Stadtwerke Gießen unterstützen Bogensportler

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Stephanie Orlik aus dem SWG-Marketing (stehend, ganz rechts) brachte den Bogen und die weitere Ausrüstung beim 1. Bogensportclub Gießen vorbei. Mit den Kindern und Jugendlichen freuten sich Lola van Elkan (Leitung Schul-AG der Sophie-Scholl-Schule, stehend, Vierte von rechts), der 2. Vorsitzende des Vereins Dr. Sebastian Marschall (stehend, Dritter von rechts) und Jugendwart Jörg Heinemann.

Auch 2024 führen die Stadtwerke Gießen ihre Aktion „Spiel’ Dein Spiel“ fort. Der 1. Bogensportclub Gießen macht den Anfang in diesem Jahr.

 

 

Ursprünglich für die Jagd konstruiert, jahrhundertelang als kriegsentscheidende Distanzwaffen gefürchtet, heute Sportgeräte in vielen verschiedenen Ausprägungen: Pfeil und Bogen haben eine erstaunliche Entwicklung hinter sich, die Menschheitsgeschichte geprägt und liegen voll im Trend. Immer mehr Menschen entdecken den Bogensport für sich. Auch hier in der Region. 180 begeisterte Bogenschützinnen und -schützen treffen sich regelmäßig im 1. Bogensportclub Gießen e. V., um für Wettkämpfe zu trainieren, um zur Ruhe zu kommen oder um zusammen mit Freunden die Natur auf dem Bogenplatz zu erleben oder einfach nur zum Spaß. Ebendiese Freude dürfte der wichtigste Grund für die mittlerweile 18 Kinder und Jugendlichen zwischen vier und 17 Jahren sein, die beim 1. BSC Gießen auf die großen Scheiben mit den schwarzen, blauen und roten Ringen um den gelben Zielkreis schießen.

„Der Umgang mit Pfeil und Bogen übt auf viele eine große Faszination aus“, weiß Dr. Thomas Volk, 1. Vorsitzender des 1. BSC, und ergänzt: „Darüber hinaus hat unser Sport jede Menge positive Effekte für Gesundheit und Wohlbefinden.“ Genau diese Wirkungen auf Körper und Geist sind ein zentraler Grund dafür, warum die Stadtwerke Gießen (SWG) den 1. BSC im Rahmen ihrer Aktion „Spiel‘ Dein Spiel“ unterstützen. „Auch wir waren überrascht, wie sehr gerade Kinder und Jugendliche vom Bogenschießen profitieren“, begründet Stephanie Orlik, im SWG-Marketing für das Projekt verantwortlich, die Entscheidung. Das Unternehmen ließ dem 1. BSC einen Jugendbogen, diverse Pfeile, eine Scheibe, Schutzausrüstung der Firma Bogensport Kramer und T-Shirts im Gesamtwert von etwa 1.000 Euro zukommen. „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir mit unserer Bewerbung überzeugen konnten und den Zuschlag für die Spende bekamen. Das Material können wir sehr gut für unsere beliebten Schnupperkurse und den Trainingsbetrieb gebrauchen“, bringt es Jugendwart Jörg Heinemann auf den Punkt.

 

Einfach mal ausprobieren

Um wirklich wettkampfmäßig Bogen zu schießen, braucht es natürlich eine eigene, individuell passende Ausrüstung. Doch wer anfängt, muss nicht sofort investieren. Zumindest nicht beim 1.BSC Gießen. „Für unsere Schnupperkurse haben wir für jeden den richtigen Bogen zum Ausleihen“, verspricht Jörg Heinemann. Die Sportgeräte unterscheiden sich natürlich in der Größe. Aber vor allem im sogenannten Zuggewicht. Damit ist die Kraft gemeint, die es aufzubringen gilt, um die Sehne in die optimale Abschussposition zu ziehen. Je höher das Zuggewicht, desto weiter fliegt der Pfeil durch die Luft.

