Wenn das Krankenhaus zur fremden Umgebung wird

Menschen mit Demenz brauchen im Krankenhaus besondere Aufmerksamkeit – wie das St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung damit umgeht

Ein Krankenhausaufenthalt ist für viele Menschen eine belastende Situation: ungewohnte Abläufe, Untersuchungen, Schmerzen, wenig Schlaf und eine fremde Umgebung können verunsichern. Für Menschen mit einer Demenzerkrankung können diese Belastungen noch größer sein. Die ungewohnte Umgebung, wechselnde Bezugspersonen, diagnostische und therapeutische Maßnahmen sowie Veränderungen im Tagesablauf können zu Unsicherheit, Angst, Unruhe oder Orientierungsschwierigkeiten führen.

Dr. Stefan Steidl, Chefarzt der Geriatrie und der Alterstraumatologie sowie stellvertretender Ärztlicher Direktor am St. Josefs Krankenhaus Balserische Stiftung, kennt die besonderen Herausforderungen aus dem klinischen Alltag.

Den Menschen und nicht nur die Erkrankung sehen
Im Krankenhaus treffen medizinische und pflegerische Anforderungen auf die individuellen Bedürfnisse eines Menschen. Gerade bei Patienten mit Demenz ist es deshalb wichtig, nicht nur die akute Erkrankung zu behandeln, sondern die persönliche Situation, Gewohnheiten und vorhandenen Fähigkeiten im Blick zu behalten.

In der Geriatrie des St. Josefs Krankenhauses Balserische Stiftung werden Patienten mit Demenz während ihres stationären Aufenthalts entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen besonders berücksichtigt. Bereits bei der Aufnahme werden kognitive Einschränkungen und eine bestehende Demenzerkrankung möglichst frühzeitig durch eine Psychologin oder einen Psychologen erfasst und bewertet. Relevante Informationen werden innerhalb des Behandlungsteams weitergegeben, um eine
kontinuierliche und bedarfsgerechte Versorgung sicherzustellen.

Ziel ist es, vorhandene Ressourcen und die Selbstständigkeit der Patienten möglichst zu erhalten, Sicherheit und Orientierung zu fördern und Überforderung zu vermeiden.

Orientierung und Sicherheit im Krankenhaus
Im Behandlungsalltag wird auf eine wertschätzende, ruhige und verständliche Kommunikation sowie auf eine möglichst konstante Tagesstruktur geachtet. Orientierungshilfen wie gut sichtbare Beschilderungen, Uhren und Kalender unterstützen dabei die zeitliche und räumliche Orientierung. Bei Bedarf kommen besondere Maßnahmen zur Sturz- und Delirprävention sowie zur Vermeidung von Überforderung und Unruhe zum Einsatz. Dabei wird die jeweilige Situation des Patienten individuell betrachtet.

Essen und Trinken nicht aus dem Blick verlieren
Ein besonderer Fokus liegt auf einer ausreichenden Ernährung und Flüssigkeitsaufnahme. Für Menschen mit Demenz können vertraute Abläufe und individuelle Gewohnheiten gerade bei den Mahlzeiten eine wichtige Rolle spielen. Essenssituationen werden bei Bedarf begleitet und an die Fähigkeiten und Gewohnheiten des Patienten angepasst. Veränderungen des Ernährungs- und Trinkverhaltens werden beobachtet und entsprechend dokumentiert.

Angehörige als wichtige Partner
Angehörige beziehungsweise vertraute Bezugspersonen können dazu beitragen, den Krankenhausaufenthalt für Menschen mit Demenz möglichst gut zu gestalten. Sofern dies vom Patienten gewünscht ist, werden sie in die Versorgung einbezogen. Ihre Kenntnisse über individuelle Gewohnheiten, Bedürfnisse, Ressourcen und biografische Besonderheiten können für das Behandlungsteam wertvolle Hinweise liefern.

Die Mitarbeitenden werden für den besonderen Unterstützungsbedarf von Menschen mit Demenz sensibilisiert und entsprechend geschult.

Zwischen besonderen Bedürfnissen und den Anforderungen des Klinikalltags
Die Versorgung von Menschen mit Demenz stellt Krankenhäuser vor besondere Herausforderungen. Medizinische Untersuchungen und Therapien müssen ebenso gewährleistet werden wie eine möglichst individuelle und demenzsensible Betreuung. Gleichzeitig stehen Krankenhäuser angesichts begrenzter personeller Ressourcen vor der Aufgabe, diese besonderen Bedürfnisse in bestehende Arbeitsabläufe zu integrieren.

Eine gute Zusammenarbeit innerhalb des Behandlungsteams, die frühzeitige Einschätzung der individuellen Situation und die Einbindung vertrauter Bezugspersonen sind deshalb wichtige Bestandteile der Versorgung.

Ziel ist es, Menschen mit Demenz während des gesamten stationären Aufenthalts eine sichere, respektvolle und möglichst vertraute Umgebung zu bieten, ihre Selbstständigkeit zu erhalten und eine individuell ausgerichtete Versorgung zu gewährleisten.

Welt-Alzheimertag lenkt den Blick auf Demenz
Der Welt-Alzheimertag am 21. September macht jährlich auf die Situation von Menschen mit Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen aufmerksam. Gerade im Krankenhaus braucht diese Patientengruppe besondere Aufmerksamkeit und eine Versorgung, die ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigt.

Eine demenzsensible Versorgung bedeutet vor allem, den Menschen hinter der Erkrankung nicht aus dem Blick zu verlieren. Medizinische Behandlung und Pflege können dazu beitragen, dass sich Menschen trotz einer ungewohnten Situation möglichst sicher und gut aufgehoben fühlen.