beruflich und ganz persönlich

Dass ein Krankenhaus für Gertrud Hanis weit mehr als ein Arbeitsplatz war, zeigt sich auch an ihren persönlichen Erinnerungen. Einer der bewegendsten Momente war die Geburt ihres Sohnes im Jahr 1981 – genau hier im St. Josefs Krankenhaus.

Auch ihr bestandenes Examen 1979 und die Einweihung der neuen ZNA zählen zu den Ereignissen, die ihr besonders in Erinnerung geblieben sind.

Was sie über fünf Jahrzehnte immer wieder motiviert hat? Vor allem die Menschen.

„Die gute Zusammenarbeit mit meinen lieben Kolleginnen und Kollegen sowie den Schnittstellen im Haus. Das war mir immer wichtig.“ Dazu kamen die Freude am Beruf und die vielen Herausforderungen, an denen sie wachsen konnte.

„Wir werden sie sehr vermissen“

„Gertrud Hanis steht für fünf Jahrzehnte gelebte Verbundenheit mit unserem Haus“, sagt Geschäftsführer Andreas Leipert. „Sie hat die Entwicklung des St. Josefs Krankenhauses nicht nur miterlebt, sondern an vielen Stellen aktiv mitgestaltet. Ihr Engagement, ihre Erfahrung und ihre Verlässlichkeit haben unser Haus geprägt. Dafür danken wir ihr von Herzen und wünschen ihr für den neuen Lebensabschnitt alles Gute, Gesundheit und Gottes Segen.“

Dr. med. Stefan Steidl, der die bisherige organisatorische ärztliche Leitung der Zentralen Notaufnahme über viele Jahre hinweg sehr erfolgreich ausgeübt hat, würdigt die langjährige Zusammenarbeit: „Gertrud Hanis hat die Entwicklung der Zentralen Notaufnahme über viele Jahre hinweg mit großer Erfahrung, hoher Verlässlichkeit und viel persönlichem Engagement begleitet. Sie hat Veränderungen
nicht nur miterlebt, sondern aktiv mitgestaltet und dabei immer den Blick für die Menschen bewahrt. Für die ZNA und unser gesamtes Haus war sie eine wichtige Stütze.“

Seit April 2026 ist Dr. Dennis Humburg Sektionsleiter der Zentralen Notaufnahme und hat Gertrud Hanis in dieser Funktion noch einige Monate erlebt: „Ich habe Gertrud Hanis als äußerst erfahrene und engagierte Kollegin kennengelernt, die die Abläufe in der ZNA wie kaum jemand kennt. Von diesem Erfahrungsschatz profitieren wir noch heute. Ihre Verlässlichkeit und ihre menschliche Art werden uns fehlen.“

Ein neuer Lebensabschnitt

Was wird Gertrud Hanis am meisten vermissen? Die Antwort fällt ihr leicht: ihre Kolleginnen und Kollegen, das gute Miteinander im Haus und natürlich die Möglichkeit, Patienten zu helfen.

Doch auf ihren Ruhestand freut sie sich ebenso. Schon jetzt engagiert sie sich ehrenamtlich im Tierschutz und hat die Organisation Hundeleben retten e.V. – Wir haben ein Herz für Hunde ins Leben gerufen, in der sie im Vorstand aktiv ist. Sie möchte mehr Zeit mit ihren Enkeln verbringen, reisen und Spanisch lernen.

Langweilig wird es ihr ganz sicher nicht.

Und auf eine kleine Veränderung freut sie sich besonders: „Ich muss mir dieses Jahr, wenn es schneit, keine Gedanken mehr machen, ob und wie ich rechtzeitig zur Arbeit komme.“

Zum 1. November 2026 übernimmt die langjährige, ihr zur Seite stehende Vertretung, Petra Pompalla ihre Position.

Nach 50 Jahren endet damit für Gertrud Hanis ein außergewöhnliches Berufsleben im St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung. Was bleibt, sind Erinnerungen, Erfahrungen und viele Menschen, deren beruflicher Weg mit ihrem verbunden ist.

Und vor allem bleibt eine Haltung, die sie über fünf Jahrzehnte begleitet hat: Pflege mit Herzblut.

Gertrud Hanis | Wie alles begann
Gertrud Hanis mit ihren Schützlingen Hundeleben retten e. V.
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