„Keine Überzeugungsarbeit nötig“

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Mit Thomas Gormley (links) hat die Lebenshilfe Gießen nun einen Klimaschutzmanager. Vorstand Dirk Oßwald freut sich über diesen Schritt.

Mit Thomas Gormley hat die Lebenshilfe Gießen einen Klimaschutzmanager – als einer der ersten Vereine in Hessen

Pohlheim (-). Wenn Thomas Gormley über seinen Beruf spricht, ist herauszuhören, dass er mehr Gegenwind gewohnt ist. Seit August vergangenen Jahres ist der 44-Jährige der Klimaschutzmanager der Lebenshilfe Gießen. Die Stelle wurde mit einer Förderung der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) der Bundesregierung neu geschaffen. Die Lebenshilfe Gießen zählt somit zu den ersten Vereinen in Hessen, die einen eigenen Klimaschutz-Beauftragten beschäftigen. Thomas Gormley ist mit viel Rückenwind in diese Tätigkeit gestartet. „Hier ist keine Überzeugungsarbeit nötig“, macht er deutlich und stellt sogleich klar: „Die Sichtbarkeit für das Thema Klimawandel, die große Akzeptanz im Kollegium und die volle Unterstützung der Geschäftsführung – all das ist keine Selbstverständlichkeit.“

„Wir als Lebenshilfe engagieren uns seit 65 Jahren jeden Tag in der Region mit Menschen für Menschen. Aktiver Klima- und Ressourcenschutz gehört dazu, deshalb freuen wir uns sehr, dass Thomas Gormley jetzt zu unserem Team gehört“, hebt Vorstand Dirk Oßwald hervor. Seinen Aufgabenbereich erklärt Thomas Gormley so: „Ich trage dafür Sorge, dass die Lebenshilfe Gießen so klimafreundlich wie möglich unterwegs ist, dass die Energie weitestgehend grün ist. Abfallmanagement, Wiederverwertung, Recycling und Mobilität sind große Themen.“ Aktuell arbeitet Gormley an einem Klimaschutz-Konzept, das in allen rund 70 Einrichtungen der Lebenshilfe in Stadt und Landkreis Gießen zum Tragen kommen soll. Eine Herausforderung liegt darin, die Einrichtungen trotz ihrer Vielseitigkeit – von der Wohnstätte über die Werkstatt bis hin zur Kita – zusammenzubringen. „In den vergangenen Monaten habe ich eine Ist-Analyse erstellt, mir Abläufe angeschaut, Gesamtverbrauchsdaten ermittelt und werde als Nächstes unsere Zulieferer auf ihre Klimafreundlichkeit überprüfen. Ziel ist es, unsere Auswirkung auf Klima und Umwelt so gut wie möglich zu optimieren, ohne Komfort am Arbeitsplatz einzubüßen. Das muss passen“, fasst Gormley zusammen. Die entsprechende Einstellung und der Wille, zugunsten des Klimaschutzes etwas verändern zu wollen, sei bereits vorhanden, das Feedback beim Personal sehr positiv. „Viele Einrichtungen engagieren sich bereits. In den Werkstätten gilt zum Beispiel das Credo, möglichst wenig Abfall zu produzieren und nichts wegzuwerfen, was noch zu gebrauchen ist“, so Gormley.

Akuten Handlungsbedarf sieht der 44-Jährige etwa in der Strom- und Heizversorgung der Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung Burg Nordeck der Lebenshilfe-Tochter proLiberi gGmbH, wo noch Gas- und Ölheizungen installiert sind. Bislang keine Fernwärme verfügbar ist auch in den Gewächshäusern des Busecker Biolandhofs – eine entsprechende Leitung endet wenige Meter vorher. „Das möchte ich so schnell wie möglich angehen und mit Stadt und Kommunen in Austausch gehen.“ Das Thema Mobilität will Gormley ebenfalls unter die Lupe nehmen: „Können Autofahrten optimiert werden, muss es wirklich ein Treffen sein oder tut es vielleicht auch ein Video-Call?“

Ein funktionierendes Konzept für viele unterschiedliche Bereiche übereinzubringen, reizt Thomas Gormley. Verständnis für ganz verschiedene Belange bringt er aufgrund seines Werdegangs definitiv mit. Mit 16 verließ der zunächst in England und später im australischen Brisbane aufgewachsene Gormley die Schule, wollte lieber arbeiten. Er erlangte so Einblick „in alle möglichen Jobs – von der Gastro bis zur Stahlproduktion“. Mit 25 entschloss er sich, nahezu sein gesamtes Hab und Gut zu verkaufen und auf Reisen zu gehen. Wenig später landete er in Deutschland – „der Liebe wegen“, wie er sagt. Es folgte das Fachabitur in England, der Bachelor in internationaler Entwicklung und Umweltmanagement und schließlich der interdisziplinäre Master in Transition Management an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Zuletzt war Gormley Teil des Nachhaltigkeits-Teams einer Softwarefirma in Darmstadt, bevor er zur Lebenshilfe Gießen wechselte. Seit Kurzem sitzt der 44-Jährige zudem im neu gegründeten Klimaschutz-Beirat des Paritätischen Wohlfahrtsverbands.

Voraussichtlich Ende Juli wird Thomas Gormley nach monatelangen Analysen und Recherchen einen Entwurf des Klimaschutz-Konzepts für die Lebenshilfe Gießen einreichen. „Ich freue mich auf das Gefühl, zu sehen, dass etwas, woran ich so lange gearbeitet habe, tatsächlich funktioniert“, schaut Gormley der Umsetzung entgegen.

Weitere Informationen zur Lebenshilfe Gießen und ihre Einrichtungen unter: www.lebenshilfe-giessen.de

Lebenshilfe Gießen
Die Lebenshilfe Gießen e.V. ist ein gemeinnütziges Unternehmen und begleitet über 3000 Menschen mit und ohne Behinderung in ein selbstbestimmtes Leben.

1 Kommentar

  1. Das ist ja wunderbar! Thomas Gormley als Klimaschutzmanager der Lebenshilfe könnte als Gast zu den Sitzungen des Klimabeirates der Stadt Pohlheim kommen. Als Mitglied des Pohlheimer Klimabeirats würde ich mich freuen, wenn er in unseren Sitzungen seine fachliche Expertise aus seinem Fachgebiet mit einbringen würde. Die Sitzungstermine des Klimabeirates der Stadt Pohlheim werden in den Pohlheimer Nachrichten veröffentlicht und stehen im öffentlich zugänlichen Parlamentsinformationssystem auf der Homepage der Stadt Pohlheim. Im Klimabeirat der Stadt Pohlheim haben Besucher Rederecht! Herzlich Willkommen Herr Gormley!