Ein Abend voller Gefühl und Selbstfindung: „Herzenslieder“ berühren das Publikum in Lich

Lich – Am 25. März 2026 wurde das Kulturzentrum Bezalel-Synagoge in Lich zum Schauplatz eines außergewöhnlich intimen Konzerterlebnisses. Unter dem Titel „Herzenslieder: Eine Stimme – ein Klavier“ präsentierte die Mezzosopranistin und Diplom-Gesangspädagogin Anne Christin Weisel im Rahmen der Licher Kulturtage eine eindrucksvolle One-Woman-Show, die das Publikum tief bewegte und nachhaltig beeindruckte.

Mit großer stimmlicher Bandbreite, spürbarer Authentizität und bemerkenswerter Bühnenpräsenz führte Weisel durch einen Abend, der weit über ein klassisches Konzert hinausging. Dabei begleitete sie sich überwiegend selbst am Klavier und schuf so eine besonders unmittelbare, persönliche Atmosphäre; einzelne Titel wurden punktuell durch Playback ergänzt.

Ihre Stimme erwies sich als ihr stärkstes Ausdrucksmittel: ein warmer, samtiger, tragfähiger Klang, gepaart mit einer klaren, präzisen Artikulation und hoher Textverständlichkeit. Nuancenreich, facettenreich und stilistisch flexibel wechselte sie mühelos zwischen zarter, fast gehauchter Intimität und kraftvoller, ausdrucksstarker Präsenz. Mal weich und schwebend, mal erdig und voll, stets sicher geführt und emotional durchdrungen – eine Stimme, die nicht nur trägt, sondern erzählt.

Das abwechslungsreiche Programm und die durchdachte, stimmige Liedauswahl erwiesen sich als großer Pluspunkt des Abends. Die musikalische Dramaturgie spannte einen weiten Bogen durch die Facetten der Liebe und des Lebens – von zarten Anfängen über Zweifel und Verlust bis hin zu Selbstakzeptanz und innerem Frieden – und nahm das Publikum spürbar mit auf diese Reise.

Bereits zu Beginn zog sie mit bekannten Titeln wie „Kompliment“ von Sportfreunde Stiller und „Can’t Help Falling in Love“ von Elvis Presley in ihren Bann. Es folgten emotionale Höhepunkte wie „Dein ist mein ganzes Herz“ von Heinz Rudolf Kunze und „Alles nichts ohne dich“ von LEA, die durch ihre intensive Interpretation besondere Wirkung entfalteten.

Für heitere, auflockernde Momente sorgte „Tim liebt Tina“ von Anna Depenbusch, das mit viel Witz und augenzwinkernder Leichtigkeit dargeboten wurde und die Vielseitigkeit des Abends unterstrich.

Auch die nachdenklicheren Töne fanden ihren Platz: Mit Liedern wie „Mad World“ von Tears for Fears oder „Schön genug“ von Lina Maly thematisierte Weisel Unsicherheit, Selbstzweifel und die Suche nach dem eigenen Wert. Ihre persönlichen Moderationen verbanden die einzelnen Stücke zu einem stimmigen Ganzen und verstärkten die emotionale Tiefe des Programm.

 

Im zweiten Teil widmete sich die Sängerin der Sehnsucht und dem Verlust. Titel wie „All I Want“ von Emma Bale oder „On My Own“ aus Les Misérables erzeugten eine dichte, melancholische Atmosphäre. Besonders eindrucksvoll gelang die reduzierte Interpretation von „Numb“ von Linkin Park, die in ihrer Zerbrechlichkeit eine neue Perspektive eröffnete.

Ein weiterer Höhepunkt des Abends war „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ von Friedrich Hollaender, das mit starkem Applaus aufgenommen wurde und die emotionale Verbindung zwischen Bühne und Publikum deutlich spürbar machte.

Im letzten Teil führte das Programm zurück zu Zuversicht und innerer Stärke. Mit Liedern wie „Ich bin die Frau meines Lebens“ von Maite Kelly, „Somewhere Over the Rainbow“ und „Leuchtturm“ von Nena setzte Weisel ein klares Zeichen für Selbstliebe, Hoffnung und persönliches Wachstum.

Mit der Zugabe „Irgendwo auf der Welt“ von Werner Richard Heymann endete ein Abend, der noch lange nachklang – und schließlich in langanhaltendem Applaus sowie stehenden Ovationen mündete.

Ein Konzert, das nicht nur musikalisch überzeugte, sondern auch emotional berührte – und damit genau das einlöste, was der Titel versprach: Herzenslieder.

Anne Christin Weisel
Ich bin Anne Christin Weisel, wohne und arbeite als selbständige Diplom-Gesangslehrerin und Sängerin (Mezzosopran) in Lich-Eberstadt. Mehr Infos unter: www.annes-stimmraum.de