Das Tierheim Gießen setzt sich verstärkt für Tiere ein, die es aufgrund von Krankheiten oder körperlichen Einschränkungen besonders schwer bei der Vermittlung haben. Ein aktuelles Beispiel, das ans Herz geht, ist das Yorkshire-Terrier-Duo Ernie und Bert.
Ein Duo mit besonderem Schicksal
Die beiden Rüden kamen in einem erschreckenden Zustand ins Tierheim. Sie stammen aus einer zwielichtigen Zucht, in der die Gesundheit der Tiere dem Wunsch nach einer bestimmten Fellfarbe untergeordnet wurde. Die Quittung für diese Verantwortungslosigkeit trägt vor allem der junge Ernie: Er ist sowohl blind als auch taub und leidet unter neurologischen Störungen, die seinen Gleichgewichtssinn beeinträchtigen.
In fremder Umgebung gerät Ernie schnell in Aufregung, da er ohne Sicht und Gehör die Orientierung verliert. Doch seine Nase ist ein hervorragender Wegweiser: Wenn er vertraute Gassiwege erst einmal kennengelernt hat, orientiert er sich sicher an den Gerüchen und erkundet die Welt. Der wahre Schlüssel zu seiner Sicherheit ist jedoch die Bindung an seine Bezugsperson. Durch das Vertrauen zu „seinem“ Menschen lässt er sich gut leiten, benötigt im Alltag aber Beständigkeit. Eine gleichbleibende Umgebung ist für ihn das A und O; man sollte in der Wohnung möglichst nicht umräumen und keine Hindernisse in seine gewohnten Laufwege stellen.
Ein besonderer Rückhalt ist für ihn sein „Schutzengel“ auf vier Pfoten: sein Kumpel Bert. Sobald Bert an seiner Seite ist, blüht Ernie erst richtig auf, wird verspielt und gewinnt sofort an Sicherheit. Da die beiden sich so wunderbar ergänzen, wünscht sich das Tierheim für die beiden ein gemeinsames Zuhause im Doppelpack. Dennoch zeigt Ernie bei uns, dass er auch ganz alleine bleiben kann und sich extrem eng an seine Bezugsperson bindet. Wir gehen im Tierheim auch einzeln mit den Hunden spazieren, was Ernie hilft, seine eigene Sicherheit weiter auszubauen.
Tierheimleiterin Hannah Wern sucht Menschen, die sich zutrauen, den Alltag auf Ernies besondere Bedürfnisse abzustimmen. Auch wenn dies am Anfang etwas Geduld erfordert, ist sich die Vereinsvorsitzende Astrid Paparone sicher: Gerade diese Schützlinge geben ihren Besitzern eine ganz besondere Liebe zurück.
Die Geschichte von Ella als Vorbild
Dass das Tierheim so offensiv nach Plätzen für „Härtefälle“ sucht, liegt auch an der berührenden Geschichte der französischen Bulldogge Ella. Sie kam völlig entkräftet, abgemagert und von Entzündungen sowie Tumoren gezeichnet ins Tierheim.
Trotz der niederschmetternden Diagnose einer geringen Lebenserwartung fand sich eine Retterin: Doreen aus dem Harz. Sie nahm die weite Fahrt auf sich, um Ella für ihre letzten Wochen ein schmerzfreies, liebevolles Zuhause zu schenken – das erste Mal in Ellas Leben, dass sie menschliche Güte erfahren durfte. Solche Momente sind für das Tierheim-Team „Sternstunden“. Hannah Wern, die selbst regelmäßig schwer kranke Tiere bei sich aufnimmt, beschreibt diese Zeit als intensiv und bereichernd, auch wenn der Abschied am Ende immer schmerzt.
Weitere Schützlinge hoffen auf eine Chance
Neben Ernie und Bert hoffen im Tierheim Gießen noch weitere Sorgenkinder auf ein kleines Wunder. Da ist zum Beispiel der Scottish-Fold-Persermix Tabby, der tapfer mit Atemproblemen und einer schmerzhaften Knochenerkrankung kämpft, oder Kater Aslan, der trotz seiner ausgeprägten Gleichgewichtsstörungen jeden Tag aufs Neue meistert.
Obwohl diese Tiere körperliche Handicaps mitbringen, sprühen sie alle vor Lebensfreude und Charme. Gerade für kranke oder alte Bewohner ist der stressige Tierheim-Alltag jedoch eine große Belastung, weshalb das Team dringend nach liebevollen Endplätzen oder stützenden Pflegestellen sucht. Wer ein Herz für diese besonderen Seelen hat und ihnen ein geborgenes Zuhause schenken möchte, kann über www.tsv-giessen.de ganz einfach einen Termin zum persönlichen Kennenlernen vereinbaren.



