Nach Herzinfarkt oder Herz-OP: Konsequente Rehabilitation hilft bei Rückkehr in den Alltag Aber: Nur etwa die Hälfte der HerzpatientInnen mit Anspruch auf Reha nimmt Angebot wahr

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Deutsche Herzstiftung

(Frankfurt/Main, 23. Januar 2024) Nach der Behandlung eines Herzinfarkts im
Krankenhaus mittels Herzkatheter und Stent oder einer Bypassoperation ist die akute
Lebensgefahr meist erst einmal gebannt. Für die Betroffenen, die einen Herzinfarkt
überlebt haben, ändert sich das Leben dennoch oft schlagartig. Häufig werden sie aus
dem Berufsleben gerissen und wissen nicht, ob sie je wieder in ihrem Beruf arbeiten
können, sie sind verunsichert, was sie ihrem Herzen noch zumuten können, haben
Angst vor einem erneuten Herzinfarkt. „Deshalb ist es für Patienten mit Herzinfarkt,
aber ebenso mit Herzschwäche (Herzinsuffizienz), koronarer Herzkrankheit,
Herzklappenerkrankungen und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen extrem
wichtig, direkt im Anschluss an die Behandlung in der Akutklinik eine kardiologische
Rehabilitation durchzuführen“, hebt Professor Dr. Bernhard Schwaab,
Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung hervor. „Denn Ziel einer
kardiologischen Rehabilitationsbehandlung ist es, die Patientinnen und Patienten
optimal medizinisch weiter zu versorgen und gesundheitlich auf vielfältige Weise so
zu fördern, dass sie möglichst stabil und mit einem guten Selbstwertgefühl in den
Alltag mit Familie, Gesellschaft und Beruf zurückfinden“, ergänzt Schwaab, Chefarzt
der Curschmann Klinik, Rehabilitationskrankenhaus für Kardiologie und Angiologie,
Timmendorfer Strand. Die wichtigsten kardiologischen Reha-Maßnahmen inklusive
psychologischer Unterstützungsprogramme bei verschiedensten Herz-Kreislauf-
Erkrankungen, hat die Deutsche Herzstiftung in dem neuen Ratgeber „Kardiologische
Rehabilitation“ zusammengefasst, der kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder
unter https://herzstiftung.de/reha-broschuere erhältlich ist. Die Broschüre
informiert umfassend – gegliedert nach unterschiedlichen Herzerkrankungen – vom
Antrag bis zur konkreten Umsetzung der Reha und der passenden Nachsorge.
Nur etwa die Hälfte der Betroffenen mit einem akuten Herzereignis nimmt die
kardiologische Rehabilitation in Anspruch
Prinzipiell steht in Deutschland allen Patienten nach einem akuten kardialen Ereignis
mit Krankenhausaufenthalt auch eine kardiologische Rehabilitation (Anschluss-
Heilbehandlung, AHB, Anschluss-Rehabilitation, AR) zu. Am besten sollte die Reha
bereits in der Akutklinik beantragt werden und sich direkt an den Aufenthalt im
Krankenhaus anschließen. Denn gerade in den ersten Wochen nach dem Akutereignis
sind die Patienten für lebensstiländernde Maßnahmen besonders empfänglich. In
dieser Zeit ist auch der Bedarf an Unterstützung zur Krankheitsverarbeitung und zur
Bewältigung der Angst besonders hoch. Leider nimmt nur etwa die Hälfte der
Anspruchsberechtigten eine kardiologische Reha überhaupt wahr – und davon noch
einmal deutlich weniger Frauen als Männer. Bei den Patienten nach Herzoperation ist
dieser Anteil höher, bei den Patienten mit Herzschwäche jedoch deutlich niedriger.
Dabei hat sich die Prognose für Patientinnen und Patienten, insbesondere nach
Herzinfarkt und nach Bypass-OP, in den letzten Jahren auch dank der kardiologischen
Rehabilitations-Maßnahmen wesentlich gebessert.
Teilnahme an kardiologischer Rehabilitation verbessert Lebenserwartung
Studiendaten zeigen, dass die Teilnahme an einer Rehabilitationsmaßnahme nicht nur
die Therapietreue hinsichtlich Medikamenteneinnahme, körperlicher Bewegung,
Nikotinverzicht, gesunder Ernährung und Lebensstil fördert sowie die Lebensqualität
deutlich verbessert. Auch die Lebenserwartung der Betroffenen wird mitunter erhöht
und es kommt zu weniger Krankenhausaufenthalten aufgrund der Herzerkrankung.
Somit ist die konsequente Nachsorge in einer kardiologischen
Rehabilitationseinrichtung bei Vorliegen oder bei Neudiagnose von schwerwiegenden
