Projektleiter Jan-Peter Schmidt (2. v. l.) erläutert eine einfache Tätigkeit im Zuverdienstprojekt „MitArbeit“: die Herstellung von Papiergarn aus alten Zeitungen. Zuhörer sind Jörg Langschied (links, Bereichsleitung Arbeit und Bildung, Lebenshilfe Gießen), Marlon Diaz (ab 3. v. l., Werkstattleiter Reha Mitte), Magnus Schneider (Mitglied der Steuerungsgruppe), der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Frank Ide, Anja Sandtner (Mitarbeiterin im Zuverdienstprojekt und Leiterin des Büros für Einfache und Leichte Sprache) sowie Lebenshilfe-Vorstand Dirk Oßwald.

Neues Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen schafft Teilhabe und Tagesstruktur ohne Leistungsdruck

Gießen – Mit dem Zuverdienstprojekt „MitArbeit” hat die Lebenshilfe Gießen ein neues Angebot für Menschen mit psychischen Erkrankungen eröffnet. In den Räumen in der Walltorstraße 3 in Gießen wurde das Projekt gemeinsam mit Gästen aus Sozialverwaltung, Landeswohlfahrtsverband Hessen, Kooperationspartnern, Förderern und Mitarbeitenden offiziell vorgestellt.

„MitArbeit“ richtet sich vor allem an Menschen mit psychischen Erkrankungen, die aufgrund ihrer aktuellen Belastbarkeit keine reguläre Beschäftigung ausüben können und für die auch bestehende Angebote wie Werkstatt oder Tagesstätte nicht immer passend sind. Das Angebot ermöglicht Beschäftigung in einem geschützten Rahmen: freiwillig, flexibel und ohne klassischen Leistungsdruck.

Das neue Zuverdienstprojekt „MitArbeit“ wurde in den Räumen der Lebenshilfe Gießen in der Walltorstraße offiziell eröffnet.

Neues Zuverdienstprojekt für Menschen mit psychischen Erkrankungen in Gießen

Lebenshilfe-Vorstand Dirk Oßwald bezeichnete die Eröffnung als besonderen Tag. Die Idee, ein Zuverdienstangebot in Gießen zu etablieren, habe es schon seit vielen Jahren gegeben – immer wieder hätten Hindernisse überwunden werden müssen, insbesondere bei der Finanzierung. Nun sei es gelungen, das Projekt gemeinsam mit dem Landeswohlfahrtsverband Hessen und durch Fördermittel der Aktion Mensch auf den Weg zu bringen.

Im Mittelpunkt stehe nicht Leistung, sondern Teilhabe, betonte Oßwald: „Es geht nicht um Perfektion, sondern um Entwicklung.” Arbeit bedeute für Menschen auch, dazuzugehören, gebraucht zu werden und Selbstbewusstsein zu entwickeln. Genau dafür wolle die Lebenshilfe Räume schaffen, in denen Fähigkeiten sichtbar werden können.

Bei der Eröffnung sprachen neben Oßwald auch der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Frank Ide sowie André Beutner vom Landeswohlfahrtsverband Hessen. Ide, in Begleitung von Mitarbeiterinnen des Sozialpsychiatrischer Dienst für Stadt und Landkreis Gießen, würdigte das neue Angebot als wichtigen Baustein für Menschen in Stadt und Landkreis, die Unterstützung, Struktur und neue Zugänge zu Arbeit und Teilhabe benötigen. “Ich glaube, für die Menschen ist das wirklich eine gute Sache. Ich hoffe, dass es ausstrahlt, auch in den Landkreis hinaus, weil ich schon denke, dass viele Menschen diesen Bedarf haben und ein solches Projekt benötigen”, so Frank Ide.

Beutner hob die lange gemeinsame Vorbereitung und die Bedeutung eines niedrigschwelligen Zuverdienstangebots hervor, das Menschen die Möglichkeit gibt, ihre Belastbarkeit zu erproben und wieder Vertrauen in eigene Fähigkeiten zu gewinnen: “Wir wünschen uns für das Projekt, dass die Menschen hier eine lebendige Teilhabe leben können.”

Projektleiter Jan-Peter Schmidt stellte, gemeinsam mit seiner Kollegin Anja Sandtner (Zuverdienstprojekt/Büro für Einfache und Leichte Sprache) die konkrete Ausgestaltung des Angebots vor. Viele Menschen wünschten sich eine sinnvolle Tätigkeit, soziale Kontakte und eine verlässliche Tagesstruktur, könnten oder wollten aber den Anforderungen eines klassischen Arbeitsplatzes nicht entsprechen. „MitArbeit” schaffe dafür einen Rahmen, in dem Menschen im eigenen Tempo aktiv werden können.

Bis zu 15 Stunden pro Woche können Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Zuverdienst tätig sein. Die Aufgaben reichen von einfachen Montage- und Verpackungsarbeiten bis hin zu kreativen Tätigkeiten – orientiert an Interessen, Fähigkeiten und der Belastbarkeit der Beteiligten. Fachliche Anleitung und sozialpädagogische Begleitung sind von Beginn an Teil des Angebots.

Der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Frank Ide würdigte das neue Zuverdienstprojekt als wichtigen Baustein für Menschen, die Unterstützung, Struktur und neue Zugänge zu Arbeit und Teilhabe benötigen.

„MitArbeit“ schließt Lücke zwischen Tagesstätte und Werkstatt

Damit schließt „MitArbeit” aus Sicht der Lebenshilfe eine wichtige Lücke im bestehenden Versorgungssystem: Das Angebot liegt zwischen Tagesstätte und Werkstatt und richtet sich an Menschen, für die es bislang kein passendes Angebot gab. Die zentrale Lage in der Walltorstraße erleichtert den Zugang und stärkt die Anbindung an bestehende Angebote und Netzwerke.

Gefördert wird das Projekt in der Aufbauphase durch Aktion Mensch, der Landeswohlfahrtsverband Hessen unterstützt das Angebot ebenfalls. Nach der Anschubphase soll „MitArbeit” dauerhaft weitergeführt werden.

Betroffene, Angehörige und Fachkräfte können sich direkt an das Team des Zuverdienstprojekts wenden. Weitere Informationen gibt es unter www.lebenshilfe-giessen.de.

André Beutner vom Landeswohlfahrtsverband Hessen hob die Bedeutung niedrigschwelliger Beschäftigungsangebote für Menschen mit psychischen Erkrankungen hervor.
Projektleiter Jan-Peter Schmidt stellte den Gästen Konzept, Ziele und erste Beschäftigungsbereiche des neuen Zuverdienstprojekts „MitArbeit“ vor.
Praktische Einblicke in das neue Angebot: Gäste der Eröffnungsfeier informierten sich über kreative Tätigkeiten und Beschäftigungsmöglichkeiten im Zuverdienstprojekt „MitArbeit“.
Lebenshilfe Gießen
Die Lebenshilfe Gießen e.V. ist ein gemeinnütziges Unternehmen und begleitet über 3000 Menschen mit und ohne Behinderung in ein selbstbestimmtes Leben.