Oliver Fahrenbach, Bernd Wißner, Matthias Fischer und Peter Hess trennen die Schlacke vom Erz
Matthias Fischer, Bernd Wißner und Oliver Fahrenbach beim Öffnen des Ofens
Matthias Fischer beim Aufbau des Ofens

 

Erzweg-Projektgruppe produzierte mit zwei Rennöfen Schmiedeeisen

Nach dem durch einen Weickartshainer Verein im vergangenen Jahr verhinderten Versuch mit einem Rennofen aus Eisenerz schmiedefähiges Eisen zu gewinnen, fand das Vorhaben nunmehr in Nieder-Ohmen seine Durchführung. Auf dem Privatgelände von Bernd Wißner wurden dafür gleich zwei Rennöfen gebaut. Angefeuert wurden die etwa 1,20 Meter aus größtenteils aus Lardenbach stammenden Lehm bestehenden Naturöfen mit Holzkohle. Die frühere herkömmliche Eisenschmelzung erfolgte oft auch in den Wäldern, wo heute stellenweise noch Reste von Schlacke zu finden sind. Das von der auch für die drei Erzwanderwege verantwortliche Projektgruppe nicht nur als ein Experiment gesehenes Eisenschmelzen sollte in fachlicher Begleitung des erfahrenen Rennofenbauers Matthias Fischer zugleich auch die Geschichte dieses Erzgewinnungsverfahrens aufzeigen. Zur Vorbereitung wurde von den Mitgliedern der Projektgruppe im Laufe der Jahre eine Anzahl an eisenhaltigen Steinen auf den Feldern und Gruben von einstigen Abbaugebieten gesammelt. Als eine der ersten Verarbeitung standen das Waschen und das Rösten an. Das Rösten bewirkt neben dem Bröseln noch die Trennung von restlicher Erde und weiteren Materialen. Durch den Einsatz einer Steinmühle wurde das zerbröselte Eisenerz nochmals verkleinert und damit für die Verhüttung im Ofen zubereitet. Auf einem später beim Schmelzen die Schlacke aufnehmenden Erdloch wurden dann mit handgeformten Lehmrieben die beiden konisch gebauten Öfen bis zur festgelegten Höhe hochgezogen. Zur Belüftung steckte im unteren Bereich eine Düse, durch die im Gegensatz zu den anfänglichen Zeiten statt mit einem Blasebalg diesmal durch ein elektrisches  Belüftungsgerät der notwendige Sauerstoff für den Brennvorgang zugeführt wurde. Die Befüllung der beiden Öfen fand schichtweise mit Holzkohle und jeweils einem Kilogramm zerkleinerter Erzmasse statt. Nach dem etwa sechs Stunden andauernden Schmelzvorgang lagen vor der Öffnung der zwei Öfen jeweils 35 Kilogramm Schmelzeisen darin. Mit Interesse verfolgten die Zuschauer das Schicht für Schicht durchgeführte Abtragen des Lehms und das Öffnen des Ofens. Das in der Glut vorhandene Erz wurde anschließend durch kräftige Hammerschläge von der anhaftenden Schlacke und der restlichen Holzkohle getrennt. Das übrig gebliebene reine Eisenerz brachte Schmied Bernd Wißner in eine flache schmiedegerechte Form. Entstehen werden nach einer Weiterbearbeitung originale handgemachte Messer aus heimischen Material. Bei der zweitägigen Veranstaltung auf dem Freigelände konnten sich die teilweise auch tatkräftig am Bau der Rennöfen beteiligten Besucher bei der von Karl-Heinz Hartmann erstellten Präsentation über die Geschichte des Eisenerzabbaus in der heimischen Region und über die Arbeit der Projektgruppe informieren. Informationstafel zu der Erzgewinnung, mit dem Abbau, der Erzwäsche, dem Transport und der Verhüttung gaben einen ausführlichen Einblick in die einzelnen Arbeitsgänge. Interesse fanden die von dem verstorbenen Gruppenmitglied Werner Wißner gefertigten Modelle. Nach Abschluss der nicht alltäglichen Aktion freuten sich neben dem eigens aus Nordrhein-Westfalen angereisten unterstützenden Rennofenbauer Matthias Fischer und Grundstückbesitzer Bernd Wißner auch die beteiligten Erzweggruppen-Mitglieder Karl-Heinz Hartmann, Peter Hess, Norbert Theis, Wolfgang Orth, Oliver Fahrenbach, Karl-Ernst Lind, Sabine Bolland-Hess und Wilfried Schmidt über die im letzten Jahr untersagte Erfüllung und den Erfolg eines langgehegten Traumes.