Was damals Recht war…Nachdenkliches zur Wehrpflicht. Pfingstausflug zur Gedenkstätte Diepoldshofen bei Leutkirch

“Was damals Recht war, kann heute nicht Unrecht sein” meinte der seinerzeitige Ministerpräsident von Baden-Württemberg Hans Filbinger und mußte dann doch zurücktreten, nachdem der Dramatiker Rolf Hochhuth seine todesurteilträchtige Tätigkeit als Marinerichter während des Nationalsozialismus aufdeckte.

Unbeschadet blieb der Wehrmachtshauptmann Otto Siebler. Zwei angestrengte Gerichtsverfahren in den 1950-er-Jahren gegen ihn wurden eingestellt: Er hatte juristisch gültige Urteile umgesetzt. Zwei Tage bevor 1945 die französischen Truppen die Gegend von Leutkirch (im baden-württembergischen Allgäu) einnahmen, ließ Siebler in einem Waldstück zwischen Diepoldshofen und Bauhofen 15 zumeist junge deutsche Soldaten, die von der Militärgerichtsbarkeit zum Tode verurteilt wurden, erschiessen. Eigentlich sollten es 16 sein, einem gelang die Flucht. Siebler war Kommandeur des “beweglichen Heeresgefängnisses” der 19.Armee und mit 120 Strafgefangenen auf der Flucht vor den vorrückenden alliierten Truppen. Er war über Waldkirch, Heuberg, Sigmaringen und Bad Waldsee nach Diepoldshofen gezogen, wo er in der Grössermühle zwei Tage Quartier machte. Während des ganzen Rückzuges bemühte er sich laufend, die bestätigten Vollstreckungsbefehle für die Todesurteile von seinen vorgesetzten Stellen zu erhalten. Zuletzt erhielt er eben diejenigen für die erwähnten 16 Soldaten in einem Bauernhaus bei Stockach.

An der Gedenkstätte fuhren heute bei strahlendem Wetter auf dem schmalen Sträßchen durch die idyllische Voralpenlandschaft jede Menge Radler, E-Biker und Motorradfahrer vorbei. Wenige hielten an. Dabei auch Duo, das ganz in der Nähe sein Kanu aus der Aach nahm und an der Gedenkstätte für den Rücktransport vorbereitete.

Näheres zu dem Kriegsendverbrechen findet man internetmäßig unter:

Zu den Erschießungen am 26. April 1945

und https://www.leutkirch.de/de/Leben/Leben-Freizeit/Stadt-Land/Historisches/Denkorte/Gedenkstaette-bei-Diepoldshofen?id=1019

auf dem Weg zum Gedenkstein
auf dem Weg zum Gedenkstein
auf dem Weg zum Gedenkstein
Hier ist der Hinrichtungsort
Der Tafeltext: Hier ließ ein deutscher Hauptmann am 26.April 1945 zwei Tage vor dem Einmarsch der Französischen Truppen 15 deutsche Soldaten erschiessen
Das Grab an der Strasse
dito. Inschrift neben der Ampel: Hier ruhen 15 deutsche Soldaten. Sie starben am 26.April 1945
Zwei von ihnen
Weitere drei
nochmal zwei
und die restlichen acht
Kurt Wirth
Ex-Gießener, Weltbürger, Bürgerreporter seit 2012, interessiert an Natur, Wandern, (Inlands-)Reisen, aber auch an Geschichte, Zeitgeschichte, Politik.