Herz-Kreislauf-Erkrankungen unverzichtbar für die Betroffenen. „Wer nach einem
Herzinfarkt zur kardiologischen Reha geht, erleidet nur etwa halb so häufig einen
erneuten Herzinfarkt. Auch das Risiko, an den Folgen des Infarktes zu sterben, sinkt
erheblich“, ergänzt Reha-Mediziner Schwaab.
Wichtige Maßnahmen in der kardiologischen Rehabilitation
Eine kardiologische Reha (KardReha) basiert auf mehreren Säulen, die sich – je nach
Bedarf des Patienten – unterscheiden können. Zu Beginn einer Reha werden
gemeinsam mit dem behandelnden Arzt die persönlichen Reha-Ziele festgelegt. Je
nachdem wo diese liegen, können ergänzend zum Beispiel berufliche und psychische
Probleme, Stressbewältigung oder eine Raucherentwöhnung mitaufgenommen
werden. Die Basis der KardReha sind Bewegungstherapie und körperliches Training.
Die psychosoziale Unterstützung spielt ebenfalls eine große Rolle. Denn Angst und
Depressionen aufgrund einer Herzerkrankung stehen oft einer gesundheitlichen
Verbesserung im Weg. Darüber hinaus ist es wichtig, einen gesunden Lebensstil mit
Nikotinstopp, Entspannung, Ernährung und gesundem Körpergewicht zu vermitteln
sowie die medikamentöse Therapie zu optimieren.
Bewegung und herzgesunde Ernährung
Ein dauerhaft gesunder Lebensstil ist der Schlüssel zu gesunden Gefäßen. Zentral ist
die regelmäßige körperliche Bewegung, am besten fünfmal pro Woche je 30 bis 45
Minuten und die herzgesunde Ernährung, nach Vorbild der Mittelmeerküche mit viel
Gemüse, wenig Fleisch, eher Fisch, wenig Salz, vielen Ballaststoffen, insbesondere in
Form von Vollkornprodukten, weniger Zucker und mehr pflanzlichen Ölen anstelle
von tierischen Fetten.
Psychologische Unterstützung in der KardReha
Nach Experteneinschätzung benötigen 20 bis 30 Prozent der Herzinfarkt-Betroffenen
psychologische Hilfe, um zum Beispiel Ängste vor einem erneuten Infarkt zu
verarbeiten. Betroffene ziehen sich oft aus dem sozialen Leben zurück und müssen
ihre berufliche und familiäre Situation neu ausrichten. In der Reha werden Patienten
daher gezielt bei der Krankheitsverarbeitung und Stressbewältigung unterstützt. Sie
erhalten Hilfe bei der Bewältigung von Angstzuständen, Depressionen oder anderen
seelischen Belastungen. Je früher eine Therapie beginnt, desto besser lässt sich
verhindern, dass sich die Probleme verfestigen. Einzel- und Gruppentherapien,
psychologische Unterstützung und das Einüben von Entspannungstechniken können
Betroffenen eine stabile und selbstbewusste Rückkehr in den Alltag ermöglichen.
Service: Neuer Ratgeber für
Betroffene
Die Herzstiftung informiert
Menschen mit Herz-Kreislauf-
Erkrankungen und Interessierte im
kostenfreien Ratgeber
„Kardiologische Rehabilitation“
über die Chancen die Reha-Maßnahmen bieten, was bei der Antragstellung zu
beachten ist, welche Form der Reha-Maßnahme individuell am besten passt, um die
kardiovaskuläre und seelische Gesundheit zu verbessern und über vieles mehr. Der
Ratgeber kann kostenfrei unter Tel. 069 955128-400 oder unter
https://herzstiftung.de/reha-broschuere bestellt werden.
Tipp: Weitere Informationen zum Thema bietet die Herzstiftung in zwei Podcast-
Folgen an:
„Stärkung fürs schwache Herz – warum eine Reha wichtig ist“- Gespräch mit Prof.
Dr. Bernhard Schwaab zur Bedeutung der Reha bei Herzschwäche:
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/herzschwaeche-reha
„Wie viel Sport geht nach Herzinfarkt?“ – Gespräch mit Sportwissenschaftler Peter
Dohmann über körperliches Training nach Herzinfarkt oder Bypassoperation:
https://herzstiftung.de/service-und-aktuelles/podcasts/herzinfarkt-sport
Professor Dr. Bernhard Schwaab, Chefarzt der
Curschmann Klinik, Rehabilitationskrankenhaus für
Kardiologie und Angiologie, Timmendorfer Strand,
Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung
(Bildnachweis: DGPR)
Broschüre „Kardiologische Rehabilitation“
(Bildnachweis: Deutsche Herzstiftung)
Tel. unter 069 955128-140/114

Wolfgang Klaum
Ehrenamtlicher Beauftragter der Deutschen Herzstiftung