
15 Jahre Heinrich-Albertz-Haus: AWO und Lebenshilfe feiern gemeinsames Jubiläum in Kleinlinden
Gießen-Kleinlinden. Kinder, ältere Menschen und Menschen mit Beeinträchtigung unter einem Dach – was vor 15 Jahren als besonderes Konzept gestartet ist, gehört im Heinrich-Albertz-Haus längst zum Alltag. Am Samstag feierten die AWO Region Gießen und die Lebenshilfe Gießen gemeinsam mit zahlreichen Gästen das 15-jährige Bestehen der Einrichtung im Heerweg.
Im Heinrich-Albertz-Haus sind die Krabbelgruppe Sonnenkinder und das Seniorentageszentrum der AWO sowie die Tagesförderstätte Kleinlinden der Lebenshilfe Gießen beheimatet. Dort erhalten erwachsene Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen sowie Menschen mit intellektuellen und körperlichen Beeinträchtigungen eine verlässliche Tagesstruktur mit kreativen, handwerklichen, motorischen und kognitiven Angeboten.


Ein Haus, drei Bereiche – und viele Begegnungen
„Aus einem Gebäude ist ein Haus voller Freude, Teilhabe und Gemeinschaft geworden“, sagte Jennifer Froß, Leiterin der Krabbelgruppe Sonnenkinder, zur Begrüßung. Seit der Inbetriebnahme im Jahr 2011 sei vieles gewachsen. Das Haus sei heute ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen, miteinander lachen und eine gute Zeit verbringen.
Auch Nina Pfaff, Leiterin des Seniorentageszentrums, und Henning Fuhr, pädagogische Leitung der Tagesförderstätten der Lebenshilfe Gießen, stehen für die drei unterschiedlichen Bereiche, die im Heinrich-Albertz-Haus unter einem Dach zusammenkommen. Fuhr unterstrich, dass sich das besondere Konzept nicht auf gemeinsame Feste beschränke: Im Alltag begegne man sich regelmäßig, das Gelände sei offen und vieles im Miteinander längst selbstverständlich geworden.
Zum Jubiläum hatten die drei Bereiche ein umfangreiches Programm vorbereitet. Neben einem Ausstellermarkt mit handgefertigten Produkten gab es Kinderschminken, weitere Mitmachangebote, Waffeln, Kaffee und Kuchen sowie Würstchen und Brötchen. Die Feuerwehr Kleinlinden war ebenfalls vertreten, die AWO präsentierte sich mit einer Fotowand. Für Unterhaltung sorgte zudem Jochen Rudolph, der mit einem humorvollen Mundartbeitrag für viele Lacher im Publikum sorgte.


„Gelebte Inklusion“ als gesellschaftlicher Auftrag
AWO-Geschäftsführer Nils Neidhart erinnerte in seiner Ansprache auch an den Namensgeber Heinrich Albertz (1915–1993). Der frühere Regierende Bürgermeister von West-Berlin war von 1949 bis 1965 Bundesvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt und setzte sich insbesondere dafür ein, Menschen gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen, die Unterstützung benötigen. Das heutige Heinrich-Albertz-Haus, so Neidhart, stehe mit seinem Dreiklang aus Kinderbetreuung, Seniorenarbeit und Angeboten für Menschen mit Beeinträchtigung ganz in diesem Sinne.
Zugleich verband er das Jubiläum mit einem gesellschaftspolitischen Appell. Gerade in einer Zeit, in der Inklusion teilweise wieder infrage gestellt werde, seien Orte wichtig, an denen Teilhabe ganz praktisch gelebt werde. Das Heinrich-Albertz-Haus sei hierfür ein Beispiel – nicht nur innerhalb seiner Einrichtungen, sondern auch durch seine Offenheit in den Stadtteil hinein.
Auch die Landtagsabgeordnete Michelle Kraft (CDU) würdigte diesen Gedanken. Politik könne Rahmenbedingungen schaffen, erklärte sie. Ein willkommenes Umfeld und gelebte gesellschaftliche Teilhabe entstünden jedoch vor allem durch die Menschen vor Ort. Das Heinrich-Albertz-Haus sei dafür ein „Paradebeispiel“.
Für die Lebenshilfe Gießen nahmen unter anderem die Aufsichtsratsvorsitzende Maren Müller-Erichsen und Aufsichtsratsmitglied Holger Reuschling an der Feier teil. Beide betonten unisono: „Das Heinrich-Albertz-Haus zeigt sehr anschaulich, wie Inklusion, Begegnung und Gemeinschaft im Alltag gelingen können.“ Vonseiten der AWO nahm zudem Gaby Nickel aus dem Präsidium der AWO Region Gießen an der Jubiläumsfeier teil.
Zahlreiche lokale Vereine und Institutionen unterstützten die Jubiläumsfeier
Getragen wurde das Fest auch von zahlreichen Unterstützenden aus Kleinlinden und der Region. Gedankt wurde unter anderem dem REWE-Markt der Familie Lemp, der SPD, dem TSV Kleinlinden, der Vereinsgemeinschaft Kleinlinden sowie den vielen Mitarbeitenden, die organisiert, aufgebaut und vorbereitet hatten.
Am Ende stand damit weniger ein klassisches Jubiläum im Mittelpunkt als das, was das Heinrich-Albertz-Haus seit 15 Jahren ausmacht: Menschen unterschiedlichen Alters und mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen begegnen sich hier nicht nur zu besonderen Anlässen, sondern ganz selbstverständlich im Alltag. Genau dieses Miteinander wurde am Samstag gemeinsam gefeiert. Weitere Informationen unter www.awo-giessen.org sowie www.lebenshilfe-giessen.de.