Weil der Abstand zum Ziel in den verschiedenen Wettkämpfen vorgegeben ist – beim olympischen Bogenschießen steht die Scheibe mit 1,22 Meter Durchmesser auf stolzen 70 Metern – müssen alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in der Lage sein, die dafür nötigen Zuggewichte zu bewältigen. Und genau hier kommt der erste gesundheitsfördernde Aspekt ins Spiel: Wer regelmäßig Bogen schießt, trainiert seine Muskulatur, wird kräftiger und erarbeitet sich so nach und nach die Fähigkeit, stärkere Bögen zu schießen und längere Distanzen mit seinen Pfeilen zu überwinden. Der Kraft- und Muskelzuwachs betrifft natürlich vor allem den Schulterbereich. Aber auch die Muskulatur der Arme, des Rumpfs und der Beine wird automatisch mittrainiert. „Ein stabiler Stand ist eine Grundbedingung für gute Treffer. Und um die dafür nötige Spannung zu halten, braucht es in praktisch allen Körperregionen Kraft“, erklärt Dr. Thomas Volk den Zusammenhang.

 

Noch mehr Positives

Was die meisten Laien wundern dürfte: Bogenschießen verbrennt jede Menge Kalorien und ist folglich auch ein Training für den Stoffwechsel. Der Grund dafür ist leicht erklärt: Bogenschützinnen und -schützen müssen sich ihre Pfeile aus der Scheibe wiederholen. Zu Fuß. An einem normalen Wettkampftag kommen in der olympischen Disziplin gut und gern acht Kilometer zusammen. Darüber hinaus braucht auch das Gehirn jede Menge Energie. „Sich zu fokussieren und Störendes ausblenden zu können, ist ein entscheidender Erfolgsfaktor in unserer schönen Sportart“, fügt Jörg Heinemann hinzu.

Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass regelmäßiges Bogenschießen zudem die Konzentrationsfähigkeit fördert. „Ein Effekt, der gerade in der Jugendarbeit enorm wichtig ist“, findet der Jugendwart. Dass sich dadurch auch Frustrationstoleranz und Durchhaltevermögen erhöhen, spricht ebenfalls dafür, schon Kinder an den Sport heranzuführen. Tatsächlich ist der Einstieg relativ leicht und häufig mit steilen Lernkurven verbunden. Die gewünschte Perfektion zu erlangen, erfordert hingegen diszipliniertes Training – üblicherweise über einen längeren Zeitraum.

Nicht zuletzt punktet der Bogensport mit seinem inklusiven Charakter. Im Grunde können fast alle Menschen gemeinsam Spaß daran haben oder auch im Wettkampf gegeneinander antreten. Das Geschlecht spielt keine Rolle, das Alter nur eine untergeordnete. Denn schnelle Bewegungen oder Reaktionen sind nicht gefragt. Darüber hinaus ist Bogenschießen auch für Menschen mit körperlicher Einschränkung eine echte Option. Denn ein Rollstuhl stellt schlicht kein Problem dar. Das gibt es nur in wenigen anderen Sportarten.

 

Erfreuliche Entwicklung

All diese positiven Aspekte sorgen dafür, dass sich die Jugendarbeit beim 1. BSC ständig weiterentwickelt – sowohl was die Zahl der jungen Mitglieder angeht als auch deren sportliche Erfolge. So konnten sich bereits vier der acht an den Bezirksmeisterschaften teilnehmenden Kinder für die Hessischen Meisterschaften qualifizieren. 2021 schoss sich ein damals 13-Jähriger zu den Deutschen Meisterschaften und belegte einen Top-20-Platz.

Viel wichtiger als Titel und Qualifikationen ist den Verantwortlichen des 1. BSC aber, dass die Kinder gern ins Training kommen. „Bei uns steht der Spaß immer ganz oben. Dann kommt der Erfolg von allein“, beschreibt Jörg Heinemann die Grundidee. Ebendiesen Ansatz verfolgt der Club auch bei der AG in der Sophie-Scholl-Schule. Hier erlernen sieben begeisterte Kids unter fachkundiger Anleitung eines Trainers vom 1. BSC die wichtigen Grundlagen und feilen an ihrer Technik. Vor Corona waren es noch 15. „Wir setzen alles daran, das wieder zu erreichen“, erklärt Jörg Heinemann. „Genau dieses Engagement möchten wir mit unserer Aktion ,Spiel‘ Dein Spiel‘ unterstützen. Der 1. Bogensportclub Gießen ist ein Paradebeispiel dafür, wie gute Jugendarbeit im Verein aussehen kann“, findet Stephanie Orlik.