Kurzfristige Maßnahmen und neue Rechtsgrundlagen gefordert
Entscheidende Veränderungen grundsätzlicher Art fordert der PRO BAHN Landesverband Hessen als Reaktion aus den Böschungsbränden im Bereich Karben/Wöllstadt an mehreren Stellen auf 8 km Strecke der Main-Weser-Bahn sowie dem gleichzeitigen Stellwerksausfall.
Dass man auf solche Szenarien überhaupt nicht gerüstet sei, dies zeige sich aktuell sehr deutlich. In den ersten Tagen sei auf der Main-Weser-Bahn auch weiter nördlich bis nach Gießen nichts nennenswert gerollt. Eine ganze Region von rund 1,2 Mio. Menschen sei von dem in weiten Teilen kopflos wirkenden Erstmaßnahmen betroffen gewesen.
Festzustellen sei, dass die Verlegung von wichtigen Kabeln entlang von Bahnstrecken anscheinend zu wenig gegen Fremdeinwirkungen gesichert seien. Teils laufen diese Leitungen oberirdisch, maximal mit einfachen Metallkörpern ummantelt, teils direkt unter der Oberfläche, abgedeckt mit einfachen Betonplatten. Hier müssen die Vorschriften überarbeitet werden, dass an Hauptstrecken mit starkem Mischverkehr ein größerer Abstand zur Schiene sowie eine generell größere Einbautiefe mit brandfesteren Abdeckungen vorgegeben werden muss. Ab es wie im aktuellen Fall, der Brand an einem Zug ist oder in anderen Fällen Witterungseinflüsse oder Kabeldiebstähle, ein besserer Einbau ist in jedem Fall von Nöten.
Des Weiteren sei an die sog. Brandschutzstreifen erinnert. Nach dem Ende der Dampflokzeit und der Klotzbremsen wurden die Brandschutzstreifen links und rechts der Gleise aufgegeben, die entweder landwirtschaftlich bzw. von Kleingärten genutzt oder einmal jährlich abgebrannt wurden. Nun habe man das Dilemma, dass der Bewuchs entlang aller Bahnstrecken mittlerweile enorm sei. Man könne von Glück sagen, dass die Main-Weser-Bahn zwischen Bad Vilbel und Friedberg im ebenen Gelände mit viel landwirtschaftlicher Nutzung verlaufe. Andernorts wäre das Ausmaß von Bränden noch viel größer ausgefallen. PRO BAHN Hessen fordert daher die Wiedereinführung dieser Brandschutzstreifen, welche in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger werden. Deutschlandweit müssten Betriebshöfe aufgebaut werden, die die Böschungspflege an allen Bahntrassen ganzjährig betreiben, Bahnstrecken brauchen wieder lichte Flächen links und rechts des Gleises, nicht nur bei Hitze, sondern auch bei Stürmen und Unwettern.
Genau diese Brandschutzstreifen dienen auch den Rettungskräften für eine viel bessere Erreichbarkeit der Bahnstrecken. Dass hier seitens der Freiwilligen Feuerwehren von Wöllstadt und Karben alles nur Mögliche dafür getan wurde, um die Brände zu bekämpfen, sei unbestritten. Jedoch müsse für die Zukunft überlegt werden, wie Feuerwehren und andere Rettungsdienste vor Ort noch besser vorbereitet und ausgerüstet sind, die Unglücksstellen schneller und besser erreichen und handeln können.
Bereits mehrfach hat der PRO BAHN Landesverband Hessen die Forderung erhoben, dass eine geordnete Ersatzbusflotte für Schienen-Ersatz-Verkehr (SEV) und Notfallverkehre eingerichtet wird. Man verlasse sich weiterhin darauf, dass aus dem Bereich der privaten Omnibusunternehmen von Fall zu Fall ausreichend Busse rekrutiert werden können.
Dies ist ein absoluter Trugschluss, wie der aktuelle Fall der Main-Weser-Bahn zeige. Zwar sei seit der Korridorsanierung auch über die aktuellen Maßnahmen hinaus ein gewisses Fahrzeugpotential angeschafft worden, was man an den violett lackierten Bussen erkenne. Dies sei bei weitem nicht ausreichend. Abseits der Korridorsanierungen müssten SEV teils von einem Blumenstrauß verschiedener Busunternehmen mit unterschiedlichsten Fahrzeugen erbracht werden, man erkenne das auch an Autokennzeichen aus ganz Deutschland. Die Flotte von Bussen, welche ausschließlich dem Schienen-Ersatz-Verkehr und dem Notfallverkehr dienten, müsse um ein Mehrfaches erhöht werden. Das Argument, dass diese Busse zeitweise nur herumstehen, wie z.B. Feuerwehrfahrzeuge, dies ziehe nicht. Die große Zahl der Investitionen im Schienenverkehr, die Notfälle auf der Schiene, sie werden solch eine Flotte annähernd zu 100% in den nächsten Jahrzehnten in Betrieb halten, so dass dann die nächste Busgeneration schon im Einsatz sein dürfte.
Kurzfristig fordert der Fahrgastverband, die Zahl der SEV-Busse zu verdreifachen. Es sei ein Skandal, dass man lediglich 10 Ersatzbusse bereitstellen konnte. Die Personenbeförderung breche aktuell zusammen, die Menschen seien wegen der aktuellen Hitze zusätzlich gereizt.
Den aktuell Mitarbeitenden des Tagesgeschäfts bei DB InfraGO, bei den Verkehrsunternehmen, bei den Rettungsdiensten, ihnen könne zum aktuellen Fall im Wetteraukreis kein Vorwurf gemacht werden. Um so etwas für die Zukunft zu vermeiden, braucht es eben weitreichende Veränderungen bei Neubau, Umbau und Erhalt der Bahninfrastruktur.





