PowerLahn: Erste iKWK-Anlage in Hessen

Feierten zusammen mit über hundert weiteren geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft die Einweihung von PowerLahn – der ersten iKWK-Anlage dieser Art in Hessen (von links): Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, Dr. Hansjörg Roll, Präsident des AGFW – Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V., der SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Wright, Gießens Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher, der Hessische Staatsminister Kaweh Mansoori, Manfred Becker als Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen sowie die SWG Vorstände Matthias Funk und Andreas Hergaß.

Am 2. Juli 2026 haben die Stadtwerke Gießen die innovative Kraft-Wärme-Kopplungsanlage „PowerLahn“ eingeweiht.

CO2-neutrale Wärme für rund 3.900 Wohnungen – so viel produzieren die Stadtwerke Gießen (SWG) fortan mit ihrer neuen innovativen Kraft-Wärme-Kopplungsanlage (iKWK). Genauer gesagt entsteht diese Wärmemenge allein im Herzstück dieses aus drei Komponenten bestehenden, hybriden Erzeugungssystems: In der neu errichteten Energiezentrale an der Lahn entziehen drei effiziente, mit Ökostrom angetriebene Großwärmepumpen dem vorbeifließenden Fluss die dafür nötige Energie. „Der Name PowerLahn ist also Programm“, erklärt Matthias Funk, Vorstand der SWG, anlässlich der offiziellen Einweihung am 2. Juli 2026. Die beiden anderen Komponenten – zwei Blockheizkraftwerke (BHKW) und ein sogenanntes Power-to-Heat-Modul (P2H) befinden sich am SWG-Standort Leihgesterner Weg. An der Stelle, wo bis vor wenigen Monaten noch zwei Gasturbinen Dienst taten.

Mehr als hundert Gäste
Aufgrund der Signalwirkung, die von „PowerLahn“ ausgeht, folgten zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft der Einladung der SWG, um die Einweihung gemeinsam zu feiern. So richteten sich der Hessische Staatsminister Kaweh Mansoori, Manfred Becker als Vertreter des Regierungspräsidiums Gießen, Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher sowie der SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Wright mit Grußworten an die Besucherinnen und Besucher. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen, und Dr. Hansjörg Roll, Präsident des AGFW – Energieeffizienzverband für Wärme, Kälte und KWK e.V., würdigten in ihren Ansprachen die Arbeit der SWG auf diesem noch relativ neuen Feld der Wärmeerzeugung. Zudem nahmen Landrätin Anita Schneider, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der umliegenden Kommunen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Gießener Hochschulen an der Einweihung teil. Insgesamt begrüßten die SWG mehr als 100 Gäste zu ihrer Feier in der Schlachthofstraße.

Mehrfacher Nutzen
Nach der Begrüßung durch Alexander Wright und die beiden Gastgeber – die SWG-Vorstände Matthias Funk und Andreas Hergaß – gingen die Redner auf die zahlreichen positiven Aspekte von PowerLahn ein. Der offensichtlichste Vorteil der Anlage liegt in ihrem Beitrag zum Klimaschutz und damit der Energiewende vor Ort. Dabei spielt vor allem die effiziente Energiewandlung eine maßgebliche Rolle. Aber auch das P2H-Modul verdient Beachtung. Mit diesem Fachbegriff bezeichnen Expertinnen und Experten eine groß dimensionierte elektrische Direktheizung. Integriert in das Gesamtsystem springt sie immer dann an, wenn an sonnigen und windigen Tagen extrem viel Ökostrom entsteht. „Mit dem P2H-Modul entlasten wir das Stromnetz und sorgen dafür, dass PV- und Windkraftanlagen seltener vom Netz gehen müssen“, beschreibt SWG-Vorstand Matthias Funk den Einsatz dieser Komponente.

Der dritte wichtige Punkt hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen und wird zunehmend wichtiger: PowerLahn reduziert die Abhängigkeit von Energieimporten. „Die SWG zeigen hier einmal mehr, was heute schon möglich ist und wohin die Reise gehen muss“, lobt der SWG-Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Wright den Bau der wegweisenden Anlage und ergänzt: „PowerLahn ist ein Leuchtturm-Projekt mit Strahlkraft weit über die Region hinaus und ein Vorbild für andere kommunale Energieversorger.“

All dies macht PowerLahn zu einem neuen Grundpfeiler in der der SWG-Strategie. Tatsächlich verfolgen die SWG schon seit vielen Jahren konsequent das Ziel, fossile Brennstoffe in der Wärmeerzeugung sukzessive zu verdrängen. Ebendies macht die Anlage zum wichtigen Faktor für ein kommunales Vorhaben: Die Stadt Gießen möchte die Klimaneutralität bis 2035 erreichen. Und genau hierzu leistet PowerLahn einen wichtigen Beitrag.

Zahlen, die für sich sprechen
Rund 30 Millionen Euro haben die SWG in ihre iKWK-Anlage investiert. Die drei Großwärmepumpen an der Lahn allein liefern künftig etwa 29 Millionen Kilowattstunden Wärme jährlich. In den beiden BHKW entstehen pro Jahr ungefähr 50 Millionen Kilowattstunden Wärme. Das genügt, um die Beheizung und die Warmwasserbereitung für rund 6.800 Wohnungen sicherzustellen. Obendrein erzeugen die BHKW pro Jahr noch zirka 47 Millionen Kilowattstunden Strom. Damit lässt sich der Bedarf von rund 21.000 Wohnungen decken.

Die Reduktion der CO2-Emissionen liegt bei stattlichen rund 10.500 Tonnen pro Jahr für das Gesamtsystem. Dieser Wert basiert auf der Tatsache, dass die drei optimal aufeinander abgestimmten Komponenten nicht nur die ehemaligen Gasturbinen, sondern auch einzelne Gaskessel ersetzen. Und bei dieser Einsparung gibt es noch reichlich Raum für weitere Verbesserungen. Denn aktuell betreiben die SWG beide BHKW noch mit Erdgas. „Selbstverständlich können wir die Aggregate auch mit Biomethan oder Wasserstoff fahren – je nachdem, welcher dieser Brennstoffe künftig in ausreichenden Mengen verfügbar ist“, kündigt Matthias Funk an. Nach einer solchen Umstellung würde PowerLahn vollständig klimaneutral arbeiten.