
Lebenshilfe Gießen begrüßt Fuldaer Innovationszentrum und kündigt Runden Tisch für Mittelhessen an
Gießen – Die Lebenshilfe Gießen begrüßt die aktuellen Pläne für ein inklusives Gesundheits- und Innovationszentrum in Fulda ausdrücklich. Das Vorhaben sei ein wichtiger Schritt, um die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderung nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig macht die Organisation deutlich: Auch in Mittelhessen besteht dringender Handlungsbedarf.
Viele Menschen mit Behinderung, ihre Familien und Einrichtungen in der Region stehen im Alltag vor erheblichen Herausforderungen. Lange Wege zu spezialisierten Angeboten, fehlende barrierefreie Praxen und unzureichend abgestimmte Behandlungsstrukturen erschweren eine bedarfsgerechte Betreuung. Insbesondere in komplexen oder akuten Situationen stößt das bestehende System immer wieder an seine Grenzen – mit Konsequenzen, die im schlimmsten Fall Leben kosten. Studien zeigen laut Hessenschau: Menschen mit geistiger Behinderung haben in Deutschland eine bis zu 20 Jahre geringere Lebenserwartung. Ein erheblicher Teil dieser frühen Todesfälle gilt als vermeidbar.
„Die Initiative in Fulda zeigt, was möglich ist – und wie dringend solche Strukturen gebraucht werden”, sagt Dirk Oßwald, Vorstand der Lebenshilfe Gießen. „Auch in Mittelhessen erleben wir täglich, dass Betroffene und ihre Angehörigen auf ein System treffen, das ihren Bedürfnissen oft nicht gerecht wird. Das führt zu unnötigen Belastungen und im Zweifel auch zu ernsthaften gesundheitlichen Risiken.”
Vor diesem Hintergrund plant die Lebenshilfe Gießen für den kommenden Herbst einen großen Runden Tisch. Auch die Behindertenbeauftragten der Stadt, Samuel Groß, und des Landkreises Gießen, Michael Volter, begrüßen die Initiative der Lebenshilfe. Ziel ist es, die aktuelle Versorgungslage umfassend zu analysieren, bestehende Defizite offen zu benennen und konkrete Perspektiven für Verbesserungen zu entwickeln. Eingeladen werden sollen unter anderem Haus- und Fachärzte, Vertreterinnen und Vertreter von Kliniken, Politik und Kostenträgern sowie weitere Fachakteure aus dem Gesundheits- und Sozialbereich. Auch die Perspektiven von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen sollen gezielt eingebracht werden.
„Wir wollen nicht nur Probleme beschreiben, sondern gemeinsam an Lösungen arbeiten”, so Oßwald. „Der Runde Tisch soll ein Startpunkt sein, um dauerhaft im Dialog zu bleiben und Schritt für Schritt die medizinische und insbesondere auch die Notfallversorgung in unserer Region verlässlicher und inklusiver zu gestalten.”
Die Lebenshilfe Gießen, die in Stadt und Kreis Gießen rund 3.000 Personen mit und ohne Behinderung begleitet, versteht die Initiative in Fulda als wichtigen Impuls – und zugleich als Auftrag, vergleichbare Strukturen auch in Mittelhessen aktiv voranzutreiben. Ziel sei eine Versorgung, die allen Menschen gleichermaßen gerecht wird – unabhängig von individuellen Voraussetzungen oder Unterstützungsbedarfen. Weitere Informationen auf www.lebenshilfe-giessen.de.



