Im Schatten eines leuchtenden Baumes – „Mythos Wald“ im Gasometer Oberhausen

Stahl trifft Stille, Industrie trifft Natur: Im Gasometer Oberhausen verwandelt die Ausstellung „Mythos Wald“ einen Ort der Schwerindustrie in eine immersive Waldlandschaft. Wer den Gasometer betritt, taucht in eine andere Welt ein. Wo einst Industriegase gespeichert wurden, wächst heute ein Wald – nicht aus Erde und Moos, sondern aus Licht, Klang und Bildern.

Der Wald war einst Märchenwelt, ein Ort mit beinahe gottähnlichem Charakter. In der Moderne wurde er zunehmend auch zum Wirtschaftsraum. Schon beim Eintritt in den „Oberhausener Wald“ wird klar: Diese Schau will mehr als nur informieren – sie will berühren. Großformatige Fotografien, Filmsequenzen und Originalexponate führen von den Regenwäldern Amazoniens bis in europäische Mischwälder. So entsteht ein Panorama, das die Vielfalt des Lebens ebenso zeigt wie seine Zerbrechlichkeit.

Im Zentrum steht ein spektakuläres Kunstwerk: ein rund 40 Meter hoher, digital inszenierter Baum, dessen leuchtende Äste sich bis unter die Kuppel des Gasometers erstrecken. Die Installation macht den Wald als lebendiges System erfahrbar – pulsierend, atmend, komplex. Als musikalische Untermalung hätte man sich fast „The Trees“ von Rush gewünscht. Wer unter diesem „Baum“ auf den bereitliegenden Kissen Platz nimmt, erlebt eine Perspektive, die sonst verborgen bleibt: den Blick aus dem Wurzelwerk hinauf in die Krone.

Einen besonderen Moment bietet die Klang- und Lichtinstallation „Global Sunrise“. Hier erwachen die Wälder der Erde akustisch zum Leben. Die Installation nimmt die Besucher mit auf eine Reise durch alle Kontinente – vom vertrauten Gurren einer Taube bis zum glockenhellen Gesang einer Suzumushi aus Japan.

Gerade dieser Kontrast macht den Reiz aus: draußen Industriegeschichte, drinnen Naturerlebnis. Der Gasometer, einst Symbol der Schwerindustrie, wird so einmal mehr zum Ort der Reflexion über die Zukunft unseres Planeten.

„Mythos Wald“ läuft noch bis Ende Dezember 2026 und dürfte – wie viele Ausstellungen zuvor – ein breites Publikum anziehen. Wer sich darauf einlässt, erlebt keine klassische Ausstellung, sondern eine eindrucksvolle Reise: vom Staunen zur Erkenntnis, vom Bild zur Botschaft. (FOTOS: STEPHANIE GIEZEK)