
Gießen. Fünf Jahre ist es her, dass die Wohnstätte der Lebenshilfe Gießen in der Rödgener Straße ihre Türen öffnete – von Team und Bewohnern liebevoll „Rödi 68″ genannt. Das Jubiläum wurde nun am letzten Juni-Freitag mit einem großen Sommerfest gefeiert. Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen kamen Bewohner, Angehörige, Mitarbeitende, ehemalige Kollegen und Weggefährten der ersten Stunde zusammen, um auf ein halbes Jahrzehnt gemeinsamer Geschichte anzustoßen.
Die 2021 bezogene Wohnstätte bietet in drei Gruppen 15 Menschen ein Zuhause, vornehmlich mit einer Autismus-Spektrum-Diagnose. Seit Anfang Oktober ist das Haus voll belegt. „Dass mittlerweile alle Plätze vergeben sind und die Gemeinschaft so gut zusammengewachsen ist, macht uns unglaublich stolz”, sagt Wohnstätten-Leitung Annalena Holtgrefe. „Das Sommerfest war die perfekte Gelegenheit, alle noch einmal zusammenzubringen – Bewohner, Familien und das gesamte Team.”
Was in Gießen inzwischen selbstverständlich wirkt, ist bundesweit alles andere als das: Spezialisierte Wohnangebote für erwachsene Menschen im Autismus-Spektrum sind rar. Wartelisten vergleichbarer Einrichtungen sind vielerorts lang oder ganz geschlossen, Familien suchen teils bundesweit nach einem passenden Platz für ihre Angehörigen – denn Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf benötigen Einrichtungen und Fachkräfte, die gezielt auf ihre Bedürfnisse eingestellt sind.
Mit der Wohnstätte in der Rödgener Straße hat die Lebenshilfe Gießen vor fünf Jahren eine Antwort auf diesen Bedarf gegeben: Rund vier Millionen Euro investierte sie damals in den Neubau auf dem Gelände des ehemaligen Woodland-Clubs – barrierearm, energieeffizient und konzeptionell konsequent auf die Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum zugeschnitten. Über 50 Beschäftigte kümmern sich heute um die Bewohnerinnen und Bewohner und gestalten einen Alltag, der weit über die reine Betreuung hinausgeht: Ausflüge und Urlaubsfahrten gehören ebenso dazu wie Kinobesuche, Touren an den See oder Fahrten mit der hauseigenen E-Rikscha, die rege genutzt wird.
Der starken Hitze trotzten die Gäste beim Sommerfest mit Kreativität: Mini-Pools, Kühlmatten, kleine Wasserpistolen und ausreichend Schattenplätze sorgten für Abkühlung, während Würstchen, Brötchen und Salate für das leibliche Wohl bereitstanden. Großen Anklang fand die Buttonmaschine, an der sich Groß und Klein individuelle „Rödi 68″-Buttons gestalten konnten. Im Haus selbst wurden zudem Kunstwerke aus der internen Tagesstruktur auf Spendenbasis abgegeben – die Erlöse fließen zurück in die kreative Arbeit der Wohnstätte. Wer die farbintensiven Arbeiten aus der Rödgener Straße, darunter Werke in der Acrylic-Pouring-Technik, kennenlernen möchte, hat dazu Ende des Jahres erneut Gelegenheit: Am 1. Dezember wird um 17 Uhr im Foyer der Sparkasse Gießen eine Ausstellung mit Werken aus der Wohnstätte eröffnet.
Unter den Gästen war auch Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen: „Was hier in fünf Jahren entstanden ist, ist mehr als eine Wohnstätte – es ist ein echtes Zuhause. Das ist vor allem das Verdienst eines engagierten Teams, das jeden Tag mit Herz und Fachlichkeit bei der Sache ist.”
Jan Hillgärtner, Bereichsleitung Wohnen der Lebenshilfe Gießen, ordnete das Jubiläum auch überregional ein: „Wohnangebote, die so konsequent auf die Bedürfnisse von Menschen im Autismus-Spektrum ausgerichtet sind, gibt es in Deutschland viel zu wenige. Umso mehr freut es uns, dass wir hier in Gießen zeigen können, wie gelingende Teilhabe aussieht – mit einem verlässlichen Rahmen und zugleich der Freiheit, den eigenen Alltag aktiv mitzugestalten. Auf die nächsten fünf Jahre!”
Weitere Informationen zur Lebenshilfe Gießen und ihren Wohnangeboten gibt es auf www.lebenshilfe-giessen.de.







