Wenn der Kampf ums Wasser beginnt

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Wasser ist für uns so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wir öffnen den Wasserhahn und schon steht uns die Flüssigkeit zur Verfügung. Es ist noch nicht lange her, dass der Aufwand dafür und der Gang zum Brunnen oder nächstliegendem Gewässer ungleich höher war.

Auch der Kampf um Wasser ist nichts Neues: Um das Recht toben seit Jahrhunderten Konflikte und Kriege.

Wer meint, dass es keinen Einluss auf uns hat, braucht nur die Augen zu öffnen: Getränkekonzerne sichern sich Quellen und verkaufen das Wasser mit gewaltigen Gewinnen weiter, während den Anwohnern das Grundwasser weggepumpt wird. Einzelne Orte im Vogelsberg werden im Sommer mit Tankwagen beliefert, weil das Rhein-Main-Gebiet große Mengen des kühlen Nass verbraucht. Und nicht erst seit der Megafabrik von Tesla in Brandenburg beanspruchen Manufakturen und Industrie wesentlich mehr Wasser als die Haushalte.

Der Münchner Spiegel Bestsellerautor Uwe Laub hat vor einigen Jahren mit „Dürre“ bereits einen Climate Thriller veröffentlicht, dessen Handlung in einem dystopisch Deutschland spielt, in dem der Kampf um Trinkwasser den Alltag der Menschen bestimmt. Für „Blaues Gold – Der Kampf ums Wasser beginnt“ bleibt er fast im Hier und Jetzt.

Die Protagonistin Leonie erforscht Aquifer: küstennahe Grundwasservorkommen auf den kontinentalen Schelfen. Nach zwei Rückschlägen verliert sie die Unterstützung der Universität und nimmt darauf ein Angebot des Multimilliardär Ethan Holloway an. Der plant mit seiner Firma Sharpwater die wirtschaftliche Erschließung dieser Ressource, während sie in erster Linie an die Versorgung aller Menschen mit Trinkwasser denkt. Bei der Eröffnung des vor Rügen liegenden Prototypen „Greifswald“ plant sie ihren Arbeitgeber auf sein Versprechen festzunageln aber es kommt anders.

Eine Gruppe gut ausgerüsteter Terroristen um den mysteriösen Atticus kapern die Förderplattform und nehmen die prominenten Gäste als Geisel. Sie fordern freien Zugang zum geförderten Wasser für alle und für sich als Aufwandsentschädigung 10 Milliarden Euro. Der Zugriff konnte nur gelingen, weil Atticus einen Maulwurf bei Sharpwater hatte.

Während Leonie dem Zugriff durch die Geiselnehmer zunächst entgehen konnte, kommt sie immer wieder den Terroristen in die Quere und erinnert ein wenig an John McClane in Stirb Langsam. 

In der Nebenhandlung um den emphatischen Chris erleben Lesende die Wasserknappheit in Ost- und Norddeutschland: Rationierung, astronomische Preise für Wasserflaschen und die Rücksichtslosigkeit der Mitmenschen. Corona und die Sache mit dem Toilettenpapier und den Nudeln lassen grüßen.

Anne Hagen lernen wir in einem weiteren Handlungsstrang kennen. Anstatt wie geplant eine Krebsoperation vornehmen zu lassen, gibt sie dem Drängen ihres Vorgesetzten nach und übernimmt die Einsatzleitung zur Befreiung der Förderplattform, da diese sonst ihrem Stellvertreter zugekommen wäre.

Der Roman beginnt nicht ohne Grund in Malta mit den Forschungsarbeiten von Leonie. Neben der tatsächlichen Forschung voN GEOMAR an Offshoresüßwasservorkommen war ein Geflecht von Korruption dort eine Inspiration für den Roman.

Geschickt verwebt Laub die Handlungsstränge, bringt überraschende Wendungen, erzeugt Spannung und liefert Fakten ohne dabei dem Info Dump zu verfallen.

Der Schreibstil von Laub ist angenehm und so bin ich rasant durch die Seiten geflogen. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung. „Blaues Gold – Der Kampf ums Wasser beginnt“ ist im Heyne Verlag erschienen und als Taschenbuch, EBook und Hörbuch erhältlich. ISBN der Taschenbuchausgabe: 978-3453428454