Spatenstich mit Protestbannern – Wütende Anwohner*innen stören Ministerbesuch

Protestbanner auf einem Erdhügel nahe der Stelle, an dem die Reden gehalten wurden

Von mehreren Seiten kommend haben Anwohner*innen und Verkehrswende-Aktivist*innen heute morgen die bereits aktive Baustelle zum Brückenbauwerk Nr. 3 der B49-Südumgehung Reiskirchen umzingelt und störten den dortigen Spatenstich, an dem Vertreter*innen von Bundes-, Landes- und lokaler Politik teilnahmen. Während die Straßenbaulobby unter massivem Polizeischutz ihre typischen Reden von Verkehrsentlastung per Straßenbau und demokratischen Werten geordneter Verfahren hielten, setzten die Protestierenden ein klares Zeichen setzen, dass dieser Bau unerwünscht ist, wertvolle Naturgebiete zerstört und den einzig verbliebenen, attraktiven Ortsrand von Reiskirchen verschandelt. „Überall hat Reiskirchen mit Bauprojekten, Gewerbe und Straßen die Lebensqualität für die dort lebenden Menschen mit Lärm und Beton ruiniert – jetzt soll uns auch der letzte Fleck genommen werden“, schimpften beteiligte Anwohner*innen. Andere verwiesen auf die hohen Kosten und die geringe Entlastungswirkung. Gäste aus Grünberg äußerten die Angst vor mehr Verkehr auf ihren Durchgangsstraßen.

Protestbanner auf einem Erdhügel nahe der Stelle, an dem die Reden gehalten wurden
Protestbanner am Eingang der Baustelle, mit dem das fehlende Artenschutzgutachten bemängelt und Wirtschaftsminister Mansoori direkt angesprochen

Ein Anwohner trug die folgende Rede vor:
Liebe Anwesende, liebe Gäste,
heute ist kein guter Tag für Reiskirchen, denn hier wird der obligatorische Spatenstich vorgenommen, der durch Betrug ins Leben gerufen wurde.
Hessen Mobil und auch die Gemeinde Reiskirchen haben den Planungsprozess mit bewusst mit falschen Zahlen geführt und diese auch in Kassel vor dem Verwaltungsgerichtshof benutzt, um den Bau der Umgehungsstraße zu verteidigen. Nur dadurch haben sie gewonnen. Ein erbärmlicher Erfolg!
Man muss hier schon eine gute Portion kriminelle Energie haben, um so zum Ziel zu kommen. Man schreckt sogar vor Lügen vor der Justiz nicht zurück, Hauptsache man hat Erfolg!
Die Kosten belaufen sich inzwischen von damals 14 Mio. auf inzwischen mindestens 38 Mio., die man sinnvoll an anderen Stellen einsetzen könnte.
Auch die Planfeststellungsbehörde wusste zum Zeitpunkt des Planfeststellungsbeschlusses, dass hier mit falschen Zahlen von Hessen Mobil vorgegangen wird. In den Beschlussunterlagen wird offen beschrieben, dass die richtigen, selbstermittelten Zahlen nicht verwendet werden sollen.
Ein Journalist hat am 27.03.26 in einem großen Bericht im Anzeiger die Schweinerei der gefälschten Zahlen aufgedeckt und publiziert. Dafür wurde er beschimpft und bedroht.
Die betrügerische Vorgehensweise wurde von einer ehemaligen Richterin aus Gießen und jetzt in Kassel unterstützt, indem ein Baustopp abgelehnt und der Streitwert durch Nichtanerkennung einer Klagemeinschaft auf 405.000 € hochgesetzt wurde. Das geschah ersichtlich, um die Gegner der Straße abzuschrecken.
Hier wird bewusst das letzte schöne Stück Natur von Reiskirchen für Mensch und Tier mit einer überflüssigen und unnötigen Umgehungsstraße zerstört. 
Herr Bürgermeister und Gäste,
gehören Sie auch zu den Menschen, denen man nicht mehr vertrauen kann?
Menschen die Dinge durchsetzen, die auf Lug und Trug basieren, nur damit sie genehmigt werden?
Wo bleibt hier die Gerechtigkeit?
Sie alle wissen, dass diese Straße niemals genehmigt worden wäre, wenn hier ordnungsgemäß und ehrlich vorgegangen worden wäre.
Deshalb möchten wir Sie, liebe Gäste und Herr Bürgermeister, bitten, diesen Beschluss noch einmal zu überdenken bzw. zu überprüfen und an Ihr Gewissen appellieren, denn:
Recht muss Recht bleiben!
Oder heißt es bei Ihnen: Recht haben und Recht bekommen ist ein Unterschied?